Auf der Suche nach ausgeglichenerem Wettbewerb in der Bundesliga gab es schon zahlreiche Lösungsansätze, doch nie fand einer die allgemeine Zustimmung. Auch die Idee, ein Playoff-System in der Liga zu etablieren, hat nicht nur Befürworter. Zu den Kritikern zählt auch Frankfurts Sportdirektor Fredi Bobic.


"Wenn die irgendwann mal wieder Lust haben, eine Meisterschaft richtig zu feiern, weil es am Ende spannend sein sollte, geht das nur, wenn ein Playoff-Modus eingeführt wird." - Mit dieser Aussage sorgte Michael Reschke, Sportdirektor des ​VfB Stuttgart, im August des vergangenen Jahres gegenüber der Welt für Aufsehen. Denn die Angst vor der gnadenlosen Dominanz des ​FC Bayern teilten und teilen seinerzeit wie heute viele, die um das Wohl der deutschen Bundesliga besorgt sind. Schon damals aber war sich nicht jeder so sicher, dass das vorgeschlagene Playoff-System, mittels dessen im US-Sport jede der großen Meisterschaften ausgefochten wird, das Richtige für eine so gefestigte, so etablierte Liga wie die deutsche wäre. 

2018 MLS Cup - Portland Timbers v Atlanta United

Der US-amerikanische MLS-Cup wird jährlich im Playoff-System ausgespielt



So naiv sie auch scheinen mag, so groß ist nämlich auch die Hoffnung zahlreicher Fußballfans, dass es Vereinen aus eigener Kraft gelingen könnte, den Rekordmeister zu stürzen. Zu diesem Vertrauen in die Handlungsmacht der Bayern-Konkurrenz bekannte sich gegenüber DAZN nun auch Fredi Bobic. "Wir fahren sehr gut mit dem System, das wir in Europa und mit Ausnahme der USA eigentlich auch überall sonst auf der Welt haben", so der Sport-Vorstand der Frankfurter Eintracht, der meint, Playoffs seien vom "Geist des Fußballs" nun mal eigentlich nicht vorgesehen. 


Schwäche durch Umbruch


Die Position, die der einstige deutsche Nationalspieler damit einnimmt ist heute wieder eine zunehmend populäre. Denn die laufende Bundesliga-Saison gestaltet sich so spannend wie seit einigen Jahren nicht mehr. Mit einem Herbstmeister, der nicht aus München kommt, und derzeit noch engem Titelkampf scheint die Liga zum ersten Mal in einer gefühlten Ewigkeit Werbung für sich machen zu können. Dazu hat auch Bobic selbst beigetragen: Mit ​Eintracht Frankfurt gewann er gegen ebendiese vermeintlich übermächtigen Bayern ein Pokalfinale, hat über die vergangenen Jahre in Hessen ein Team geformt, das sich selbst unter neuem Trainer anschickt, erneut zur deutschen Spitze zu gehören. Doch könnte der Erfolg womöglich blenden. 

Eintracht Frankfurt Celebrates Winnning The DFB Cup

Im vergangenen Jahr gewann Eintracht Frankfurt gegen die Bayern den DFB-Pokal



Denn während sich mit ​Borussia Dortmund vielleicht eine Mannschaft wiederholt in ähnliche Sphären katapultiert hat wie die, in denen es sich der Rekordmeister seit Jahren gemütlich machen konnte, könnten sämtliche anderen Trends schon in der Rückrunde ein Ende finden - so ungern das alle außerhalb der Bayrischen Hauptstadt sähen. Denn man muss berücksichtigen, dass der FCB derzeit lediglich deshalb manchmal Nerven zeigt, weil er sich in einem Umbruch befindet. Einem, der zuletzt gefährlich gut zu funktionieren scheint und dennoch lange nicht abgeschlossen ist, weil geplante Riesentransfers noch ausstehen. 


Playoffs nicht vom Tisch


Die längste Siegesserie der Liga mit einer Länge von fünf Spielen gehört schon jetzt wieder den Bayern. Das letzte Opfer? Bobics Eintracht Frankfurt - 0:3. Nein, die Münchner sind lange nicht so gut wie in der Vergangenheit, aber das liegt nicht an der Konkurrenz. Das liegt an den Titelverteidigern selbst. Gleichzeitig haben Hoeneß und Co. jedoch Geld und Galle genug, sich wieder zum Alleinherrscher der Bundesliga aufzuschwingen. Spätestens dann, in ein, vielleicht ja erst zwei Jahren, wird wieder nach einer Lösung gesucht werden. Und auch das Stichwort "Playoffs" wird dann wieder relevant sein - selbst für Fredi Bobic.