Zu einem nationalen Classico fehlen dieser Partie zwar noch einige historische Begegnungen, die Partie vom 21. Spieltag der Premier League gehört aber sicherlich zu einem der intensivsten Matches zwischen beiden Teams. Am Ende setzte sich City mit einem 2:1 Heimsieg gegen den Konkurrenten aus Liverpool durch und konnte den Abstand auf den Tabellenführer auf vier Punkte verkürzen.


Die Vorzeichen standen gut für alle diejenigen, die auf ein spannendes Spiel zwischen beiden Mannschaften gehofft haben. Der Tabellenführer aus Liverpool war beim Tabellendritten aus Manchester zu Gast und konnte mit einem Sieg den Abstand auf Pep Guardiola und seine Mannen auf ganze zehn Punkte ausbauen. Dies würde naturgemäß für eine Art Vorentscheidung im Titelkampf sorgen und der Konkurrenz einen gehörigen Schlag verleihen.


Beide Teams formierten sich auf dem Papier in 4-3-3-Systemen, in denen Sane, Aguero und Sterling dem Liverpooler Offensivtrio um Salah, Mane und Firmino die Stirn bieten sollten. Im Dreiermittelfeld von Liverpool spielten Wijnaldum, Henderson und Milner und verkörperten formell eine eher konservative und defensiv orientierte Marschroute.


City stand in der Anfangsviertelstunde extrem hoch im Angriffspressing und schnürte Liverpool weit in der eigenen Hälfte ein. Durch gute Anlaufbewegungen und eine aggressive Herangehensweise konnte sich LFC nur selten aus dem eigenen Abwehrdrittel lösen und kontrollierte Angriffe aufbauen. So entwickelte sich zu Beginn der Spitzenpartie ein intensives und zweikampfbetontes Spiel, das Torraumszenen jedoch vermissen ließ. Auch Liverpool wurde bei Ballbesitz von City häufig mutiger und stellte ebenfalls die Anspielstationen der Sky Blues in deren Abwehrzone zu. Unterschiede ergaben sich jedoch im Pressingverhalten beider Mannschaften, die unterschiedliche Ansätze und Laufwege verfolgten. Während bei Liverpool primär durch die drei Offensivkräfte Mane, Salah und Firmino Druck auf die gegnerische Abwehr ausgeübt wurde, ließen sich bei City Sane und Sterling nach außen hin fallen. Die so entstehende Lücke in der Spitze wurde zumeist von Bernardo Silva geschlossen, der den leicht zur Seite abkippenden Aguero beim Angriffspressing unterstütze. So ergaben sich situativ 4-2-4 Formationen aufseiten von Manchester City, die insbesondere durch den exzellent agierenden Fernandinho im zentralen defensiven Mittelfeld abgesichert wurden.


Pressing City

City konnte im Angriffspressing beide Innenverteidiger sowie die Außenverteidiger von Liverpool aktiv am Spielaufbau stören


Insgesamt war das Spiel stark durch taktische Zwänge geprägt und offenbarte den Zuschauern nur wenige klare Torchancen. Die wenigen hatten es jedoch in sich. Beispielsweise Manes Pfostenschuss nach einer Viertelstunde, der durch Salah eingeleitet wurde. Der Ägypter ließ sich ins Mittelfeld fallen, wurde nicht eng genug markiert, konnte aufdrehen und mit einem Doppelpass das gesamte Mittelfeld von City aus dem Spiel nehmen. Der anschließende Schnittstellenpass auf Mane konnte von diesem jedoch nicht veredelt werden. Kurz vor der Pause konnte Aguero seine Farben dann in Führung bringen. Nach einem vermeintlichen Foulspiel im Strafraum von Liverpool bleib Aguero liegen, während City den zweiten Ball sichern konnte und einen weiteren Angriff aufbaute. Aguero entschwand dadurch für eine kurze Zeit aus dem Fokus von Lovren, konnte sich im Anschluss im richten Moment absetzen und das Zuspiel von der linken Grundlinie zum 1:0 versenken.


Liverpool hatte fortan über weite Strecken Probleme bei eigenem Ballbesitz das Spiel zu machen, die sonst so aktiven Außenverteidiger wurden durch die emsig defensiv arbeitenden Sane und Sterling häufig aus dem Spiel genommen und konnten sich nicht wie erhofft in die Offensive des Tabellenführers einbringen. Beim Ausgleichstreffer durch Firmino gelang dies jedoch wundervoll, als Alexander-Arnold Sane auf der rechten Seite aussteigen ließ und sein Ball hinter die gegnerische Abwehr vom linken Außenverteidiger Robertson im Strafraum zu einer Flanke auf Firmino verarbeitet werden konnte. Der Rest war für die Nummer 9 der Reds Formsache und zeigte auf, wie wichtig das offensive Flügelspiel der Außenverteidiger für die gesamte Spielanalage von Jürgen Klopps Team letztendlich ist. Guardiolas Schachzug mit den beiden zurückgezogenen Flügelstürmern Sane und Sterling ging hierbei voll auf und war ein Garant für den Erfolg.


City zeigte sich jedoch nur kurz geschockt vom Ausgleich und konnte nur knapp zehn Minuten später antworten. Sterling, der sich in den rechten Halbraum fallen ließ, konnte ein Zuspiel annehmen und aufdrehen. Sein Dribbling parallel zur Strafraumkante endete schließlich mit einem Pass in den Lauf auf Sane, der per Flachschuss den 2:1 Siegtreffer erzielte. Eine gute Halbraumbewegung sorgte letzten Endes für die Entscheidung in dieser Partie, die nicht konsequent durch das defensive Mittelfeld von Liverpool unterbunden werden konnte. Die Reds, das zwischenzeitlich durch die Hereinnahme von Fabinho auf ein 4-2-3-1 umgestellt hatten, wurden durch einen einfachen Pass aus der Abwehr von City heraus überspielt. 


Insoweit zeigte die Partie einmal mehr auf, dass besonders auf diesem Spitzenniveau Kleinigkeiten und Nuancen über Sieg und Niederlage entscheiden. Über weite Strecken konnten sich beide Teams neutralisieren und die jeweiligen Stärken des Gegners egalisieren. Dennoch fanden beide Offensivreihen trotz konzentrierter Abwehrarbeit und intensiver Zweikampfführung immer wieder Lösungen, die letztendlich Manchester City zu einem 2:1 Heimsieg krönten.