Naldo verläßt den ​FC Schalke 04! Was vor wenigen Tagen noch wie ein missglückter Silvesterscherz geklungen hätte, ist jetzt amtlich: Mit sofortiger Wirkung verlässt der Abwehr-Routinier die Knappen in Richtung Monaco. Die sportlichen Hauptverantwortlichen bei den Königsblauen, Christian Heidel und Domenico Tedesco, gehen damit ein hohes Risiko ein.


Das Wort "Führungsspieler" wird heutzutage gerne in den Mund genommen, um den besonderen Wert mancher Spieler, losgelöst von rein sportlichen Aspekten, zu veranschaulichen. Mit Naldo hatte der FC Schalke 04 eigentlich ein Musterbeispiel an Führungskraft in seinen Reihen. Sein Ausgleichstor beim jetzt schon zum Mythos erhobenen 4:4-Spektakel im Dortmunder Signal-Iduna-Park in der vergangene Saison, haben ihn für immer in die Ruhmeshalle des Vereins einziehen lassen. ​Naldo - was sonst? 


Um ihn herum, so dachte man, würden die Bosse in den nächsten ein, zwei Jahren eine schlagkräftige Mannschaft gruppieren, aus der sich dann der Spieler peu a peu zurückziehen würde. Schließlich ist der Herr auch schon 36! Zwar kam der Brasilianer in dieser Spielzeit noch nicht so richtig zum Zuge (von den 17 Bundesliga-Spielen der Hinrunde absolvierte er 7), aber daraus einen bevorstehenden Wechsel abzuleiten, wäre wohl nur den wenigsten (oder phantasiereichsten) Beobachtern eingefallen. Im Frühsommer des letzten Jahres schaffte derselbe Spieler es immerhin noch, in der alljährlichen und prestigeträchtigen kicker-Umfrage als erster Abwehrspieler seit 1999 zum "Spieler des Jahres" gewählt zu werden. Trotz seines Alters. 


Mit ihrem Placet zum Weggang des Spielers haben Christian Heidel (55) und Domenico Tedesco (33) zweifellos den ohnehin schon großen Druck auf sich und die Mannschaft noch einmal erhöht. 


Wie kommt ein Verein dazu, nicht nur einen seiner Leistungsträger abzugeben, sondern auch noch gleichzeitig die Identifikationsfigur im Klub? Und das in Zeiten, allerorts beweinter und immer weiter um sich greifender Entfremdung zwischen Klubs und Fans. Und auch noch, wie es aussieht, ohne Not. Oder doch nicht? 


Da sich beide Parteien in Bezug auf Erklärungen noch bedeckt halten, sprießen logischerweise die Spekulationen ins Kraut. Denkbar wäre es, dass der Spieler selbst an die Bosse herangetreten ist und seine Wechselabsichten bekundet hat. Aber in dem Fall hätte man als Verein auch hart bleiben können. Andererseits sahen sich die Verantwortlichen vielleicht in einer moralischen Schuld, dem mehr als verdienten Spieler keine Steine in den Weg in eine neue Zukunft zu legen. 


Viel "wenn", viel "hätte" - solange weder Spieler noch Verein klar Stellung zu dieser Personalie beziehen, wird man als geneigter Fan nur ungläubig da sitzen und mit dem Kopf schütteln. Die abstiegsbedrohte AS Monaco jedenfalls kann sich auf einen in zahlreichen Schlachten gestählten Abwehrrecken freuen.​