Umbruch geglückt: Das 90min-Transferzeugnis für Eintracht Frankfurt

Sportliche Erfolge bedeuten oftmals für die Vereine, dass sie mit dem Abgang wichtiger Spieler rechnen müssen. So erlebte es auch Eintracht Frankfurt - die SGE stand als Pokalsieger plötzlich vor einem erneuten Umbruch, den es für Sport-Vorstand Fredi Bobic und Sportdirektor Bruno Hübner zu bewältigen galt.


Gepaart mit dem neuen Trainer Adi Hütter standen die Hessen vor einem Neuanfang, konnten diesen bislang allerdings überzeugend meistern und sind trotz des Aus in der ersten Runde des DFB-Pokals voll auf Kurs. Gemessen an den bisherigen Leistungen stellen wir den Hessen nun ein erstes Transferzeugnis aus, das einen Überblick darüber verschaffen soll, wie sich die Mannschaft mit den Zu- und ohne den Abgängen schlägt. 

1. Tor (2+)

Zugänge:

  • Kevin Trapp (Leihe von PSG)
  • Frederik Rönnow (Bröndby, 2,8 Millionen Euro)
  • Felix Wiedwald (Leeds United, ablösefrei)

Abgänge:

  • Lukas Hradecky (Bayer Leverkusen, ablösefrei)
  • Leon Bätge (Würzburger Kickers, ablösefrei)

Im Sommer musste die Eintracht mit Lukas Hradecky den Verlust eines hochkarätigen Torhüters hinnehmen, der innerhalb der Bundesliga zu Bayer Leverkusen wechselte und seinen im Sommer auslaufenden Vertrag nicht verlängerte. Frühzeitig verpflichteten die Hessen den Dänen Frederik Rönnow, doch nach einem schwierigen Start inklusive einer Knieverletzung des 26-Jährigen wurde kurz vor dem Ende des Transferfensters der Transfer von Kevin Trapp bekanntgegeben.


Der Ex-Kapitän der Eintracht wechselte bis zum Saisonende von Paris St. Germain zum amtierenden Pokalsieger und etablierte sich schnell als neue Nummer eins. Trapp ist ein Führungsspieler, schloss die Lücke, die Hradecky hinterließ souverän und lässt Rönnow im Konkurrenzampf keine Chance. Der Däne erwies sich bislang als zuverlässige Nummer zwei, doch es ist wenig verwunderlich, dass die Verantwortlichen darum bemüht sind, Trapp über die Saison hinaus halten zu wollen. 

2. Abwehr (2)

Zugänge:

  • Evan N'Dicka (IV, AJ Auxerre, 5,5 Millionen Euro)
  • Carlos Salcedo (IV, von Chivas fest verpflichtet, 5 Millionen Euro)

Zwar stand in Frankfurt ein erneuter Umbruch bevor, die Abwehr sollte dabei jedoch nicht das Hauptaugenmerk sein. Neben der gezogenen Kaufoption bei Carlos Salcedo verpflichteten die Adler den Franzosen Evan N'Dicka, der nach kurzer Anlaufzeit zum festen Bestandteil der Dreierkette wurde und sich gut in das Spiel unter Adi Hütter einbinden konnte.


Deji Beyreuther ist der einzige Verlust in der Abwehr. Den 19-Jährigen zieht es allerdings erst zum Jahreswechsel auf Leihbasis nach Chemnitz.

3. Mittelfeld (3)

Zugänge:

  • Lucas Torró (ZM, Real Madrid, 3,5 Millionen Euro)
  • Filip Kostic (LM, HSV, Leihe, Gebühr: 1,2 Millionen Euro)
  • Chico Geraldes (OM, Sporting, Leihe, Gebühr: 200.000 Euro)
  • Nicolai Müller (RM, HSV, ablösefrei)
  • Allan (ZM, Liverpool U23, Leihe)

Abgänge:

  • Marius Wolf (RM, BVB, 5 Millionen Euro)
  • Omar Mascarell (DM, Real Madrid, 4 Millionen Euro)
  • Aymen Barkok (ZM, Fortuna Düsseldorf, Leihgebühr: 800.000 Euro)
  • Kevin-Prince Boateng (ZM, US Sassuolo, ablösefrei)
  • Max Besuschkow (ZM, Saint Gilloise, Leihe)
  • Marijan Cavar (ZM, NK Osijek, Leihe)
  • Daichi Kamada (OM, St. Truiden, Leihe)

Die größte Baustelle stellte in diesem Sommer das Mittelfeld dar. Eintracht Frankfurt verlor mit Omar Mascarell, Marius Wolf und Kevin-Prince Boateng drei Führungskräfte und verpflichtete dafür unter anderem Filip Kostic, Chico Geraldes, Lucas Torró, Allan Souza, Nicolai Müller und kürzlich erst Sebastian Rode.


Die Neuzugänge blieben größtenteils hinter den Erwartungen: Geraldes kehrte kurz vor Weihnachten zu Sporting Lissabon zurück, auch Souza und Torró hinterließen noch keinen bleibenden Eindruck. Während sich Müller im Konkurrenzkampf bemüht zeigt, blüht Kostic in seiner neuen Rolle als linker Außenverteidiger auf und ist ein reger Fixpunkt im Umschaltspiel über die Außenbahn. 


Die Verluste um Wolf, Boateng und Mascarell konnten zwar nicht durch Neuzugänge gänzlich ersetzt werden, doch das vorhandene Personal wiegelte den Verlust beinahe im Alleingang auf - lediglich Kostic ist bislang eine echte Verstärkung und unumstrittener Stammspieler.

4. Angriff (2+)

Zugänge:

  • Goncalo Paciencia (ST, FC Porto, 3 Millionen Euro)
  • Ante Rebic (ST, fest verpflichtet von AC Florenz, 2 Millionen Euro)

Abgänge

  • Renat Dadashov (ST, Estoril Praia, abslösefrei)

Die wohl wichtigste Verkündung im Angriff war die Vertragsverlängerung von Ante Rebic, der sich trotz aller Wechselgerüchte für einen Verbleib in Frankfurt entschied und somit die Bemühungen der sportlichen Führung  belohnte. Gemeinsam mit Luka Jovic und Sebastien Haller bildet er eine der gefährlichsten Offensiven der Liga. Das Trio versteht sich auf dem Platz blind, erzielt einen Großteil der Frankfurter Tore und sorgt auch in der Europa League für Furore.


Anders sieht es bei Goncalo Pacienca aus. Der Neuzugang vom FC Porto erlitt jedoch auch einen Meniskusriss zu Beginn der Saison, fiel daher bis zum Jahresende aus und wird voraussichtlich zur Rückrunde noch einmal angreifen wollen.

5. Gesamtbewertung (2)

Zu Gute halten muss man den Frankfurtern, dass im Tor mit Kevin Trapp ein adäquater Ersatz für Hradecky gefunden wurde. Allerdings werden erst die nächsten Monate darüber entscheiden, ob der Rückkehrer weiterhin bei der Eintracht verweilen oder nach Paris zurückkehren wird. Auch in der Abwehr und im Angriff leisteten Bobic & Co. gute Arbeit, behielten den wichtigen Kern innerhalb der Mannschaft und ergänzten diesen - zumindest in der Defensive - sinnvoll. 


Im Mittelfeld waren die Auswirkungen des Umbruchs nicht so drastisch wie befürchtet, doch die Neuzugänge brachten bislang nicht die gewünschte Verstärkung, die man sich erhofft hatte - weshalb Sebastian Rode bis Saisonende von Borussia Dortmund ausgeliehen wurde. Als einziger Volltreffer erwies sich bislang Kostic, während ansonsten bereits etablierte Spieler wie Danny Da Costa, Jetro Willems, Jonathan de Guzman oder Gelson Fernandes den Stamm bildeten.


Nach den Verlusten von Wolf, Mascarell und Boateng erwarteten nicht Wenige eine schwierige Saison - zumal nach dem verpatzten Start. Nach einem halben Jahr erwies sich Adi Hütter jedoch als Volltreffer. Auf der Trainerposition lagen Bobic und Co. mit dem Kovac-Nachfolger goldrichtig. Demzufolge haben die Verantwortlichen in Frankfurt gute Arbeit geleistet - bis auf wenige Ausnahmen gehen die guten Leistungen allerdings hauptsächlich auf die Spieler zurück, die letztes Jahr schon da waren. 


Im Mittelfeld und auch in der Abwehr dürfte sich im Hinblick auf das Alter von Spielern wie David Abraham, Makoto Hasebe, Gelson Fernandes oder de Guzman künftig noch einiges zu tun sein. Mit N'Dickia verpflichtete man ein hoffnungsvolles Talent für die Zukunft, das sich schon jetzt auf höchstem Niveau beweist.