Ohne Ausgaben: Das 90min-Transferzeugnis für den FC Bayern

Der FC Bayern München hat sich in den letzten Saisonwochen in der Bundesliga auf den zweiten Tabellenplatz vorgeschoben, doch besonders gut war die Hinrunde für bayerische Verhältnisse nicht. Das spiegelt sich auch bei den (wenigen) Neuzugängen wieder. Serge Gnabry kann man jedoch als Lichtblick bezeichnen. 

1. Abwehr (keine Bewertung)

Neuzugänge: /


Abgänge:

  • Juan Bernat (LV, Paris Saint-Germain), 5 Millionen Euro Ablöse

In der Defensive änderte sich im Vergleich zur Vorsaison nicht viel. Einzig der 25-jährige Spanier Juan Bernat verließ den deutschen Rekordmeister. Präsident Uli Hoeneß weint ihm zwar keine Träne nach, aber es ist doch erstaunlich, wie gut Bernat sich in Paris präsentiert. In der Champions-League-Gruppenphase schoss er sogar zwei Tore. 

Nach 17 Bundesliga-, sechs Champions League- und zwei DFB-Pokalspielen kann man die Abwehr allerdings als Sorgenkind der Bayern bezeichnen. Jerome Boateng und Mats Hummels laufen derzeit ihrer Form hinterher, und auch Niklas Süle war nicht immer sattelfest. Joshua Kimmich spielt stark, inzwischen läuft der 23-Jährige aber häufig auf der defensiven Sechs auf.

2. Mittelfeld (Note: 4)

Neuzugänge:

  • Leon Goretzka (23, FC Schalke), ablösefrei - Verstärkung
  • Renato Sanches (21, Swansea City), Leihende 

Abgänge: 

  • Arturo Vidal (31, FC Barcelona), 18 Millionen Euro
  • Sebastian Rudy (28, FC Schalke 04), 16 Millionen Euro
  • Niklas Dorsch (20, 1. FC Heidenheim), ablösefrei
  • Felix Götze (20, FC Augsburg), ablösefrei
  • Fabian Benko (20, LASK Linz), ablösefrei 

Auch im Mittelfeld blieb der FC Bayern im Sommer äußerst sparsam. Leon Goretzka kam ablösefrei aus Schalke, kam bei Bayern zwar auf 22 Einsätze (zwei Tore, drei Vorlagen), ist aber noch nicht vollends eingeschlagen. Dank seiner geschickten Laufwege könnte er nicht nur im Klub, sondern künftig auch in der Nationalmannschaft eine wichtige Rolle einnehmen. Doch zu häufig taucht Goretzka ab, er muss sich in der Rückrunde präsenter zeigen. 


Renato Sanches hatte ein Unglücksjahr bei Swansea City hinter sich, als er im Juli zum FC Bayern zurückkehrte. Die Erwartungen waren daher eher gering, doch sein Talent ließ der Youngster bei den Bayern immer mal wieder aufblitzen. Gegen seinen Ex-Verein Benfica machte Sanches sein bestes Saisonspiel und krönte es mit einem Traumtor. Dennoch sind andere Mittelfeldspieler, wie etwa Thiago, dem Portugiesen in der Hierarchie noch voraus. 


Der Abgang von Sebastian Rudy tut nicht weh. Schwerer wiegt wohl eher der Verlust von Arturo Vidal, der mit seiner Kämpfernatur gerade in der schwierigen Phase zwischen Oktober und November vorangegangen wäre. 

3. Sturm (3-)

Neuzugänge:

  • Serge Gnabry (23, TSG Hoffenheim), Leihende 

Abgänge:

  • Douglas Costa (28, FC Barcelona), 40 Millionen Euro

Serge Gnabry erzielte in 20 Pflichtspielen vier Treffer und bereitete vier weitere vor. Kollegen wie Arjen Robben und Franck Ribery äußern sich positiv über die Arbeitsmoral des 23-Jährigen. Wenn er so weitermacht, könnte er gemeinsam mit Kingsley Coman das Flügelsturm-Duo der Zukunft bilden. Mit dem 18-jährigen Talent Alphonso Davies steht bereits der nächste Hochveranlagte in den Startlöchern. Sollte Bayern die Verträge von Ribery und Robben nicht verlängern, gehören die drei eben genannten zu den Stützpfeilern der nächsten Generation. 

 

Douglas Costa spielte schon in der vorherigen Saison beim italienischen Dauermeister Juventus Turin. Sein Abgang - gerade für die Summe von 40 Millionen Euro - war zu verschmerzen. 

4. Gesamtbewertung (4+)

Bayern München hat im letzten Transferfenster keine großen Sprünge gemacht. Vielleicht spielt die Mannschaft bis jetzt keine berauschende Saison, weil man auf dem Transfermarkt sehr passiv war, und den notwendigen Generationswechsel aufgeschoben hat. Doch besonders Serge Gnabry gilt als Hoffnungsträger, auch Sanches und Goretzka haben noch Potential nach oben. 


Insgesamt wirkt der Kader in diesem Jahr nicht mehr so gut und breit zusammengestellt. Auf den Außenbahnen gibt es offensiv wie defensiv (zu) wenig Möglichkeiten. Die Baustellen dürften aber spätestens zur neuen Saison behoben werden - zur Not auch mit einem erheblichen finanziellen Aufwand.