​Schalke 04 im Winter 2018: Es ist fast nichts mehr übrig von der Euphorie, die noch im Mai rund um die Veltins-Arena Einzug gehalten hatte. Schalke im Winter 2018: Das sind vor allem Zweifel an der Qualität des Gesamtgebildes. Eine Analyse des aktuellen Kaders des Vize-Meisters kann nicht anders als ernüchternd ausfallen.


Welch ein Jubel im Mai, welch gegenteilige Stimmungslage im Dezember. Schalke 04 hat einen weiten Weg zurückgelegt, und muss zum Ende des Jahres feststellen: Groß vorangekommen ist man dabei nicht. Gefühlt hat man eher Rückschritte als Fortschritte getan. Aber der Reihe nach.

Die gute Nachricht vorweg: Von den drei Wettbewerben, in die man im August/September gestartet ist, ist man auch im nächsten Jahr noch in allen dabei. Wobei für die ​Liga wohl eher gilt - nur dabei, statt mittendrin. Und wenn doch mittendrin, dann wohl eher im Abstiegskampf.


Vor dem 16. Spieltag ​gegen Bayer Leverkusen (18.30 Uhr) steht S04 mit nur einem Punkt Vorsprung auf den Relegationsplatz auf Rang 14. Aus diesem Sumpf erstmal wieder rauszukommen, muss oberstes Ziel in den kommenden Wochen und Monaten sein. Aber mit welchem Personal? Der dafür verantwortliche Sportvorstand Christian Heidel soll die Antwort finden. Aber nur er? Denn unlängst dachte der Gelsenkirchener Aufsichtsrat mal laut nach, und in diesen Überlegungen fiel immer wieder das Wort "Kaderplaner". Also jemand, der Heidel zur Seite gestellt werden sollte. Verständlicherweise fand der ​diese Idee gar nicht so toll. Immerhin ist die Kaderplanung eigentlich etwas, was zu hundert Prozent in seinen Kompetenzbereich fällt.


Teure Spieler für wenig Leistung

Wenn also der Aufsichtsrat schon derartige Planspiele durchgeht, scheint die Position des Sportvorstandes aktuell ziemlich geschwächt. Aber kann man es den Verantwortlichen verdenken? Gute 54 Millionen Euro investierte Königsblau in der Transferperiode für sieben Spieler: Sane, Uth, Serdar, Rudy, Mendyl, Mascarell und Skrzysbki. Genau betrachtet hat kein einziger von ihnen eingeschlagen. Vor allem die Personalie Sebastian Rudy lässt so manchen in Gelsenkirchen sich verwundert die Augen reiben. Von dem Spieler, der noch vor knapp eineinhalb Jahren den Confed-Cup gewann, ist Stand heute absolut nichts mehr zu sehen.


Eigentlich als Königstransfer für diese Spielzeit deklariert, hinkt der defensive Mitteldfeldspieler den Erwartungen meilenweit hinterher. Die Misere aber nur an ihm festzumachen, wäre falsch und unfair. Im offensiven Bereich hapert es ebenfalls. Bis heute konnte zum Beispiel ein Breel Embolo nicht nachweisen, warum genau man für ihn vor zwei Jahren satte 20 Millionen Euro hingelegt hat. Erst ließen ihn diverse Verletzungen kaum Spielpraxis bekommen, und als er sie dann bekam, wusste er auch nicht viel damit anzufangen. Schon ein Jahr länger dabei, und auch etwas preiswerter als der Schweizer, blockiert mit Franco di Santo (kam 2015 für sieben Millionen Euro aus Bremen) ein weiterer Spieler einen der Sturm-Plätze, der bislang nicht ansatzweise internationales Niveau nachweisen konnte.


Eigene Identität verkauft


Schon der Deal damals, von Werder zu S04, verwunderte nicht wenige. Die dürften sich heute alle bestätigt fühlen. Im Mittelfeld gibt es mit Yevhen Konopylanka einen weiteren sehr teuren Spieler (12,5 Millionen Euro), der seit zwei Jahren den Beweis seiner Klasse schuldig geblieben ist. Kreative Spieler, mit Spielmacherqualitäten, findet man darüber hinaus in diesem Mittelfeld nicht. Und hinten, in der Abwehr, beraubte man sich durch den Verkauf von Thilo Kehrer an Paris St. Germain eines seiner größten Talente. Zwar spülte dieser Transfer knappe vierzig Millionen Euro in die Knappen-Kasse, doch verkaufte man auch ein weiteres Stück der eigenen Identität.


Die vermeintliche Ära um die Meyers, Kehrers und Goretzkas war somit schon vorbei, bevor sie überhaupt beginnen konnte. Der vom OSC Lille geholte Hamza Mendyl konnte diese Lücke bislang jedenfalls noch nicht füllen. Ferner muss bedacht werden, dass ein Naldo nicht jünger wird. Wer in dessen Schuhstapfen treten soll, wird auch bei genauerer Betrachtung des Kaders nicht klar. Fakt ist: Für Salif Sane (kam für sieben Millionen aus Hannover) sind diese Spuren noch etwas zu groß. Es hapert also letztlich in allen drei Mannschaftsteilen. Lediglich auf der Torwart-Position ist man mit Ralf Fährmann und dem ihn zuletzt gut vertretenden Alexander Nübel gut aufgestellt. Auf Heidel dürfte im Winter viel Arbeit zukommen. ​