Nach dem 2:1-Erfolg über ​Werder Bremen war einigen bei ​Borussia Dortmund - vor allem den Fans - zum Feiern zumute. Zwei Spieltage vor dem Ende der Hinrunde sicherte sich der Tabellenführer die Herbstmeisterschaft und scheint nach dem bisherigen Saisonverlauf auf dem besten Wege, um im Mai den neunten Meistertitel der Vereinsgeschichte feiern zu können. Doch wie schon zu den erfolgreichen Zeiten unter Jürgen Klopp sind die Verantwortlichen um Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke und Sportdirektor Michael Zorc darum bemüht, die Euphorie zu bremsen und die Konzentration hoch zu halten. ​


​Ein Blick in die Vergangenheit zeigt: Nur selten stand der Herbstmeister in den letzten Jahren nach dem 34. Spieltag ohne Meisterschale in der Hand da. Diese Erkenntnis gewannen die Dortmunder bei der letzten Herbstmeisterschaft im Jahr 2010. Im darauffolgenden Jahr, als die Münchener nach 17 Spieltagen ganz oben standen - gelang dem BVB jedoch die Titelverteidigung.


Unter Lucien Favre blieb die Mannschaft gegen mutig agierende Bremer auch im 15. Spiel ungeschlagen. Für Zorc fiel der Sieg jedoch auch glücklich aus: "Wir haben es versäumt, dass dritte Tor zu machen und deshalb wurde es hintenraus noch ein wenig eng. Bremen kann dich immer in Schwierigkeiten bringen durch deren individuelle Qualität, beispielsweise durch [Max] Kruse. Der zeigt in solchen Spielen oft seine gute Seite, das hat er heute getan", mahnte der 56-Jährige laut ​WAZ

FC Schalke 04 v Borussia Dortmund - Bundesliga

         Sah den Sieg über Werder nicht allzu meisterlich: Michael Zorc


Während er den Journalisten nach der Partie riet, nicht "zu viel" zu feiern, gab er sich gewohnt pragmatisch: "Wir haben noch zwei Spiele bis zur Winterpause. Soll ich jetzt ein Fazit ziehen? Nö. Es ist gut, aber Dienstag geht es weiter." Doch davor, dass die Mannschaft den wohl besten Fußball seit Jahren spielt, kann sich auch Zorc nicht verschließen.


Das einzige Manko des gestrigen Abends blieb die Chancenverwertung. Von 16 Torschüssen landeten nur zwei im Netz. Mehr Treffer erzielte der BVB in einem Bundesligaspiel zuletzt beim 3:2 über Bayern München, doch es zeigt auch: Die Konstanz überwiegt.


Rückschläge stecken die Spieler plötzlich schonungslos weg. Im vergangenen Jahr brachen die Dortmunder oft ein, doch nun wirken sie unaufhaltsam. 41 Tore nach 15 Spielen, hinzu kommen 15 Gegentore - nur RB Leipzig kassierte weniger (13).


Taktgeber Witsel - Vollstrecker Reus und Alcácer


Der überragende Mann des gestrigen Abends war wieder einmal Axel Witsel. Der Belgier brachte 67 seiner 68 Zuspiele an den Mann und zeigte sich dabei äußerst variabel: Mal baut er das Spiel hintenrum auf, mal leitet er den Ball auf die Außenbahn weiter. Ob nach links oder rechts - Witsel ist das Hirn und der Ruhepol der Mannschaft, und somit ein großer Teil des Erfolgs.

Auch der Belgier gab sich nach dem nächsten Erfolg - dem dritten in einer perfekten Woche aus Derbysieg, Rang Eins in der Champions League und der Herbstmeisterschaft - nicht all zu euphorisch. "Für mich bedeutet die Herbstmeisterschaft nichts. Du bist damit ja nicht wirklich Meister", wird das "BVB-Hirn" von DW Sport zitiert. Eine Aussage, die aber auch zeigt: Die BVB-Stars haben die Schale im Blick.

Neben Witsel stehen vor allem Kapitän Marco Reus, der zum zweiten Mal in dieser Saison zum ​Spieler des Monats gewählt wurde, und Paco Alcácer. Kombiniert erzielten beide 21 Tore, sind somit ähnlich gefährlich wie das Frankfurter Sturm-Trio um Sebastien Haller, Luka Jovic und Ante Rebic. Beide waren es auch, die am Samstagabend die entscheidenden Treffer des erzielten und zu den eindeutigen Schlüsselspielern der Saison gehören. 


Watzke mahnt


"Wir haben eine schöne Woche hinter uns: Derbysieger, Gruppensieger in der Champions League – und heute auch gewonnen", musste auch Watzke auf der ​vereinseigenen Website zugeben. Doch ähnlich wie Zorc blickt er lieber von Woche zu Woche: "Der Vorsprung an der Spitze ist weder trügerisch noch komfortabel. Irgendwann wird aber auch ein Einbruch kommen. Damit müssen wir dann umgehen können."


Nun vor sich herzurechnen, würde nicht helfen - im Gegenteil. Schließlich habe man "einen großen Umbruch absolviert", sei "zäh" in die Saison gestartet und erst nach und nach immer stärker geworden. "Wir sind ambitioniert, trompeten aber nicht herum", gab er im Interview beim Aktuellen Sportstudio dementsprechend die Marschroute vor.