​Erstmals in dieser Saison musste ​Borussia Mönchengladbach beim Spiel in ​Hoffenheim auf gleich mehrere Stammkräfte verzichten. Prompt gab es eine spielerisch schwache Vorstellung, das 0:0 war am Ende sehr glücklich. Trotzdem kann dieser Partie auch Positives abgewonnen werden.


Vor allem im hochgelobten zentralen Mittelfeld fehlten der Borussia aus Mönchengladbach in Sinsheim gleich mehrere Spieler: Denis Zakaria sah in der Vorwoche gegen Stuttgart die fünfte gelbe Karte und war gesperrt, Jonas Hofmann und Christoph Kramer fehlten weiter verletzt. Zudem meldete sich auch Verteidiger Tony Jantschke ab, der zuletzt den ohnehin schon ​schmerzlich vermissten Matthias Ginter ersetzte. 


Dafür kamen die beiden Talente Jordan Beyer und Michael Cuisance zum Einsatz, zudem stand Florian Neuhaus, der ja auch seine erste Bundesliga-Saison spielt, wieder in der Startelf. "Wir haben auswärts bei einer Top-Mannschaft mit ganz vielen sehr jungen Spielern gespielt, die lange keine Spielpraxis bekommen haben", sagte Trainer Dieter Hecking nach dem glücklichen Remis und meinte damit vor allem Beyer und Cuisance.


Letzterer kam in der laufenden Spielzeit bisher nur zu Kurzeinsätzen und absolvierte in Hoffenheim plötzlich 90 Minuten, Beyer stand seit Ende September nicht mehr auf dem Feld und zeitweise gar nicht erst im Kader, auch er absolvierte die volle Distanz. Der 18-Jährige zeigte dabei aber eine wirklich gute Leistung und fiel unter anderem durch eine gute Pass- und Zweikampfquote auf. Zudem sind die Fohlen noch ungeschlagen, wenn Beyer auf dem Feld stand. 

Die Abwehr der Gladbacher hatte aber auch genügend Zeit, sich auszuzeichnen: Vor allem im zweiten Durchgang gelang kaum noch eine Entlastung und nachdem dann auch noch ​Raffael vom Feld ging und die Borussia das Spiel zu Zehnt beenden musste, ging es nur noch darum, das Ergebnis irgendwie über die Zeit zu retten. "Der Druck, den Hoffenheim am Ende ausgeübt hat, war extrem", erklärte Beyer. "Das habe ich so noch nicht erlebt. Jeder Ball, den wir rausgeschlagen haben, kam postwendend zurück in unseren Strafraum."


Die Gründe dafür sind laut Hecking klar: "Der Blick auf unsere Aufstellung ist sicherlich ein Indiz dafür, warum ich so zufrieden mit meiner Mannschaft bin." Der Trainer sah eine kämpferisch und läuferisch überragende Leistung seiner Mannschaft. "Wie die Jungs sich in dieser schwierigen Partie gewehrt haben, verdient Respekt, auch wenn natürlich in der einen oder anderen Situation auch viel Glück dabei war."


Denn im Verlaufe des Spiels verschlimmerte sich die Lage nochmals: Lars Stindl musste ausgewechselt werden und wurde durch Laszlo Benes ersetzt, der sein Saisondebüt gab. Zudem der angesprochene Ausfall von Raffael nur Minuten nach dessen Einwechslung. All das legte das Offensivspiel der Gladbacher lahm, vor allem Stürmer Alassane Plea hing völlig in der Luft und kam gar nicht zum Zug, auch die Umstellung auf 3-5-2 zur Pause half nicht.


Ein gewonnener Punkt


"Wir müssen ehrlich zugeben, dass das Ergebnis das Beste an dem heutigen Spiel ist. Wir haben keine besonders gute Leistung gezeigt und können uns glücklich schätzen, dass wir einen Zähler mitnehmen", brachte es Florian Neuhaus auf den Punkt. Doch dieser eine Zähler sagt viel aus: Im Vorjahr hatte der VfL gleich mehrere solcher Spiele, z.B. in München oder in Wolfsburg, dabei kam die Mannschaft jedes Mal unter die Räder.


Das war diesmal anders. Mit großem Einsatz, einem glänzenden Yann Sommer und der nötigen Portion Glück konnte bei der sehr starken TSG Hoffenheim, die zuvor seit Mai 2017 im eigenen Stadion nicht mehr torlos geblieben war, ein Zähler geholt werden, der den zweiten Tabellenplatz gesichert hat. Die Abwehr ist wesentlich stabiler als vergangene Saison und kann eine solch schwache Vorstellung in der Offensivbewegung auch mal ausgleichen.


Nun gilt es für Hecking, auch die Offensive bis Dienstag wieder in die Spur zu bringen, denn dann wartet bereits der 1. FC Nürnberg. Mit einem weiteren Heimsieg stellen die Gladbacher ihren eigenen Rekord von 33 Zählern in der Hinrunde (seit Einführung der Drei-Punkte-Regel) ein und können ihn in Dortmund sogar noch überbieten. Raffael und Ginter werden dabei nicht helfen können, hinter Stindl, Kramer, Hofman und Jantschke steht noch ein Fragezeichen. Die Mannschaft kann also nun beweisen, dass im Gegensatz zur Vorsaison auch der zweite Anzug passt.