Nach den Wochen auf der Bank durfte Mats Hummels beim gestrigen ​4:0-Erfolg des ​FC Bayern über ​Hannover 96 erstmals wieder von Beginn an spielen. Der Innenverteidiger feierte ein gutes Startelf-Comeback​ und dürfte darauf aus sein, auch in den letzten beiden Spielen des Jahres das Vertrauen von Trainer Niko Kovac zu erhalten. Der wiederum wird sich wieder verstärkt zwischen Hummels und Konkurrent Jerome Boateng entscheiden müssen, während Niklas Süle weiterhin gesetzt ist.


Die Besetzung in der Innenverteidigung der Münchner war nach der 2:3-Niederlage gegen Borussia Dortmund klar geregelt: Während Niklas Süle und Jerome Boateng gesetzt waren, blieb Mats Hummels auf der Bank. Der einstige Abwehrchef des BVB, der am heutigen Sonntag seinen 30. Geburtstag feiert, war in den vergangenen beiden Jahren eigentlich der Abwehrchef des Rekordmeisters, doch mittlerweile hat er an Glanz verloren.

Ajax v FC Bayern Muenchen - UEFA Champions League Group E

  Zuletzt häufig auf der Bank: Mats Hummels


Ähnlich wie Boateng hat er seit dem Sommer mit einem Formtief zu kämpfen, weshalb keiner von ihnen über weite Strecken glänzen konnte. Während Hummels das Topspiel in Dortmund angeschlagen absolvierte und sich erst in der zweiten Halbzeit auswechseln lassen wollte - womit er wohl oder übel eine Teilschuld an der Niederlage besitzt - sah Boateng speziell beim 3:3 gegen Fortuna Düsseldorf alles andere als souverän aus und offenbarte einige Schwächen.


In Hannover setzte Kovac noch einmal zur Rotation an, veränderte seine Mannschaft auf drei Positionen und brachte Hummels erstmals seit dem zehnten November von Anfang an. 73 Prozent gewonnene Zweikämpfe sowie eine Passquote von 96,3 Prozent klingen auf dem ersten Blick mehr als ordentlich, doch: Die Niedersachsen waren am Samstagnachmittag kein wirklicher Gegner.


Kovac: "Da muss sich jeder unterordnen"


Kovac wird sich die Frage stellen müssen, auf welchen der beiden Innenverteidiger er künftig setzen will. Auf der Pressekonferenz vor der Partie begründete er Hummels' Rolle mit dem Stopp der Rotation: "Du musst bei Bayern damit rechnen, dass du auch mal auf der Bank sitzt. Es hat Mats und andere getroffen. Wir waren erfolgreich, da muss sich jeder Spieler unterordnen" (via Sport1).


Er wisse um die Qualitäten des Innenverteidigers, könne sich daher "auf ihn verlassen" - genau wie auf jeden anderen auch. Selbst, wenn er auf der Bank sitzt: "Ich spüre im Training ein besonderes Feuer von diesen Spielern. Die Spieler haben gemerkt, dass nicht mehr so viel gewechselt wird. Und das bedeutet, dass jeder Gas geben muss."


Einer, der an Hummels glaubt, ist Christoph Metzelder. Der Sky-Experte ist sich sicher, dass er "seine Qualitäten wieder auf den Platz bringen wird. Man kann ja durch den ganzen Kader gehen und fragen, wer in den vergangenen Wochen seine Leistung gebracht hat. Da bleiben nicht viele übrig. Mats Hummels hat bewiesen, dass er große Titel holen kann - jetzt ist der Ehrgeiz entbrannt. Er hat einen Vertrag, ist in seiner Heimat, ich glaube nicht, dass er aus München weg möchte" (via ​Sportbuzzer). 


Bei wem überwiegen die Defizite?


Was sowohl weder für Boateng, noch für Hummels spricht, ist das fehlende Tempo. Beide haben in diesem Punkt einige Abstriche zu verzeichnen, greifen mittlerweile öfter zur Grätsche und können einige Situationen nicht mehr so souverän ablaufen wie gewohnt. Doch im Gegensatz zu Boateng agiert Hummels oft zaghaft, lässt manchmal die nötige Aggressivität missen.


So kam es, dass Kovac vor dem Pokalfinale zwischen Eintracht Frankfurt und den Münchner Bayern ausgerechnet Hummels als Schwachstelle ausgemacht haben soll. Wenig verwunderlich kommt er daher wettbewerbsübergreifend auf 14 Einsätze - so viel, wie Süle allein in der Bundesliga.

Borussia Dortmund v FC Bayern Muenchen - Bundesliga

     Wie der Verein im Sommer mit Hummels und Boateng verfahren wird, ist Stand jetzt völlig offen


Speziell für den Sommer, wenn die Bayern den nächsten Schritt im Zuge des Umbruchs machen wollen, stellt sich die Frage, wer von den Innenverteidigern den Rekordmeister verlässt. Boateng stand kurz vor einem Wechsel zu Paris St. Germain, gilt immer noch als einer der möglichen Streichkandidaten. Doch wird sich auch Hummels eine neue Herausforderung suchen wollen?


Für Hasan Salihamidzic stellte sich die Frage vor der Partie überhaupt nicht: "Über einen Wechsel mache ich mir überhaupt keinen Gedanken. Er ist ein aktueller deutscher Nationalspieler, deshalb gibt es da überhaupt keine Überlegungen", sagte der Sportdirektor gegenüber Sky"Er hat jetzt einige Zeit nicht gespielt, war auch zwischendurch ein bisschen krank, aber heute schenkt ihm der Trainer das Vertrauen. Der Mats wird das sicher gut machen", zeigte er sich zuversichtlich - und sollte Recht behalten.


Die Abwehr wird somit auch bis zum Rückrundenstart ein großes Fragezeichen aufwerfen. Es sei denn, Boateng wird in den verbleibenden Partien wieder in die Startelf rücken und seinen Konkurrenten wieder auf die Bank verdrängen.