Wenn ​Borussia Dortmund im Top-Spiel des 15. Spieltages der Fußball-Bundesliga den ​SV Werder Bremen empfängt, wartet auf Nuri Sahin ein ungewöhnliches Gefühl. Der Ur-Dortmunder wird erstmals als Gast im Signal Iduna Park auflaufen. "Spiele gegen Dortmund müssen nicht wirklich sein", sagte der 30-Jährige im Interview mit der ​WAZ. Allerdings überwiegt dann doch die Vorfreude auf ein Wiedersehen.


Trotz zwischenzeitlicher Stationen bei Feyenoord Rotterdam, Real Madrid und dem FC Liverpool stand Nuri Sahin sein Leben lang für Borussia Dortmund. Der ehemalige türkische Nationalspieler wechselte 2001 in die Nachwuchsabteilung des BVB, machte mit 16 Jahren und 355 Tagen sein Debüt in der Bundesliga und ist nicht nur der jüngste Debütant, sondern auch der jüngste Torschütze der Geschichte (17 Jahre und 82 Tage).


Mittlerweile gehört das Kapitel Dortmund allerdings endgültig der Vergangenheit an. Im Sommer, als sich der BVB massiv verstärkte und einen Umbruch anstrebte, wurde der einstige kreative Kopf allmählich aussortiert und durfte sich nach einer neuen Herausforderung umsehen. "Ich hätte auch in Dortmund bleiben können und hätte sicherlich auch meine Spielanteile bekommen", ist sich Sahin sicher. Doch als plötzlich Werder Bremen Interesse meldete, fand ein Umdenken statt: "Da hatte ich das Gefühl: Das passt. Das war genau das, was ich mir vorgestellt hatte."

Dortmund's Turkish midfielder Nuri Sahin

Im Alter von 17 Jahren erzielte Nuri Sahin am 26. November 2005 sein erstes Bundesligator gegen den FC Nürnberg. Bis heute gab es keinen jüngeren Spieler, der sich als Torschütze eintragen durfte.



In Bremen liefert er sich mit Philipp Bargfrede und Maximilian Eggestein einen harten Konkurrenzkampf, gesetzt ist Sahin daher keinesfalls. Doch nach seinen bisherigen sieben Startelfeinsätzen darf er sich berechtigte Hoffnungen auf einen erneuten Einsatz von Beginn an machen - und das ausgerechnet in seinem ehemaligen Wohnzimmer. "Das wird sehr, sehr schwer, vielleicht das schwerste Spiel in dieser Saison", befindet Sahin, der den BVB als "die momentan beste deutsche Mannschaft" betitelt.


Unter Lucien Favre sei die Mannschaft "zu einer echten Ergebnismaschine geworden", die Tabellenführung daher "absolut verdient [...]. Ich habe schon kommen sehen, dass Borussia Dortmund um Titel spielen wird. Ich gehe davon aus, dass die Jungs das dieses Jahr schaffen.


Kuriose Wette mit Schmelzer


Rein vom sportlichen Aspekt her fiebert er dem Duell mit seiner alten Liebe daher wenig entgegen: "Spiele gegen Dortmund müssen nicht wirklich sein, das sage ich ganz ehrlich." Auch im DFB-Pokal treffen beide Mannschaften bereits in der kommenden Runde aufeinander - sehr zum Ärger von Sahin und Ex-Mannschaftskollege Marcel Schmelzer: "Schmelle und ich hatten eigentlich abgemacht, dass wir erst in Berlin gegeneinander spielen. Dann hätte ich entweder als Fan oder Spieler den Pokal geholt."


Abgesehen davon gebe es jedoch "Schlimmeres, als im Westfalenstadion Fußball zu spielen. Ich glaube nicht, dass es schwer für mich wird, auf der anderen Seite zu stehen. Denn ich bin ja nicht im Streit aus Dortmund gegangen, sondern ich habe ein tolles Verhältnis zum Verein, zu den Verantwortlichen und zur Mannschaft."


Sahin freut sich spürbar auf das Wiedersehen mit den ehemaligen Kollegen, vor allem "auf die Physios, die Leute aus der Presseabteilung und andere, die ich lange nicht gesehen habe. Das werden schöne Momente sein." Auf dem Platz wird er sich allerdings voll auf seine neue Mannschaft konzentrieren müssen und alles dafür tun, um an alter Wirkungsstätte zu gewinnen und erstmals einen Auswärtssieg im Signal Iduna Park zu feiern.