Der ​VfL Wolfsburg kann wieder gewinnen. Der 2:0-Sieg über den 1. FC Nürnberg war der dritte Dreier aus den letzten vier Spielen, weshalb die Mannschaft von Bruno Labbadia derzeit wieder mitten im Rennen um einen einstelligen Tabellenplatz ist. Auch die Europapokalplätze sind in Reichweite, weshalb man sich die Frage stellen muss, ob die 'Wölfe' auch die Top-Sechs angreifen können.


Schon zu Saisonbeginn zeigten die Wolfsburger, die sich zuletzt zwei Mal in Serie über die Relegation in der Bundesliga hielten, gute Leistungen. Mit sieben Punkten aus drei Spielen legten Labbadia und die Seinen einen vergleichsweise starken Start hin, verschwanden danach jedoch rasch wieder in der Versenkung. 


Denn von den darauffolgenden acht Bundesligaspielen konnte man nur die Begegnung gegen Fortuna Düsseldorf (3:0) für sich entscheiden. Stattdessen kassierten die 'Wölfe' bei zwei weiteren Remis insgesamt fünf Niederlagen, unter anderem im Niedersachsen-Derby bei Hannover 96.


Der 1:0-Sieg über RB Leipzig am 12. Spieltag sollte die Durststrecke allerdings beenden und die Trendwende einläuten. Nach einem weiteren Dreier gegen die Frankfurter Eintracht (2:1) und einem 2:2 gegen die TSG Hoffenheim, folgte am Freitagabend beim Abstiegskandidaten aus Nürnberg der nächste Erfolg.


Mit der Leistung seiner Spieler konnte Labbadia nur bedingt zufrieden sein: "Wir haben heute gewiss nicht geglänzt", wird der 52-Jährige auf der vereinseigenen Website zitiert. Der Trainer freute sich dennoch, da die Mannschaft unter Beweis gestellt hat, dass sie auch dazu in der Lage ist, solche Spiele für sich zu entscheiden: "Eine solche Erfahrung, auch nach einem nicht so guten Spiel, drei Punkte mitzunehmen, ist unheimlich wertvoll für uns. Deshalb war das heute in meinen Augen ein sehr bedeutender Sieg."


Überflieger Ginczek


Der Mann der Stunde heißt Daniel Ginczek. Der Angreifer, der vor der Saison vom VfB Stuttgart verpflichtet wurde, erzielte in den vergangenen vier Spielen drei Tore, steuerte zudem drei Torvorlagen bei. Nur der Niederländer Wout Weghorst ist noch torgefährlicher - doch wenn Ginczek so weitermacht, wird er seinen Teamkollegen schon bald übertreffen. "Nach oben setzen wir uns keine Grenzen", ließ der erneute Matchwinner nach der Partie verlauten (via ​kicker). Doch wie weit kann es tatsächlich für den VfL Wolfsburg gehen?

VfL Wolfsburg v TSG 1899 Hoffenheim - Bundesliga

   Tor um Tor: Daniel Ginczek liefert derzeit Treffer wie am Fließband



Klar scheint, dass die Mannschaft in diesem Jahr wenig mit dem Abstieg zu tun haben dürfte. Auch wenn die zwischenzeitliche Negativserie an die beiden vergangenen Spielzeiten erinnerte, so stehen die 'Wölfe' nach ihrem 15. Bundesligaspiel bei 22 Punkten. Das sind unter dem Strich vier Zähler mehr als noch im Vorjahr, doch genau diese Punkte sind derzeit entscheidend. Denn die Plätze fünf, sechs und sieben sind nun in genauer Schlagdistanz.


In den letzten beiden Spielen bis zur Winterpause messen sich die Wolfsburger mit dem VfB Stuttgart und dem FC Augsburg. Der FCA kämpft nach vier Niederlagen in Serie gegen den Abwärtstrend an, der VfB Stuttgart hingegen hat die ganze Saison über mit massiven Problemen zu kämpfen, speziell im offensiven Bereich. Sechs Punkte sind für den VfL nicht garantiert, doch die Chance, Zählbares mitzunehmen, ist durchaus gegeben.


Weiterentwicklung dank Labbadia und Schmadtke


Diese Gelegenheiten müssen genutzt werden, um weiterhin in der oberen Tabellenhälfte verweilen zu wollen. Dass die Mannschaft dazu in der Lage ist, stellt sie nicht erst gestern unter Beweis. Generell spielen die 'Wölfe' einen deutlich ansehnlicheren Fußball als im Vorjahr, wirken auch im Mannschaftsgefüge einen Schritt weiter und schreiten in ihrer Entwicklung unter Labbadia stetig voran. 


Ohnehin geht es in der Autostadt mittlerweile um einiges ruhiger zu. Sportchef Jörg Schmadtke hat die Zügel fest in der Hand, verstärkte die Mannschaft im Sommer sinnvoll und stärkt dem Trainer stets den Rücken. Seit der Trennung von Klaus Allofs im Dezember 2016 fehlte ein starker Mann im Hintergrund.

VfL Wolfsburg v FC Bayern Muenchen - Bundesliga

   Hat alles im Griff: Jörg Schmadtke



Viel wichtiger erscheint jedoch, dass Wolfsburg wieder wie eine Mannschaft auftritt. Im vergangenen Jahr fehlten Führungsspieler, richtiger Zusammenhalt war selten zu spüren. Unter Labbadia hat sich dies jedoch geändert, weshalb jeder für jeden arbeitet und alle einen gleichmäßigen Anteil für den Erfolg haben.


Ob es schlussendlich für Europa reichen sollte, hängt mit vielen Faktoren zusammen. Die Konkurrenz um RB Leipzig, Eintracht Frankfurt, 1899 Hoffenheim, Werder Bremen und Hertha BSC Berlin scheint allerdings teils noch zu stark. Mit schwankenden Berlinern sind die 'Wölfe' sicherlich auf Augenhöhe, doch trotz der positiven Ergebnisse gegen die übrige Konkurrenz spielt das Stichwort Konstanz eine wichtige Rolle. 


Ein einstelliger Tabellenplatz ist für diesen Kader ein machbares Ziel. Doch sie darf sich nur wenige Ausrutscher erlauben, wenn sie nächstes Jahr in der Europa League auflaufen will.