Manchmal sind es nur Nuancen, Kleinigkeiten, punktuelle Momente, die aus einem  vielversprechenden Talent einen Top-Spieler werden lassen - oder aber ein weiteres Beispiel dafür, wie schnell es mit einer Karriere vorbei sein kann, noch ehe sie überhaupt richtig begonnen hat. Bei Jadon Sancho (18) könnte dieser Moment Anfang März 2018 gewesen sein.


Wie die SportBild berichtet, war der junge Engländer in der Woche vor dem Bundesligaspiel gegen Eintracht Frankfurt am 11. März (3:2) dreimal (!) unpünktlich zum Training erschienen. Der damalige ​BVB-Coach Peter Stöger griff entsprechend hart durch: Sancho wurde aus dem Profi-Kader verbannt und in die Nachwuchs-Mannschaft beordert. 


Das Umfeld des Hochbegabten nahm es zähneknirschend zur Kenntnis, jedoch nicht ohne die Vereinsoffiziellen darauf hinzuweisen, dass man mit dem ehemaligen ManCity-Spieler nicht irgendeinen Jugend-oder Perspektivspieler geholt habe, sondern ein Top-Talent mit Star-Potential. 


Jetzt ist das mit dem Potential ja so eine Sache: nicht ausgeschöpft, kommt es dem Fehlen von Talent eigentlich ziemlich nahe. Die Fußball-Historie ist jedenfalls voll von Talenten, die ihr Potential nie ausschöpfen konnten (oder wollten oder durften). Und Star-Potential bedeutet auch nicht, Star-Allüren an den Tag zu legen, bevor man überhaupt irgendetwas in seinem Beruf erreicht hat. 

Zwar nerven Extravaganzen auch, wenn sie von Spielern wie Neymar, Ibrahimovic und Co. kommen, aber diese haben einem Jadon Sancho in jedem Fall etwas voraus: sie haben schon gezeigt, dass sie es drauf haben. Und sie liefern. Seit Jahren. Wenn man aber erst am Anfang seiner Laufbahn steht, sollte man Grundtugenden wie Respekt (gegenüber den Mannschaftskollegen und dem Verein) und Demut an den Tag legen.


Jadon Sancho scheint die Botschaft verstanden zu haben. Nach der Degradierung folgte ein Vier-Augen-Gespräch mit Sportmanager Michael Zorc. Seitdem hat der Spieler ausschließlich positive Schlagzeilen produziert und sich mit guten bis sehr guten Leistungen bis auf Weiteres in die Stammelf gespielt. Vorläufiger Höhepunkt: das Siegtor im Revier-Klassiker beim Erzrivalen Schalke 04. Sollte also die bislang so kometenhafte Entwicklung des Jadon Sancho in eine Weltkarriere münden, wird man vielleicht irgendwann mal Peter Stögers Entscheidung vom März 2018 als Knackpunkt bezeichnen. Als Knackpunkt zwischen großer Bühne und Absturz