Seit einiger Zeit, auch dank der Arbeit des mittlerweile geschiedenen Sportdirektors Bernhard Peters (58), ist beim ​Hamburger SV ein regelrechter Jugendwahn ausgebrochen. Wurde der Klub in der Vergangenheit oft genug (und mit Recht!) dafür gescholten, keine eigenen Talente zu entwickeln und sie in die erste Mannschaft hochzuholen, ist die Durchlässigkeit zwischen Nachwuchs und Profibereich in den letzten vier Jahren deutlich erhöht worden. Gleich zehn Spieler aus der eigenen Jugend drängen sich im diesjährigen 2.Liga-Kader der Hanseaten. Doch einer von ihnen könnte schon bald seinen Abflug machen.


Vor gut einem Jahr präsentierte die Hamburger Morgenpost ihren Lesern "Die nächste Generation" des HSV-Nachwuchses. Anlass war die immer größere Bereitschaft des damaligen Trainers der Profimannschaft, Markus Gisdol, auf Spieler der Regionalliga- oder A-Jugend-Mannschaft des Vereins zurückzugreifen. Verletzungen und Formschwächen etlicher etablierter Kräfte ließen dem Übungsleiter beinahe keine andere Wahl. Und so wurde aus der Not eine Tugend gemacht, und die MoPo jubilierte: "Auch diese Youngster können es schaffen."


Einer von ihnen war Stephan Ambrosius, damals noch keine 19 Jahre alt. Für den Nachwuchs-Teamkoordinator Marinus Bester "ein fester Kandidat für die Bundesliga" und auch andere sahen in dem athletischen, robusten Mann eine echte Option für die zukünftige Innenverteidigung der Profis.


Heute, im Dezember 2018, sieht die Lage für Ambrosius etwas anders aus: in der laufenden Saison spielte er fast nur für die Regionalliga-Mannschaft (14 Spiele). Lediglich beim Pokal-Erstrundenspiel beim TuS Erndtebrück (5:3) durfte Ambrosius bei den Profis mitmischen. Zuwenig für seine Ansprüche. 


Aus diesem Grund hat er jetzt die Agentur "100&10 Percent" beauftragt, einen passenden Verein für ihn zu finden. Abschied aus Hamburg? Mitnichten, denn der Spieler selbst stellt klar: "In Hamburg fühle ich mich am wohlsten. Aber es kommt auch drauf an, was der HSV mit mir plant. Wenn eine Leihe für mich sinnvoll ist, würde ich das nicht von vornherein ausschließen", so der Youngster gegenüber dem Hamburger Abendblatt. Klingt also weniger nach Flucht, als vielmehr die Suche nach Einsatzzeiten. 


Klar ist: Mit Gideon Jung kehrt demnächst eine weitere Alternative für die Innenverteidigung in die Mannschaft zurück. Auch  Kyriakos Papadopoulos macht immer mehr Fortschritte nach seiner langwierigen Verletzung und ist für den Februar oder März eine wahrscheinliche Option. Für das Defensiv-Talent dürfte es dann noch schwieriger werden, Einsatzminuten zu sammeln. 


Vielleicht wäre eine Leihe tatsächlich für alle die beste Option. Interessenten dürfte es genug geben. Im April dieses Jahres schien sogar ein Wechsel zum FC St. Pauli im Bereich des Möglichen. Kein Wunder, denn bis 2012 kickte Ambrosius noch im Nachwuchs der Braun-Weißen.