Nach Guido Buchwalds kritischen Aussagen in Richtung ​VfB-Management drohte zeitweilig sein Ausschluss aus dem Aufsichtsrat. Jetzt haben sich Sportvorstand Michael Reschke, Präsident Wolfgang Dietrich und der ehemalige Nationalspieler miteinander verständigt. Reschke nahm Buchwalds Entschuldigung an. Doch die Frage bleibt: hält dieser Burgfrieden?


Mit Kritik ist das manchmal so eine Sache. Und mit dem Umgang mit ihr ebenfalls.

Es war nach dem Spiel in ​Hannover. Nach einer erneut indiskutablen Leistung, einer weiteren Niederlage (1:3) und dem Sturz auf Tabellenplatz 18 wurde Trainer Tayfun Korkut am Tag darauf beurlaubt. Davon, so Buchwald gegenüber den Stuttgarter Nachrichten, habe er aus den Medien erfahren. Nicht vom Klub. In der Sache selbst gehe er sogar konform, aber, "dass es so schnell gegangen ist, hat mich schon sehr überrascht", so der 57-Jährige damals.

Gehörig unter Druck: VfB-Sportchef Michael Reschke

Nahm Buchwalds Entschuldigung an: VfB-Sportvorstand Michael Reschke


Vielleicht wäre es dabei geblieben und nichts weiter passiert, wenn Guido Buchwald nicht ein paar Wochen später nochmal nachgekartet hätte. In einem Interview gegenüber Sport1 bemängelte das frühere VfB-Idol die Art und Weise, wie Michael Reschke seine Aufgaben beim Verein für Ballspiele angeht. Kein Teamplayer sei er, so Buchwald, sondern stelle vielmehr eine Art One-Man-Show dar. Und einmal ins Rollen gekommen, legte er dann richtig los: "Einige Entscheidungen (von Reschke)" seien "sicher unglücklich" gewesen. Andere, wie die Länge der Vertragsverlängerung mit Abwehrspieler Holger Badstuber oder die vorzeitige Ausweitung des Kontrakts mit Spielleiter Tayfun Korkut, schlicht "unnötig".


Starker Tobak, aber auch nichts, was in einem gesunden, gefestigten Gefüge für größeres Aufsehen oder gar Schaden sorgen könnte. Doch gesund und gefestigt scheint der VfB im Winter 2018 nicht zu sein. Sportvorstand Michael Reschke selbst steht unter immensem Druck. Die nahezu perfekte Rückrunde der Vorsaison hat bei einigen im Umfeld des Vereins die Wahrnehmung für das Machbare getrübt. Mit großer Wahrscheinlichkeit ist dieser Kader nicht so schlecht, wie ihn der momentane Tabellenplatz ausweist, aber auch in der vergangenen Saison war man nicht so gut, wie es der schlussendlich siebte Platz suggerieren mochte. 


Ein erhöhtes Maß an gesunder Selbsteinschätzung täte den Verantwortlichen ganz gut. Natürlich ist Kritik auch immer schmerzhaft. Weil sie impliziert, dass man sich mit eigenen Fehlern auseinandersetzen muss. Aber berechtigte Kritik, zumal nicht von irgendeinem Anfänger geäußert, muss immer erlaubt sein. Insofern überrascht ein wenig, dass Guido Buchwald sich jetzt recht kleinlaut entschuldigt. Wofür genau? Ausfällige oder gar beleidigende Wortwahl war es mit Sicherheit nicht. Und der Umstand an sich, Kritik zu üben, dürfte es eigentlich auch nicht gewesen sein. Den Überbringer schlechter Nachrichten zu töten, war in Sparta gang und gäbe, sollte aber in einem modern geführten Wirtschaftsunternehmen heutzutage keine Option mehr sein. Und deshalb bleibt abzuwarten, wie lange der vorläufige Waffenstillstand hält. Die Mannschaft hat es mit besseren Leistungen und Ergebnissen in den kommenden Wochen und Monaten selbst in der Hand.