​Hannover 96 steht weiterhin im öffentlichen Fokus, denn neben der ​sportlichen Talfahrt und der Trainerdiskussion werden auch auf vielen Nebenschauplätzen harte Kämpfe ausgetragen. Nun teilte der Verein seinen knapp 23.000 Mitgliedern mit, dass es keine außerordentliche Mitgliederversammlung mehr im Jahr 2018 geben werde.


Nach dem jüngsten Stimmungsboykott im Stadion ruft die Vereinsführung erneut den Zorn der Fans herbei, denn sie entschied sich trotz erfolgreicher Mitgliederinitiative dazu, keine kurzfristig angesetzte Versammlung stattfinden zu lassen.


Die Entscheidung sei im Vorstand einstimmig gefallen und werde auch von den sportlichen Abteilungsleitern und dem Vorsitzenden Martin Kind getragen. Nach Beurteilung des „unabhängigen Rechtsgutachtens“ des Kölner Rechtsanwalts Dr. Paul Lambertz argumentiert Hannover nun im Detail über die Gründe für die Absage.

„Das hohe Gut der außerordentlichen Mitgliederversammlung wird leider missbraucht, um persönliche Interessen im Profifußball durchzusetzen“, wird 96s Abteilungsleiter Tischtennis in der Mitteilung zitiert, „für mich ist nicht erkennbar, dass die Wünsche und Ziele der aktiven Abteilungen dabei eine Rolle spielen.“ Zum 1. November erreichte die Fan-Initiative „IG Pro Verein 1896 “ noch 1.310 Unterschriften, mit denen sie sich das Recht auf eine Versammlung erkämpfte.


Die Wünsche des Vorstands gehen derweil in eine andere Richtung: So wird erwartet, dass das zuständige DFL-Schiedsgericht noch in diesem Jahr über Kinds ​Antrag einer Ausnahme der 50+1-Regel entscheidet. Dabei will man sich wohl nicht in die Parade fahren lassen. Es sollten auch drei Vorstandsmitglieder durch neue Kandidaten aus der Basis ersetzt werden.

Hannover 96 v VfB Stuttgart - Bundesliga

Martin Kind werde nach März 2019 nicht mehr für das Amt als

Vorstandvorsitzender kandidieren, teilt Hannover 96 mit


Doch nun macht ihnen die Führung einen Strich durch die Rechnung. Es sei nicht verhältnismäßig, eine teure und aufwändige Versammlung abzuhalten, wenn die nächste ordentliche Zusammenkunft bereits für März 2019 angesetzt ist. Die Mitteilung beziffert die voraussichtlichen Kosten auf 240.000 Euro. Ohnehin sollen die diskutablen Personalien nicht mehr für eine weitere Amtszeit zur Verfügung stehen. Da für Ab- und Neuwahlen auch zwei gesonderte Termine notwendig wären, sei ein Termin im Dezember unnötig. Somit behält Hannovers Führung das Zepter in der eigenen Hand.


Dementsprechend gefrustet reagierten daraufhin die Mitglieder. Die Initiatoren des Aufbegehrens, „IG Rote Kurve“, schrieben auf Twitter, dass 96s Verständnis von Demokratie und Minderheitenschutz fragwürdig sei. Die Interessengemeinschaft wird rechtliche Schritte verfolgen.

„Mehrere Mitgliederversammlungen in kurzer Zeit helfen keinem, deshalb sollten wir alle zusammen am 23. März die Weichen für eine gesicherte Zukunft stellen“, schreibt Hannover 96 abschließend in der ausführlichen Mitteilung. Doch es ist nicht zu erwarten, dass sich die Mitglieder bis dahin mit einem Waffenstillstand zufrieden geben.