Nach dem schwachen Saisonstart sorgt ​Eintracht Frankfurt mittlerweile für viele Überraschungen. Grund dafür sind neben der aggressiven Spielweise auch die Umstellungen von Trainer Adi Hütter, der einige seiner Schützlinge plötzlich von ihren bewährten Positionen in ein neue Gebiete versetzte und somit einmal mehr die Qualität des Kaders unter Beweis stellte.


Die ersten fünf Pflichtspiele der Saison wurden für den Pokalsieger zu einer echten Farce: Nach der 0:5-Klatsche im Supercup gegen Bayern München kassierte die Eintracht in der ersten Pokalrunde ein 1:2 beim Regionalligisten SSV Ulm, und auch in der Bundesliga zählte der Kontostand nach den ersten drei Partien lediglich drei Punkte.


Der Auftakt in der Europa League, als man bei Olympique Marseille trotz frühen Rückstands in Unterzahl mit 2:1 gewann, markierte allerdings die Wende: Seit Ende September begeistern die Frankfurter, gewannen elf ihrer 15 Pflichtspiele und gingen nur gegen Borussia Mönchengladbach (1:3) und den VfL Wolfsburg (1:2) als Verlierer vom Platz.


Es dauerte, bis die Spieler das aggressive Pressing des neuen Trainers verstanden, doch es fruchtet. "Dieser Stil liegt uns einfach. Wir haben uns daran gewöhnt und daran Gefallen gefunden. Egal wie der Spielstand ist, wenn wir die Möglichkeit haben zu pressen, dann pressen wir auch, da zieht jeder mit. Das ist uns in Fleisch und Blut übergegangen", schwärmte Außenverteidiger Danny da Costa laut ​kicker nach dem überzeugenden 4:0 gegen Marseille in der vergangenen Woche.


Ob Kostic, Rebic oder Willems - die Umstellungen fruchten


Doch abgesehen davon sorgt Hütter mit seinen Aufstellungen immer wieder für Überraschungen: So ist Filip Kostic, der beim Hamburger SV lediglich für die Offensive zuständig war, als Außenverteidiger aktiv und hilft somit im 3-4-1-2 System tatkräftig in der Abwehr mit. Der Serbe zahlt das Vertrauen des Trainers mit guten Leistungen zurück - genau wie Ante Rebic, der in dieser Saison nicht mehr in der Sturmspitze aufläuft.

VfB Stuttgart v Eintracht Frankfurt - Bundesliga

Kaum hat Filip Kostic den HSV verlassen, blüht er bei der Frankfurter Eintracht auf


Stattdessen agiert der Leistungsträger hinter der neuen Doppelspitze um Luka Jovic und Sebastien Haller. Das Trio erzielte in allen Wettbewerben 31 Tore. Allein 15 davon gehen auf das Konto des jungen Jovic, der sich in der abgelaufenen Saison mühsam an die Startelf heranarbeitete und nun kaum wegzudenken ist. 


Rebic sieht seinen Mannschaftskollegen nicht zu, sondern mischt aktiv mit. Der 25-Jährige verlagert das Spiel auf die Außenbahnen oder in die Spitze, zieht dabei selbst in den Strafraum und sucht immer wieder den Weg zum Tor. Dabei profitiert die Mannschaft von seiner verbissenen Mentalität, weshalb er über 90 Minuten keinen Zentimeter nachlässt und Mijat Gacinovic immer mehr auf die Ersatzbank verdrängt.

FC Augsburg v Eintracht Frankfurt - Bundesliga

      Beweist erneut seine Variabilität: Ante Rebic überzeugt nun auch hinter den Spitzen


Die wohl größte Überraschung bot Hütter allerdings erst vor einer Woche: Jetro Willems, gelernter Linksverteidiger, rückte auf einmal in das zentrale Mittelfeld und weiß durchaus zu überzeugen. "Es steht außer Frage, dass Jetro ein genialer Fußballer ist. Was er mit dem Ball kann, das können nicht viele. Im Training hat das der Trainer schon ein paarmal getestet, in einem Testspiel auch. Jetzt war der geeignete Zeitpunkt, das in einem Pflichtspiel auszuprobieren. Jetro hat sehr viele Impulse nach vorne gesetzt und so gespielt, als wäre er in seinem Leben noch nie auf einer anderen Position zum Einsatz gekommen", resümierte Da Costa. 

Eintracht Frankfurt v Olympique Marseille - UEFA Europa League

  Auch Jetro Willems kommt immer besser in Fahrt - und hat möglicherweise eine neue Position für sich entdeckt


Hütter entfaltet das Potenzial seiner Spieler und verschafft der Mannschaft so mehr Flexibilität und damit einhergehend auch weitere Möglichkeiten für Formationen und Umstellungen, die bei den Gegnern für eine Überraschung sorgen können. Nach dem Abgang von Niko Kovac machte es sich der 48-Jährige zur Aufgabe, die Mannschaft taktisch und spielerisch weiter zu verbessern und liegt nach nur wenigen Monaten voll auf Kurs. Gemeinsam mit Sportvorstand Fredi Bobic und Sportdirektor Bruno Hübner hat er einen Kader zusammengestellt und eine Mannschaft geformt, die bei dieser Entwicklung kaum aus dem oberen Drittel der Bundesliga wegzudenken ist.