Es dürfte die schwerste Zeit der vergangenen Dekade für Uli Hoeneß sein. Der FC Bayern nur auf Rang vier in der Tabelle, neun Punkte hinter Borussia Dortmund, die den Spieß in dieser Spielzeit erstmals umzudrehen scheinen, und das Fell des Präsidenten wird merklich dünner. Nach der ​Breitseite auch und vor allem gegen seine Person auf der ​Jahreshauptversammlung ging der 66-Jährige jetzt zum Angriff über.


Die Worte von Johannes Bachmayr auf der Jahreshauptversammlung des FC Bayern München vor dem letzten Wochenende haben etwas ins Rollen gebracht, was dazu führen könnte, dass Uli Hoeneß schneller abtritt, als gedacht. Dabei liegt es vor allem am Aushängeschild des FC Bayern selbst, was er aus der vorgebrachten Kritik macht.


Aktuell geht Hoeneß nach der Devise vor, dass Angriff die beste Verteidigung sei und geht nun auf seine Kritiker los. Gegenüber dem Bezahlsender Sky erklärte er: „Hier war von einem von ganz kleinen Teil der Versuch unternommen worden, meinen tadellosen Ruf als Manager, Vorstand und Präsident zu beschädigen. Da muss ich ehrlich sagen: Ich war schockiert, ich war überrascht und deshalb bin ich sehr glücklich, dass ich so besonnen reagiert habe.“


Auch gegen Paul Breitner legte er nach. Der ehemalige Torjäger des Rekordmeisters war bereits vor der Jahreshauptversammlung von Hoeneß scharf angegangen worden, die Kritik auf eben jener Versammlung an den Worten des Präsidenten ließ nicht lange auf sich Warten und kam wie ein Bumerang zu Hoeneß zurück. Der entgegnete jetzt gegenüber Sky, dass Breitner keinesfalls das Opfer in dieser Geschichte sei, sondern der „Täter“, und das Breitner definitiv zu weit gegangen sei. „Dieses Verhältnis ist nicht mehr zu kitten, er hat den Rubikon überschritten“, so Hoeneß.

Nun kommt es nicht von ungefähr, dass man sagt, getroffene Hunde bellen mehr. Im Falle von Uli Hoeneß aber scheint ebenfalls langsam aber sicher die Grenze zur Zumutbarkeit und zur Zurechnungsfähigkeit erreicht, denn auch wenn Hoeneß` Wort noch sehr viel Gewicht hat, so zeigte die Jahreshauptversammlung, dass der Nimbus des einstigen Managers immer mehr bröckelt. Der Rückhalt in den eigenen Reihen schwindet und längst nicht mehr jeder Bayernanhänger ist glücklich mit dem Präsidenten.

Inwiefern der Gegenangriff auf seine Kritiker etwas gebracht hat, bleibt abzuwarten. Es zeichnet sich jedoch bereits jetzt ab, dass viele Anhänger eher Uneinsichtigkeit und Sturheit darin erkennen, als dass die teils berechtigte Kritik angenommen und umgesetzt wird. Fakt ist auch, dass die Nebenschauplätze weiter Unruhe im Verein schüren, dabei wäre Ruhe bis zur Winterpause doch so wichtig, um den Anschluss an den BVB nicht weiter zu verlieren.