Auch ein Jahr nach seinem Antritt als Sportdirektor des FC Bayern München ist Hasan Salihamidzic noch nicht so richtig drin. Bei allen Turbulenzen im Hause des Rekordmeisters spielt der Bosnier bei allen Entscheidungen bis heute gefühlt nur eine untergeordnete Rolle. Laut Präsident Uli Hoeneß muss er deshalb an sich arbeiten.


Als Spieler war er ein Großer, ein Publikumsliebling aller Bayern-Fans. Auch deshalb wurde es von Unterstützern und Beobachtern freundlich angenommen, als Hasan Salihamidzic am 31.07.2017 als neuer Sportdirektor des ​FC Bayern München vorgestellt wurde. Die Identifikation mit dem Verein stimmt beim Bosnier, der selbst neun Jahre lang im Bayern-Trikot kickte - das konnte jeder anerkennen. Ob er für einen Posten im Vorstand des größten deutschen Fußballvereins geeignet ist, darüber schieden sich schon eher die Geister. Darüber scheiden sie sich noch heute. 

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Als Spieler gewann "Brazzo" mit dem FC Bayern unter anderem die Champions League



Bei allem, was der FCB im vergangenen Jahr an Erfolgen, Querelen und fragwürdigen Entscheidungen zu verzeichnen hat, war nämlich "Brazzo" höchstens eine Randnotiz. Der Mann, der Bindeglied zwischen Mannschaft und Chefetage sein soll, wird häufig konsequent übergangen. Weil er sich dazu noch weigert, wie seine Vorgesetzten, öffentlich polarisierende Irrationalitäten zu veräußerlichen, wirkt der einstige Mittelfeld-Akteur oft wie unsichtbar - nicht wie der Repräsentant und Ansprechpartner des Vereins, der er auch sein sollte. Ist das aber allein die Schuld des 41-Jährigen?


Gut gemeinte Ratschläge


Eins ist - zumindest vereinsintern - unbestritten: Er ist ein fleißiger Mann, der Hasan. Einer, der sich mit ganzem Herzen seiner Aufgabe widmet - zumindest sofern ihm das zugestanden wird. Denn was Salihamidzic beim FC Bayern wirklich darf, ist bis heute ein wenig ungeklärt. Dass die Außendarstellung des Sportdirektors darunter leidet, ist auch Präsident Uli Hoeneß bewusst. Nach der Jahresvollversammlung, Teil derer "Brazzo" leider nicht sein konnte, gab der Bayern-Boss seinem Angestellten deshalb noch mittels medialer Berichterstattung den ein oder anderen gut gemeinten Rat auf den Weg.

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Salihamidzic steht allzu oft im Schatten seiner Vorgesetzten



"Die Qualität der Kritik wird schwieriger", so der Präsident des Rekordmeisters, daran müsse sich der Sammer-Nachfolger gewöhnen und auch daran, dass der Fußball nicht "mit allen Facetten" nicht mehr so einfach bleibe. Hoeneß gesteht seinem Vereinsgenossen dabei die Schwierigkeit seiner Aufgabe durchaus zu, meint aber: "Wenn er ein Großer werden will, dann muss er da durch."


Ein Junge unter Männern


Diese letzte Aussage jedoch ist Teil eines Umstandes, der den Stand des ehemaligen bosnischen Nationalspielers beim FCB wie in der Öffentlichkeit erheblich erschwert. Während es wohlwollend klingen mag, wenn der München-Chef seinem Sportdirektor wünscht, in Zukunft "ein Großer" zu werden, impliziert es doch allzu sehr auch, dass Salihamidzic in den Augen seines Vorgesetzten aktuell offenbar noch ein Kleiner ist. Ein Junge unter Männern. Aufgrund geringerer Erfahrung wird hier einem - wohlgemerkt selbst ausgewählten - Kollegen die Kompetenz abgesprochen, was dessen Bild in der Öffentlichkeit in hohem Maße negativ beeinflusst. "Brazzo", dem ohnehin seit Amtsantritt ein wenig der Ruf einer Bayern-Marionette vorauseilt, wird in dieser, wie auch vielen anderen Aussagen von Hoeneß und Rummenigge weiter degradiert. Und was der Vorstand mit einer Verniedlichung seines Sportdirektors anrichtet, kann Salihamidzic mit allem Fleiß der Welt nicht wett machen.