Nach drei sieglosen Bundesligaspielen in Folge war der ​FC Bayern München seit dem Champions-League-Duell gegen Benfica Lissabon um die Wende bemüht. Auf den 5:1-Sieg über die Portugiesen folgte ein knapper Erfolg bei Werder Bremen, bei dem der Ex-Werderaner Serge Gnabry hervorstach. Der Flügelspieler überzeugte einmal mehr und ließ womöglich durchblicken, auf welchen Positionen sich das ​"Gesicht der Mannschaft" nur wenig verändern dürfte.


In den vergangenen Wochen wurde viel über den schwächelnden Rekordmeister gesprochen. Die Leistungen stimmten hinten wie vorne nicht. Denn während die eigene Chancenverwertung immer schwächer wurde, wurde die des Gegners immer effizienter. Das enttäuschende 3:3 gegen Fortuna Düsseldorf war der endgültige Beweis: Aktuell ist innerhalb der Mannschaft der Wurm drin.


Doch ein Spieler, der sich in dieser Periode immer wieder auszeichnen konnte, war Serge Gnabry. Bereits gegen den SC Freiburg gehörte der 22-Jährige zu den besten Münchnern, brachte immerhin etwas Schwung in die Offensive und war sichtlich bemüht, sich unter Beweis zu stellen. Wenig verwunderlich vertraute Trainer Niko Kovac weiterhin auf ihn, was sich spätestens beim gestrigen 2:1-Erfolg über Werder Bremen endgültig auszahlen sollte.

FC Bayern Muenchen v Sport-Club Freiburg - Bundesliga

       Kommt in München immer besser in Fahrt: Serge Gnabry



In der gut agierenden Offensive der Münchner war er gewiss nicht der Alleinunterhalter, doch sein Doppelpack war für den 16. Bundesligasieg gegen Bremen in Folge entscheidend. "Zwei Tore für den FC Bayern zu schießen habe ich bisher nicht geschafft, deswegen ist es für mich persönlich ein guter Tag gewesen", konstatierte Gnabry, der in der Saison 2016/17 für Werder auflief (27 Spiele, 11 Tore), auf der vereinseigenen Website des Rekordmeisters.


Gnabry und Coman - das Modell der Zukunft


Auch Thomas Müller und Trainer Niko Kovac fielen die jüngsten Leistungen Gnabrys auf, weshalb sich seine Reputation innerhalb der Mannschaft nachhaltig steigern dürfte. Gepaart mit der gestrigen Rückkehr von Kingsley Coman setzten beide ein klares Zeichen für die Zukunft: Auf den Außenbahnen wird keiner so einfach an ihnen vorbeikommen.


Im Hinblick auf die mehrfach angekündigte Transferoffensive der Bayern im kommenden Sommer sind Gnabrys starke Leistungen ein wichtiges Signal. Sollten sowohl er als auch Coman, den Karl-Heinz Rummenigge als "das größte Talent" der Mannschaft bezeichnete (via Sportbuzzer), gesund bleiben und konstant gute Leistungen abrufen, sollten die Verantwortlichen früher oder später merken: Der Handlungsbedarf besteht auf anderen Positionen.

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    Kingsley Coman kehrte nach überstandenem Syndesmosebandriss gegen Bremen zurück und dürfte Franck Ribéry schon bald wieder aus der Startelf verdrängen



Denn neben der künftigen Flügelzange stößt im Januar mit Alphonso Davies ein Top-Talent aus der Major League Soccer (MLS) zur Mannschaft. Der 18-Jährige soll genügend Zeit zur Akklimatisierung und Integration erhalten - weshalb er schon jetzt in München verweilt -, doch Kovac kündigte mehrfach an, dass er fest zur ersten Mannschaft gehören soll. Nebenbei ist es noch immer vorstellbar, den Vertrag mit Arjen Robben noch einmal um ein Jahr auszudehnen, während die Zeichen bei Franck Ribéry weiter auf Abschied stehen.


Der Fokus soll allerdings auf Coman und Gnabry liegen. Beide eint ihre Variabilität, weshalb sie auch innerhalb des Spiels ihre Positionen tauschen können - wie gestern in Bremen, als Coman nach seiner Einwechslung zunächst auf die rechte Außenbahn rückte und später auf den linken Flügel wechselte. Beide sind schnell, quirlig und schwer vom Ball zu trennen, doch Neu-Hoffnungsträger Gnabry ist Coman in Sachen Torgefahr momentan noch einen Schritt voraus.


Wo muss der FC Bayern wirklich nachrüsten?


Diese Planstelle bedarf also nur noch punktuelle Veränderungen, nachdem das Grundgerüst geschaffen wurde. Anders sieht es allerdings in anderen Bereichen des Spielfeldes aus: So läuft der Vertrag mit Außenverteidiger Rafinha (der wohlgemerkt einzige Ersatz für Joshua Kimmich und David Alaba) im Sommer aus. Eine Verlängerung scheint genauso fraglich wie ein Verbleib von Jerome Boateng, Javi Martinez oder James Rodriguez, der unter Kovac alles andere als glücklich wirkt. 

VfL Wolfsburg v FC Bayern Muenchen - Bundesliga

  Karl-Heinz Rummenigge und Uli Hoeneß müssen ihren Worten im Sommer Taten folgen lassen (v.l.)



Trotz des Stammes um Spieler wie Renato Sanches, Leon Goretzka, Corentin Tolisso, Thiago oder Thomas Müller muss daher im zentralen Mittelfeld genauso nachgerüstet werden wie in der Innenverteidigung und auf den Außenverteidiger-Posten. Auf den Außenbahnen, in der Sturmspitze sowie im Tor sind allerdings (noch) keine Riesen-Transfers tätig, wie sich zuletzt immer wieder zeigte.