Der BVB steht nach 13 Spieltagen noch immer ungeschlagen an der Spitze der Bundesliga. Das verdanken die Dortmunder auch ihrer jungen, neuen Defensive. Die jedoch wird mehr und mehr von Verletzungen aus dem Rennen genommen und bereitet Trainer Lucien Favre in den letzten Wochen des Fußballjahres allergrößte Sorgen. 


Ein Meister muss beides haben: Eine Offensive, die effektiv Chancen nutzt, die Fehler des Gegners gnadenlos bestraft, und eine Defensive, die bei aller Geschwindigkeit und trotz der Wagnisse der Vorderleute ein Anker ist und gegnerischen Mannschaften die Torgefahr nimmt. 

Club Atletico de Madrid v Borussia Dortmund - UEFA Champions League Group A

Mit nur 19 Jahren bekommt Dan-Axel Zagadou unter Lucien Favre bereits viel Spielzeit



​Borussia Dortmund gelingt in der aktuellen Saison bislang beides bestens. Mit ihren 37 Toren liegen sie, was den Angriff angeht, ein gutes Stück vor der Konkurrenz. Doch auch die defensive ist stärker als noch in vergangenen Jahren - In der Liga kassierte nur ​RB Leipzig weniger Gegentore. Der Grund für diese neue Sicherheit liegt auch in Lucien Favres Mut begründet, die defensive Schaltzentrale Innenverteidigern zu überlassen, deren Talent unbestritten ist, die aber allesamt noch keine 25 Jahre alt sind. Vertrauen in die Jugend - Das ist ein Konzept, das dem BVB schon einmal zu großem Erfolg verhalf. Die jungen Innenverteidiger hießen seinerzeit Mats Hummels und Neven Subotic und feierten in schwarz-gelb zwei Meisterschaften infolge. 


Das Dortmund-Lazarett füllt sich

Nun schicken sich Diallo, Akanji und Zagadou an, diese großen Fußstapfen zu füllen - und das bislang sehr erfolgreich. Gäbe es da nicht diesen einen Faktor, der schon manche vielversprechende Mannschaft den ganz großen Triumph gekostet hat - die Gesundheit. Denn nachdem Manuel Akanji mit einer Kapselverletzung beim gestrigen Sieg gegen ​Freiburg zum wiederholten Male verletzt aussetzen musste, musste sich auch der 19-jährige Dan-Axel Zagadou nach einer Verletzung in der 37. Minute im Dortmunder Lazarett melden. 


Die Art und Weise der Verletzung war Dortmund-Trainer Favre nach Spielende nicht bekannt, obgleich er selbstverständlich hoffte, "dass es nicht so schlimm ist". Die Auswirkungen des zusätzlichen Ausfalls hatte der Schweizer dafür umso klarer vor Augen, bezeichnete er einen möglichen Ausfall Zagadous doch als "Riesenproblem". Tatsächlich hatte sich der Teenager mit Topwerten in Zweikampf und Passspiel zuletzt zu einem wichtigen Teil der Dortmunder Rotation gemausert. 


Zwangs-Experiment mit Toprak

Zu der gehört nun auch wieder jemand, der bis zur gestrigen Verletzungs-Auswechslung des jungen Franzosen in der laufenden Spielzeit zwei Minuten auf dem Platz stand: Ömer Toprak. Der ist nicht nur seinen 29 Jahren nicht nur für BVB-Verhältnisse ein absoluter Greis, ihm fehlt aufgrund der Top-Leistungen seiner Teamkollegen auch jegliche Spielpraxis. War der ehemalige türkische Nationalspieler noch als gefragter Defensiv-Routinier ins Ruhrgebiet gewechselt, sind seine Kernkompetenzen zuletzt immer mehr das "Sparring" und das "Anfeuern" geworden. 

Borussia Dortmund Training Session

In Aktion sah man Ömer Toprak in der aktuellen Saison vor allem auf dem Trainingsplatz



Nun wird er wohl oder übel wieder wichtige Minuten für Schwarz-Gelb absolvieren und muss deshalb schnellstens mit Abdou Diallo, der ohnehin gesetzt ist, eine Chemie entwickeln. Eine Schwierigkeit könnte dabei sein, dass, obwohl lediglich sieben Jahre zwischen den beiden großgewachsenen Abwehrspielern liegt, zwei recht unterschiedliche Interpretationen der Innenverteidiger-Position aufeinander treffen. Von der Kopfballstärke abgesehen haben der Türke und sein französischer Abwehrkollege recht wenig gemeinsam - Wo Toprak oft nicht schnell, aber resolut zu Werke geht, wartet Diallo wie viele junge zentral-defensive Fußballer auch mit ordentlicher Technik auf.


Warum aber ist das neue Duo ein "Riesenproblem"? Das liegt zum einen daran, dass Favre keine Alternative hat. Eine Dreierkette ist nicht erprobt, Spielpraxis wird man Toprak bis zum nächsten Wochenende aber auch nicht verschaffen können. Dem BVB-Trainer bleibt also nichts übrig, als eine Dynamik zu erzwingen, die es seiner Mannschaft ermöglicht, defensiv nicht einzubrechen. Dazu hat der Schweizer ab jetzt sechs Tage Zeit. Dann steht das prestigeträchtige Revier-Derby gegen ​Schalke 04 an.