An diesem Wochenende protestieren zahlreiche Fangruppen mittels eines Stimmungs-Boykotts gegen die noch bis 2021/22 geplanten Montagsspiele. VfL-Wolfsburg-Trainer Bruno Labbadia hat verstanden, warum.


Im durch-kommerzialisierten Fußball gibt es zahlreiche Feindbilder. Eines davon: Das Montagsspiel - da sind sich selbst Fans rivalisierender Klubs einig. Die Idee, den Spieltag der Bundesliga auf vier Tage und mindestens drei Übertragungs-Formate zu verteilen, war schon immer genauso fragwürdig wie kritisiert. Auch nach dem Entschluss, den Montag ab Sommer 2022 wieder zum fußballfreien Tag zu erklären, sind nicht alle zufrieden. Denn dreieinhalb Jahre wird der gehasste Ansetzungstermin ja noch fortwähren. So kommt es, dass an diesem Wochenende zahlreiche Gruppierungen verschiedener Fanlager als Protest durch Schweigen 45 Minuten lang die Stimmung boykottieren. 


Wer sich nun nicht mit der Materie auseinandersetzt oder einfach nur sehr gerne montags von der Arbeit ins Stadion hetzt, um dann am darauf folgenden Dienstag müde am Schreibtisch zu sitzen, der mag den Boykott missverstehen. Die Stille im Stadion könnte als falsches Zeichen verkannt werden, als eine Bestrafung der Mannschaften, wo eigentlich die DFL in die Pflicht genommen werden sollte. Doch auch Spieler und Coaches wissen um die faden Beigeschmack des montäglichen Kicks und die Aktion dementsprechend einzuschätzen.  

Als langjähriger Spieler und Fußballlehrer hat Bruno Labbadia, der aktuelle Trainer des ​VfL Wolfsburg, so manches gesehen. Er kennt erste und zweite Liga gleichermaßen, hat auch schon Montagsspiele bestritten und kann die Aktion der Bundesliga-Fans nicht verurteilen: "Angesichts der Spieltermine habe ich Verständnis, dass es den Zuschauern nicht gefällt". Ähnlich wie zahlreiche Zuschauer nennt auch der ehemalige Stürmer die Freitags- und Samstagsspiele "meine Spieltage" und weiß, dass selbst als Trainer der zweiten Liga, in der Partien am Montag Usus sind, "der Montagstermin nicht der günstigste ist". 


Doch kennt der Wölfe-Coach auch die andere Seite der Argumentation, betont das Interesse an mehr generierten Fernsehgeldern. In einer Liga, die, was den finanziellen Rahmen angeht, international der Konkurrenz nacheifert, sieht der gebürtige Darmstädter die Notwendigkeit, alle Möglichkeiten der Generierung von Geldern zu nutzen. Dieses Interesse aber steht in direktem Kontrast zu etwas, das auch in den Augen Labbadias ein hohes Gut der Bundesliga ist und bleiben sollte - die Stimmung im Stadion. 

VfL Wolfsburg v RB Leipzig - Bundesliga

"Die Fans sind unsere Basis, denen müssen wir Gehör schenken" - Bruno Labbadia



Die Unterstützung von den Rängen aber, von der demnach "der Fußball lebt", droht jedoch zumindest teilweise wegzubrechen. Nicht im Sinne eines Verrats des Lieblingsvereins seitens der Fans, sondern viel mehr als logische Folge eines geldgierigen Geschäfts, dem sich die Bundesliga wehrlos ergibt. Der Boykott an diesem Wochenende ist somit eine Art Simulation einer realen Gefahr, der die Liga ins Auge sehen muss und die auch laut dem Wolfsburg-Trainer nicht ignoriert werden sollte: "Die Fans sind unsere Basis, denen müssen wir Gehör schenken."