Werder gegen die Bayern! Nach einer gefühlten Ewigkeit haben diese vier Worte endlich wieder den Klang vergangener, schöner Zeiten.


​Werder Bremen gegen ​Bayern München: Das war über Jahrzehnte hinweg immer und regelmäßig eines der Highlights der jeweiligen Saison. Es war das Duell (mit Verlaub, HSV!) Norden gegen Süden, Arm gegen Reich, der hanseatische David gegen den bayuwarischen Goliath. Tante-Emma-Laden gegen Großkaufhaus, Bescheidenheit gegen Arroganz, ja sogar einen Kampf der Systeme verortete manch einer in diesem Spiel.


Und es waren auch immer sportlich heiße Duelle: unvergessen der Kutzop-Elfmeter in der letzten Minute des vorletzten Spieltages der Saison 85/86. Oder das Pfaff-Eigentor (des Jahres!) knappe vier Jahre zuvor. Oder die Sternstunde des Johan Micoud am 32. Spieltag der Spielzeit 2003/2004, als Werder seine bis dato letzte Meisterschaft einfahren konnte. Und auch noch in der Höhle des Löwen: ein 3:1-Sieg im Münchener Olympiastadion legte den Grundstein für den Titel der Grün-Weißen.


Es folgten jedoch, aus Bremer Sicht, dunkle, unschöne Jahre. Jahre, in denen man, ebenfalls mit (un)schöner Regelmäßigkeit, schonungslos offengelegt bekam, wie weit mittlerweile der Konkurrent aus München nicht nur ihnen, sondern dem ganzen Rest der Liga enteilt war. Demütigende Niederlagen wurden zum Alltag im Duell dieser nunmehr ungleichen Rivalen. 

Doch heute, im November 2018, scheint sich was zu drehen, da oben im Norden. Und der wesentlich dafür Verantwortliche, ​Trainer Florian Kohfeldt, verkündet deshalb mutig: "Wir werden, ich gehe davon aus, am Samstag einen guten Plan haben und versuchen, das Spiel zu gewinnen." Und dabei lächelt er, fast wie ein kleiner Junge, der schon Wochen vorher herausgefunden hat, was für tolle Geschenke er am Heiligabend unter dem Tannenbaum findet. Irgendwie wissend, irgendwie ahnend.


Vielleicht ist das der größte Unterschied zu all den vergangenen Jahren, in denen man hauptsächlich auf Schadensbegrenzung aus und froh war, wenn der "jährliche Zahnarztbesuch" einigermaßen schmerzfrei über die Bühne gegangen war.


Heute also ein neuer Wind, der da von der Weser herüberweht. Man traut sich wieder was zu, auch gegen die Bayern. So stellte denn auch Stürmer Max Kruse unlängst einfachere Rechenspiele auf und bemerkte trocken, dass die Bayern "ja auch nur einen Punkt entfernt" seien. Dass diese Differenz nach dem Remis der Hanseaten im Breisgau am vergangenen Wochenende wieder auf drei Punkte angeschwollen ist, ändert indes nichts an der Grundaussage dieser Bemerkung: Man sieht sich wieder in Reichweite zu dem Branchenprimus, besonders in der aktuellen Spielzeit.


Und jetzt bietet sich mit einem Heimspiel sogar die Gelegenheit, im direkten Duell zumindest nach Punkten gleichzuziehen.


Werder vs. Bayern: Das ist endlich wieder ein Spitzenspiel. Zwar geht es (noch) nicht um die vorderen Plätze, aber der Sieger vom Samstag ist dann zumindest schon mal auf einem guten Weg.