​Die Verletzung von ​Matthias Ginter schmerzt nicht nur dem Nationalspieler selbst, er wird in der Innenverteidigung von ​Borussia Mönchengladbach sehr vermisst werden. Gladbachs Risiko, Jannik Vestergaard im Sommer zu verkaufen und keinen Ersatz zu verpflichten, wird nun auf den Prüfstand gestellt.


Seit Matthias Ginter im Sommer 2017 zu Borussia Mönchengladbach gewechselt ist, hat der Weltmeister von 2014 bis zum Spiel gegen ​Hannover 96 keine einzige Pflichtspielminute verpasst. Auf dem Weg zum 51. Spiel in Folge ohne Pause war die Serie dann beendet: Ginter verletzte sich gegen Hannover schwer im Gesicht und wird bis auf Weiteres ausfallen. Vom Innenverteidiger-Duo aus dem Vorjahr, Ginter und Jannik Vestergaard, das 34 von 37 Pflichtspielen gemeinsam bestritt, ist also vorerst niemand mehr übrig.

Der Abgang von Vestergaard war einkalkuliert. 25 Millionen Euro war der FC Southampton bereit zu zahlen, um den dänischen Nationalspieler zu verpflichten. Gladbach nahm dankend an und so konnte der 26-Jährige seinen Traum von der ​Premier League erfüllen. Dieses Geld öffnete die Tür für den Transfer von Alassane Plea. Anstelle von Vestergaard rückte Nico Elvedi, zuvor zumeist als Rechtsverteidiger aktiv, nach innen und statt eines direkten Ersatzes für Vestergaard verpflichtete die Borussia mit Michael Lang lediglich einen neuen rechten Außenverteidiger.


Als Absicherung für das neue Pärchen im Abwehrzentrum setzte die Borussia auf eine interne Lösung: Zum einen auf den erfahrenen Defensiv-Allrounder Tony Jantschke und zum anderen auf die Nachwuchsspieler Mamadou Doucoure sowie Jordan Beyer. Dass auf Beyer Verlass ist, hat der 18-Jährige bereits bewiesen - allerdings auf der rechten Seite als Vertreter von Michael Lang. Doucoure dagegen ist leider erneut verletzt. Eine weitere Alternative wäre Tobias Strobl, der aber eigentlich eher im defensiven Mittelfeld zuhause ist.


Tony Jantschke ist die erste Option


Zunächst einmal wird jetzt Jantschke gefordert sein. Der gab sich in der Rheinischen Post ob eines Einsatzes am Sonntag gegen ​RB Leipzig zwar noch zurückhaltend ("Wir haben einen sehr guten Kader, es ist eigentlich fast egal, wer da spielt"), doch alles andere als ein Einsatz des 28-Jährigen wäre eine Überraschung. Schließlich hat Jantschke zu Beginn der Saison bereits Nico Elvedi vertreten und genießt das vollste Vertrauen von Trainer Dieter Hecking: "Tony hat schon häufiger in dieser Saison bewiesen, dass er schnell reinfindet und sofort seine Leistung bringt."


Auch Elvedi sieht dem Ausfall von Ginter zunächst gelassen entgegen: "Natürlich ist es etwas anders, wenn du einen anderen Partner hast. Aber ich mache mir da keine Sorgen", sagte er der Rheinischen Post. "Ich kenne Tony schon sehr lange, er ist ein Spieler mit sehr viel Erfahrung, dem man vertrauen kann. Ich denke, dass das in den nächsten Spielen bis zum Winter kein Problem sein wird." 


Jantschke mag ein solider Backup sein, doch ist er wirklich auf Dauer gut genug für die Ambitionen der Fohlen? Was ist, wenn nicht? Was passiert, wenn sich er oder Elvedi ebenfalls verletzen? "Auch wenn die Decke hinten jetzt schon dünner geworden ist, haben wir noch Optionen", meinte Hecking zwar, doch reichen die Optionen wirklich für die Champions League? Am Sonntag bei RB Leipzig wird die neu formierte Innenverteidigung erstmals auf eine sehr harte Probe gestellt. Vielleicht sind dann schon einige Fragen beantwortet.