Ein Mega-Fernsehdeal, weltweite Marketingeinnahmen und hohe Ticketpreise: Die englische ​Premier League ist das Nonplusultra, wenn es um die Vermarktung von Fußball geht. Die große englische Finanzkraft wird einem ​Bundesliga-Fan jeden Sommer bewusst, wenn sich der ein oder andere Top-Star lieber für einen mittelklassigen englischen Klub entscheiden, als beispielsweise für den deutschen Vizemeister. 


Weltweit können nur wenige Klubs mit den finanzstarken Engländern mithalten. Dass sich dies in nächster Zeit ändert, ist nicht zu erwarten. Die Entwicklung der Marktwerte der Top-5-Ligen zeigt eher in die andere Richtung: Die Schere zwischen der Premier League und den anderen vier Ligen geht immer weiter auseinander. 


351 Prozent Marktwertsteigerung in den letzten 14 Jahren: Mit diesem Wert ist die Premier League einsame Spitze. Während der Kader eines Klubs der ersten englischen Liga in der Saison 2005/06 im Schnitt noch 117,5 Millionen Euro wert war, liegt der Durchschnittswert in dieser Saison bei 413 Millionen Euro. 


Auf dem zweiten Platz folgt die spanische ​LaLiga mit 276,5 Millionen Euro pro Klub. Während die Entwicklung der Premier League Anfang des Jahrtausends noch relativ parallel zu den anderen vier Top-Ligen verlief, enteilten die Engländer den anderen Ligen ab 2016. Auslöser war der größte Fernsehdeal einer Fußballliga aller Zeiten: 2,3 Milliarden Euro pro Saison. Ab der Saison 2019/20 wird dieser neu verhandelt. Die Kluft könnte also noch wachsen.


La Liga überholt Serie A - Bundesliga Zweiter


Auch die anderen vier Ligen stiegen in der untersuchten Zeit extrem an. Allerdings sind die Unterschiede zwischen LaLiga, der Bundesliga, der Ligue 1 und der ​Serie A eher marginal. Während die italienische Liga mit 144% den geringsten Anstieg der fünf Top-Ligen aufzuweisen hat, liegt die Bundesliga mit 246% auf der zweiten Position hinter der Premier League. 


Im Vergleich der durschnittlichen Marktwerte pro Club liegt die deutsche Liga allerdings nach wie vor auf Platz vier. Lediglich der Abstand zur französischen Ligue 1 konnte vergrößert werden. Einen Platztausch gab es auf den Plätzen 2 und 3. War 2005/06 die italienische Serie A noch die zweit-finanzkräftigste Liga, ist dies nun LaLiga. Dementsprechend ist auch der Anstieg der Serie A mit 144% der geringste unter den Top-5.


​LigaAnstieg​ (durchschnittlicher Martkwert/Club)
Premier League​​351%
Bundesliga​272%
​LaLiga​246%
​Ligue 1​209%
​Serie​144%


Die Marktwerte der ersten 4 deutschen Ligen

Marktwerte der vier höchsten deutschen Ligen

Die oben genannten Zahlen zeigen aber auch: Selbst die schlechteste der ersten Ligen aus den Top-5 Ländern hat ihre Marktwerte noch mehr als verdoppelt. Betrachtet man auf der anderen Seite ​die Marktwertentwicklung der obersten vier deutschen Spielklassen, wird deutlich, wie sehr die Bundesliga den unteren Ligen in den letzten Jahren enteilt ist. 


Während sich die Bundesliga über einen 3,5-fachen Anstieg der Marktwerte freuen kann, sind 2. und 3. Liga nur etwa im Bereich der Inflation gewachsen - stagnieren also quasi. Die Vereine der vierthöchsten deutschen Spielklassen (die Regionalligen) hingegen sind sogar um 1,63 Millionen Euro geschrumpft. Von Chancengleichheit im Fußball sollte man also gar nicht erst anfangen zu träumen.