Seit Uli Hoeneß vor wenigen Wochen ​verkündete, seine Ämter beim FC Bayern München in einigen Jahren niederzulegen, wird in den Medien regelmäßig über mögliche Nachfolger des Präsidenten und Aufsichtsratsvorsitzenden diskutiert. Als Favorit gilt Ex-Torhüter ​Oliver Kahn, doch der Rekordmeister will sich genügend Zeit nehmen, um die bestmögliche Lösung zu finden. In einem Interview im Rahmen des Formats 'BayWa FeldTalk', das auf dem Youtube-Kanal des FC Bayern Basketball veröffentlicht wurde, sprach Hoeneß nun über das Anforderungsprofil an seinen Nachfolger.


Aktuell sind die Bayern in der Krise und müssen daher vor allem kurzfristige Lösungen - wie beispielsweise eine mögliche ​Trennung von Trainer Niko Kovac - finden, um den Verein auf sportlicher Ebene wieder zu alter Stärke zu führen. Doch in den kommenden Jahren werden auch die entscheidenden Führungspositionen besetzt, wobei besonders Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge im Fokus stehen.


Während Rummenigges Zukunft aufgrund der bislang ausgebliebenen Verlängerung seines Ende 2019 auslaufenden Vertrages als Vorstandsvorsitzender ​unklar ist, will Hoeneß nicht mehr allzu lange als Präsident und Vorsitzender des Aufsichtsrats tätig sein. Auch der 66-Jährige, der vor zwei Jahren erneut zum Vereinspräsidenten gewählt wurde, hat sein Amt vorerst bis 2019 inne. 


"Wir haben ja eine spezielle Situation beim FC Bayern. Karl-Heinz Rummenigge wird ja auch in den nächsten Jahren aufhören und wir zwei sind natürlich sehr wichtig für den Verein", so Hoeneß. Daher sei es "die wichtigste Aufgabe für die nächsten ein, zwei, drei Jahre" geeignete Nachfolger zu finden, die "den Verein in ein ruhiges Fahrwasser in die Zukunft bringen".

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  Werden sich in naher Zukunft zurückziehen: Karl-Heinz Rummenigge und Uli Hoeneß 


Er wolle "nicht ewig am Stuhl kleben", allerdings auch weiter in der Verantwortung stehen, sollte es Komplikationen geben: "Wenn ich das Gefühl habe, dass die Regelung nicht so hinhaut, dann werde ich eben versuchen, so lange wie möglich da zu sein, bis man eine Lösung gefunden hat."


Der Fußball bleibt im Vordergrund


Das wichtigste Kriterium sei demnach die frühere sportliche Karriere der Kandidaten: "Ich glaube - da sind wir uns auch im Aufsichtsrat einig - der erste Mann oder die ersten Männer müssten schon möglichst aus dem Fußball kommen, weil im Gegensatz zu einem normalen Management erwartet der Spieler, der Trainer schon, dass du über die Hauptsache, nämlich den Sport, auf Augenhöhe diskutierst."

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Nicht nur aufgrund seiner Laufbahn, sondern auch aufgrund seiner Weiterbildung nach dem Karriereende gilt Oliver Kahn als Favorit auf Hoeneß' Nachfolge



Dabei gehe es vor allem um die natürliche Autorität, die ein Vereinspräsident mitbringen muss: "Wenn ich zu Franck Ribery sage: 'Heute hast du wieder einen schönen Mist gespielt.' und ich hab früher beim TSV Aurich gespielt, dann würde er sagen: 'Können wir uns bitte über das Machen von Erdbeermarmelade unterhalten oder was, aber bitteschön nicht über den Fußball.' Das ist ein wichtiger Faktor."


Jedoch gehe es letztendlich auch darum, die sportlichen sowie wirtschaftlichen Ebenen zusammenzuführen, um den Verein als Ganzes erfolgreich zu leiten: "Das Wichtigste, bei allem Merchandising und Marketing, ist der Sport. Wenn ich mit jemandem diskutiere, dann nimmt er mich ernst, das ist glaube ich eine ganz wichtige Voraussetzung. Natürlich musst du auch wirtschaftliche Zusammenhänge zusammenbringen, aber das ist ja die Kunst. Diese Kombination, soziales Verhalten, Menschen zu mögen, Hochleistungssport betrieben zu haben und wirtschaftliche Zusammenhänge zusammenfügen zu können, das ist das Anforderungsprofil für so einen Job."