Ein Gespenst geht um in Fußball-Europa. Immer mal wieder wird es gesichtet, schreckt den einen oder anderen Verantwortlichen (und/oder Fan) auf, wird anschließend durch Beschwörungsformeln zu vertreiben versucht und setzt sich schließlich als mnenonische Ablagerung im Langzeitgedächtnis der Fußball-Community ab. Bis zum nächsten Mal.


Super-League? Da war doch was...


Unlängst hat das Internetportal Football-Leaks das Gespenst wieder aus seiner Kiste geholt, und allerorten verliert sich der geneigte Fan (und noch mehr der ungeneigte) in sarkastischem Fatalismus oder immer mehr zunehmender Apathie angesichts der "von oben" aufgedrückten Veränderungen, wo es eigentlich keiner Veränderungen bedürfte.


Das haben die sich ja toll ausgedacht, ist noch die friedlichste der Aussagen, die man in diesem Zusammenhang vernehmen kann. Wobei die deutschen Vertreter, mit dem ​FC Bayern und dem ​BVB an der Spitze, sich jedesmal sichtlich darum bemühen, klarzustellen, dass die Initiative hinter dieser Idee, die treibende Kraft sozusagen, die beiden Großvereine aus Spanien, der FC Barcelona und die "Königlichen" von Real Madrid, seien. 


In diesem Zusammenhang versichert der Vorstandsvorsitzende der Schwarz-Gelben, Hans-Joachim Watzke, sogar, von "konkreten Plänen" in diese Richtung nichts zu wissen. Natürlich würde man sich damit beschäftigen, wenn es sie denn gäbe, aber niemals unter dem Gesichtspunkt, damit womöglich den Ausstieg aus der heimischen Bundesliga voranzutreiben. Die Bundesliga, das stellte der Klub-Chef auf der vergangenen Mitgliederversammlung klar, sei und bliebe die DNA des Klubs. Alle Planspiele, die ein Ausscheren des Vereins aus dem heimischen Ligabetrieb implizierten, wären mit seiner Borussia nicht zu machen. 


Und aus München konnte man vor Wochenfrist ähnliche Statements vernehmen. Also, wie denn nun? Gibt es Pläne, oder gibt es keine? Oder verhält es sich gar wie beim ebenfalls periodisch auftretenden "Atomwaffen-Gerassel" des nordkoreanischen Präsidenten? In personalem Wechsel, vom Großvater über dessen Sohn bis zum Enkel, wird auch aus Pyönyang immer mal wieder damit gedroht, das atomare Potential des Landes auch tatsächlich anzuwenden. Geendet sind diese Drohszenarien regelmäßig in (inoffiziellen) Verhandlungen zwischen den USA und den Nordkoreanern und irgendeinem Deal, mit dem beide Parteien erstmal leben konnten. 


Wenn dem so wäre, wenn das verbale Säbelschwingen der Großklubs, die damit "drohen", ihr eigenes Ding zu tun und ihre eigene geschlossene Gesellschaft zu bilden, tatsächlich nur dazu dient, sich gegenüber der UEFA eine stärkere Verhandlungsposition einzunehmen - ja dann kann man Herrn Watzke einfach nur rechtgeben in dieser Gespenstergeschichte. Er selbst hat sie ja fast so genannt: eine Phantomdiskussion. 


Ob Phantom oder Gespenst, was sicher scheint: An das regelmäßige Wiederkehren dieser Debatte werden wir uns wohl oder übel in den kommenden Jahren gewöhnen müssen.