Was diverse Spatzen in Barcelona in den letzten Tagen bereits von den Dächern der Grafenstadt gepfiffen haben, soll nun Gewissheit sein: Ousmane Dembele, erst letzte Saison für kolportierte 105 Millionen Euro von Borussia Dortmund zum ​FC Barcelona gewechselt, sieht beim aktuellen Tabellenzweiten der Primera Division offenbar keine Zukunft mehr, und hat dem Klub laut goal.com seinen Wechselwunsch mitgeteilt.


Angedeutet hatte es sich schon in der letzten Saison, und es waren nicht überwiegend sportliche Gründe, die so manch einen im Umfeld des Klubs an der Richtigkeit seiner Verpflichtung hatte zweifeln lassen. Permanente, wenn auch kleinere Undiszipliniertheiten, wie wiederholtes Zuspätkommen zu Mannschaftssitzungen oder Trainingseinheiten, ließen die Verantwortlichen ins Grübeln kommen. 


Auch auf der reinen sportlichen Ebene konnte der Jungstar die in ihn gesetzten Erwartungen kaum einmal über einen längeren Zeitraum erfüllen. Verletzungen taten ein Übriges, den Franzosen nie in den Rhythmus kommen zu lassen. Doch man tröstete sich in Barcelona mit der Feststellung, dass man in diesem Klub schon ganz andere Kaliber "auf Linie gebracht" hat und verwies immer wieder auf das junge Alter des Fussballers. 


Nur: Ein entsprechendes Zeichen seines Willens, dieser Situation abzuhelfen, fehlte von dem 20-Jährigen. Und so konnte es denn auch nicht verwundern, dass der mannschaftsinterne Ton in den letzten Tagen ruppiger geworden war. Gerard Pique vor einigen Wochen, dann vor ein paar Tagen ​Luis Suarez preschten als Sprachrohr der Mannschaft vor und benannten die Defizite des zweifellos Hochveranlagten in bis dato nicht gekannter Deutlichkeit und Schärfe. 


Man konnte schon absehen: Die kommenden Monate wären für Dembele schwierig geworden. Jetzt hat der Franzose selbst also die Reißleine gezogen und den Klub um einen Transfer gebeten. Das mag angesichts der aktuellen Entwicklung an diesem Spieltag (​immerhin erzielte Dembele das wichtige Ausgleichstor beim Spitzenspiel im Wanda Metropolitano gegen Atletico Madrid) den einen oder anderen überraschen, zeigt aber letztlich nur auf, dass die Gräben zwischen Spieler und Klub (und wohl auch Mannschaft) zu tief geworden waren, als dass man sie hätte überwinden können. 


Wohin es den Ex-Dortmunder ziehen könnte, steht noch offen. Interessenten (Chelsea, Arsenal, Manchester United) dürfte es genug geben.