Eigentlich war alles für die alles entscheidende Partie in der Copa Libertadores angerichtet, doch das Final-Rückspiel zwischen den rivalisierten argentinischen Vereinen River Plate und Boca Juniors entwickelte sich zu einer Farce. Der Leidtragende dabei war der argentinische Staat, der wieder einmal feststellen musste, dass die Ausschreitungen im Fußball kaum zu bändigen sind. 


Das diesjährige Endspiel der Copa Libertadores - die südamerikanische Auflage der Champions League - wurde nicht umsonst als "Mutter aller Finals" betitelt. Kein Duell sorgt für so viel Aufsehen wie jenes zwischen River Plate und Boca Juniors, doch auch gibt es kein Duell, bei dem es im Vorfeld zu solch extremen Auseinandersetzungen kommt.


Seit fünf Jahren ist es Auswärtsfans untersagt, das Stadion zu betreten - aus Sicherheitsgründen. Im Grunde pflegen beide Klubs eine Rivalität wie beispielsweise Schalke 04 und Borussia Dortmund oder Borussia Mönchengladbach und der 1. FC Köln. Allerdings geht es in Argentinien wesentlich temperamentvoller und gewaltsamer zu, wie sich zeigen sollte.


Der ursprüngliche Anstoß wurde auf 17 Uhr Ortszeit (21 Uhr MEZ) angesetzt. Doch bei der Anreise in das El Monumental, der Spielstätte von River Plate (Buenos Aires), wurde der Mannschaftsbus der Boca Juniors von River-Fans attackiert. Diese warfen mit Steinen, Flaschen und allen möglichen Gegenständen, die Schaden anrichten konnten.

Tränengas gelang durch die zerbrochenen Scheiben in den Bus. Mehrere Spieler, darunter Carlos Tevez, sollen von Glassplittern getroffen worden sein. Pablo Pérez und Gonzalo Lamardo mussten wegen Augenverletzungen in ein Krankenhaus eingeliefert und dort behandelt werden. 


Anlässlich der Bewerbung um die Vergabe der Weltmeisterschaft 2030 war auch FIFA-Präsident Gianni Infantino vor Ort, um sich ein Bild von der Kulisse zu machen. Allerdings stand die Partie vor dem Abbruch: Vertreter beider Vereine verhandelten mit den Verantwortlichen des südamerikanischen Verbandes, wobei die Boca Juniors von Anfang an für eine Absage plädiert haben sollen. Die Conmebol sorgte trotz allem für eine Überraschung und verschob die Partie zunächst auf 18 Uhr Ortszeit. 

Infantino soll den Verantwortlichen von Boca derweil mit einer Niederlage gedroht und sich deutlich gegen eine Absage positioniert haben. Während die Verantwortlichen noch immer verhandelten und die verletzten Perez und Lamardo im Krankenhaus untersucht wurden, veröffentlichte der Verband ein Schreiben, das besagte, dass es keinen Grund für eine Absage gebe, da keine Verletzungen vorliegen würden.

Die Bilder der behandelten Spieler lieferten jedoch das Gegenteil, zudem sollen sie Atteste mitgebracht haben, um ihre Verletzungen zu bestätigen. Der Anstoß wurde noch einmal verschoben, doch noch immer konnten sich die Verantwortlichen auf keinen gemeinsamen Nenner einigen. Denn auch River Plate plädierte nun klar für eine Absage, während sich FIFA und Conmebol noch immer für den Anpfiff stark machten. 

"Wir fühlen uns nicht in der Lage, das Spiel zu bestreiten. Aber wir werden gezwungen zu spielen", sagte Tevez laut ​Sport1. Letztendlich verständigten sich die Vereine auf eine Absage der Partie, weshalb das Spiel endgültig verschoben wurde. Daher wurde die "Mutter aller Finals" auf den heutigen Sonntag (21 Uhr MEZ) angesetzt, ähnlich wie einst das Champions League Spiel zwischen Borussia Dortmund und AS Monaco.


Es hätte ein Fußballfest werden sollen, das vor allem das Land wieder in das richtige Licht rückt. Davon sind alle Beteiligten jedoch weiter entfernt denn je. Das Sportliche rückte seit der Anreise der Boca Juniors in den Hintergrund. Viel mehr wird man sich an die Ausschreitungen und die Drohungen der Verbände erinnern, die einmal mehr unter Beweis stellten: Die Gesundheit der Spieler ist in ihren Augen zweitrangig.