Die Stimmung beim FC Bayern wird immer schlechter, und auch der Ton von Präsident Uli Hoeneß immer rauer. Nach dem enttäuschenden Remis gegen Fortuna Düsseldorf war spürbar, dass die Rückendeckung für Trainer Niko Kovac immer geringer wird. Zwar kritisiert Hoeneß auch die Mannschaft, doch letztlich ist klar: Der Trainer wird den Kopf hinhalten müssen.


​Im Oktober, unmittelbar vor der Länderspielpause, versank der Rekordmeister endgültig in seine erste Krise unter Kovac. Im Heimspiel gegen Borussia Mönchengladbach setzte es eine 0:3-Niederlage. Offensiv ohne Mittel, defensiv zu fahrlässig - doch die Verantwortlichen stellten sich vor den Trainer: "Ich werde Niko Kovac verteidigen bis aufs Blut", sagte Hoeneß damals gegenüber dem kicker.


Der Turnaround ist allerdings bis heute ausgeblieben. Mit 21 Punkten liegt der Rekordmeister auf Platz fünf, seit vier Heimspielen wartet die Mannschaft in der Bundesliga auf einen Sieg. Dass es nicht einmal gegen den Tabellen-17. Fortuna Düsseldorf trotz zweifacher Zwei-Tore-Führung für drei Punkte reichte, brachte das Fass des 66-Jährigen zum Überlaufen: "Heute ist ein schwerer Tag für uns. Denn mit diesem Ergebnis können wir natürlich überhaupt nicht zufrieden sein. Wenn Bayern München zweimal zu Hause führt gegen Fortuna Düsseldorf, 2:0 und 3:1, dann sollte man glauben, dass man in aller Ruhe den Sieg nach Hause fahren kann", wurde Hoeneß am Samstagabend deutlich (via handelsblatt).

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     Verliert immer weiter an Rückhalt: Niko Kovac


Noch nach der 2:3-Niederlage im Top-Spiel zwischen den Münchner Bayern und Borussia Dortmund stärkte er Kovac noch den Rücken, ​ließ eine Debatte gar nicht erst zu: "Das wurde immer von außen reingetragen. Der Trainer steht bei uns sowieso nicht in Frage." Doch zunehmend wird die Stimmung schlechter, der Unmut größer - auch bei den Fans.


Steht der Rekordmeister erneut vor einem Trainerwechsel?


Wochenlang warten alle Beteiligten auf die Trendwende, nun allerdings sieht man sich zum Handeln gezwungen: "Wir müssen uns erstmal über das Wochenende alle Gedanken machen, wie wir aus dieser Situation das Beste machen." Noch ist eine Entlassung des Trainers kein Thema. Sollte man jedoch auch in der Champions League gegen Benfica Lissabon (Dienstag, 21 Uhr) enttäuschen, droht ein jähes Ende der kurzen Ära unter Niko Kovac: "Wir werden sicherlich die nächsten Tage nutzen, um rauszufinden, was da los ist, dass wir sehr schlechten Fußball spielen, einen uninspirierten Fußball spielen. Wir müssen beim FC Bayern jetzt alles hinterfragen, warum wir so spielen, wie wir spielen. Wir müssen die nächsten Tage, vielleicht auch Wochen, das schließe ich nicht aus, dazu verwenden, um die richtige Lösung zu finden."


Es liegt nicht nur an Kovac


Für den 47-Jährigen wird die Luft immer dünner. Eintracht Frankfurt formte er von einem Fast-Absteiger zum DFB-Pokalsieger, doch auch bei den Hessen gab es immer wieder einen Leistungsabfall. So spielte man in der vergangenen Saison lange Zeit um die Champions-League-Plätze mit, ehe man am Ende auf dem siebten Platz landete. Unter Nachfolger Adi Hütter ist die Eintracht gemeinsam mit Borussia Mönchengladbach ärgster Verfolger von Tabellenführer Borussia Dortmund, spielt furiosen Offensiv-Fußball und kann nach einem schwachen Start auf voller Linie überzeugen. 

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      Auch die Führungsetage ist nicht gänzlich unschuldig - weshalb auch die Positionen von Karl-Heinz Rummenigge und Uli Hoeneß (v.l.) hinterfragt werden müssen


Somit wird man sich auf kurz oder lang die Frage stellen müssen, ob Kovac tatsächlich die richtige Wahl war. Viel wichtiger wäre im Falle einer Entlassung jedoch die Frage, wer den Rekordmeister auf Kurs bringen könnte. Denn klar ist auch: Am Trainer allein liegt die Misere nicht. Der Umbruch wurde erneut um ein Jahr hinausgezögert, zudem schoss die Führungsetage mit ihrer denkwürdigen Pressekonferenz ein deutliches Eigentor. Nicht nur die Mannschaft und der Trainer, sondern auch der Vorstand wird sich hinterfragen müssen und Antworten auf die Frage suchen, ob die derzeitige Besetzung die richtige für den Verein ist.