Im kommenden Jahr werden sich am fünften Juni gespannt die Blicke nach Paris richten, wenn die FIFA im Rahmen des 69. Kongresses erneut ihren Präsidenten wählt. Derzeitiger Amtsinhaber ist der frühere UEFA-Generalsekretär Gianni Infantino. Der 48-Jährige gerät aktuell jedoch zunehmend in die Kritik, weshalb dessen Vorgänger Sepp Blatter zu einem Boykott gegen den Präsidenten aufruft.


Dass ausgerechnet Blatter seine Stimme erhebt, dürfte bei einigen für Unverständnis sorgen. Der 82-Jährige, der von 1998 bis 2015 an der Spitze des Weltverbandes stand, machte in den vergangenen Jahren durch Vorwürfe bezüglich Korruption und Schmiergelder auf sich aufmerksam und wurde gar von der Ethikkommission der FIFA zwischenzeitlich für acht Jahre gesperrt.


Als dessen Nachfolger wurde am 26. Februar 2016 Gianni Infantino gewählt. Der Schweiz-Italiener sollte für einen Neuanfang und für eine positive Wendung sorgen, doch stattdessen gerät er immer mehr ins Kreuzfeuer der Kritik. Neben der Aufstockung der Weltmeisterschaft auf 40 beziehungsweise 48 Teilnehmer sowie das Festhalten an Katar, das das größte Turnier der Welt im Jahr 2022 austragen wird, geht es vor allem um dubiose Deals, die mit großen finanziellen Summen in Verbindung stehen.

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         Für FIFA-Präsident Gianni Infantino geht es vorrangig um finanziellen Profit


Nach den gescheiterten Versuchen, die Ethikkommissare der FIFA abzusetzen sowie den Gerüchten, dass Infantino im Hinblick auf die Vergabe der Weltmeisterschaft im Jahr 2026 eine Task Force einsetzen wollte, um zu verhindern, dass Marokko als möglicher Gastgeber kandidieren kann, wurde nun bekannt, dass der Präsident dem Rat des Verbandes bereits im März ein Angebot über 25 Milliarden Dollar präsentierte.


Im Zuge dessen sollten die Rechte an neuen Wettbewerben sowie andere Rechte der FIFA an eine nicht genannte Investoren-Gruppe verkauft werden. Der Rat entschied sich allerdings speziell aufgrund der Verschwiegenheitserklärung Infantinos gegen den Vorschlag. Im Verdacht stehen vor allem Verbindungen zu Saudi-Arabien.


Blatter: Infantino "hintergeht die eigenen Leute"


Immer wieder gerät Infantino in die Kritik. Vor allem Blatter bezog zuletzt verstärkt Stellung und sprach sich klar gegen seinen Nachfolger aus: "Was mich wurmt: Bisher hat Infantino die Karten nicht auf den Tisch gelegt. Er hintergeht die eigenen Leute – und missbraucht das Vertrauen der Fifa", sagte er gegenüber Sport Bild


Der Präsident ließe die "von ihm immer wieder gepredigte Transparenz" vermissen, wodurch er möglicherweise das Vertrauen der Mitglieder aufs Spiel setzt. Bezogen auf das 25 Milliarden Dollar schwere Projekt sagte der 82-Jährige: "Infantino ist Präsident der Fifa, man kann doch nicht eine zweite Organisation daneben schaffen, die Wettbewerbe verkauft! Das ist organisch und statutarisch gar nicht möglich. Deshalb ist das meiner Meinung nach ein Fall für die Kontroll- und Compliance-Kommission der Fifa wegen Missachtung der Statuten."

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   Fordert zum Boykott gegen Infantino auf: Ex-Präsident Sepp Blatter


Man müsse "kein Prophet sein, um zu erkennen, dass da nicht alles zum Guten steht. Aber zuerst muss man sich aufbäumen gegen solche Machenschaften", so Blatter, der sich kürzlich noch einmal via Twitter meldete: "Die FIFA soll den Fußball nicht verkaufen. Es liegt jetzt an den Mitgliedern der FIFA, zu intervenieren."

Besonders wollte er DFB-Präsident Reinhard Grindel hervorheben. Der 57-Jährige kritisierte Die Pläne über den geplanten Ausverkauf der FIFA in einem Interview mit der FAZ deutlich: "Ich bin strikt gegen eine Entscheidung über die Einführung einer neuen Klub-WM oder globalen Nations League in Kigali, weil wichtige Grundlagen für eine solch weitreichende sportpolitische Weichenstellung fehlen" (via ​Sky). Es brauche "eine klare Entscheidung, dass den zuständigen FIFA-Gremien alle Informationen offengelegt und die Beratungen im Hinterzimmer beendet werden." Ob sich Infantino dazu bewegen lässt, scheint allerdings mehr als fraglich.