​Real Madrid kommt nicht in Fahrt. Die Königlichen, die Interimstrainer Santiago Solari mit einem Vertrag bis 2021 ausstatteten, mussten am Samstagmittag die nächste denkwürdige Niederlage hinnehmen: Beim SD Eibar setzte es ein deutliches 0:3. Für Solari ist es erst die erste Niederlage, doch die Verantwortlichen werden sich die Frage stellen müssen: Wo steht die Mannschaft momentan? Und wie wirkt sich die derzeitige Verfassung auf mögliche Transferziele aus?


​Als Zinedine Zidane nach dem erneuten Triumph in der Champions League seinen Rücktritt als Trainer von Real Madrid verkündete, glich diese Nachricht einem Schock. Doch mit Julen Lopetegui wollte man hoffnungsvoll in eine neue Ära starten, die sich bislang jedoch als Horror für die erfolgsverwöhnten Madridista entpuppt: Nach 13 Spieltagen liegt die Mannschaft mit 20 Zählern auf dem sechsten Tabellenplatz. Die Konkurrenz droht zu enteilen, der FC Barcelona kann im Top-Spiel gegen Atlético Madrid den Vorsprung auf sieben Zähler vergrößern. 


Das 0:3 in Eibar war bereits die fünfte Niederlage der Saison. Zum Vergleich: Im Meisterjahr 2016/17 musste Real lediglich drei Niederlagen hinnehmen, selbst in der bereits schwierigen letzten Saison waren es insgesamt sechs. 

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  Ähnlich wie der FC Bayern München hat auch Real Madrid derzeit mit Schwierigkeiten zu kämpfen


Rechnet man die Niederlagen im Supercup gegen Atlético sowie in der Champions League gegen ZSKA Moskau dazu, steht Real daher bereits bei sieben Pleiten. Lopetegui musste nach der 1:5-Schmach im Clasico gegen den FC Barcelona weichen, stattdessen übernahm Jugendtrainer Santiago Solari die Profis.


Nach vier Siegen als Interimstrainer folgte die Beförderung zum Chefcoach, das erste Spiel bedeutete jedoch den direkten Dämpfer. Auf dem Papier waren die Königlichen der klare Favorit, doch auf dem Platz ließen sie nahezu alles missen. Das 0:3 war verdient, offensiv war die Mannschaft kaum anwesend. Aktuell steht Real noch schlechter da als unter der Leitung von Rafael Benitez, der nach 13 Spieltagen immerhin 27 Punkte und Tabellenplatz drei vorweisen konnte. 


Harmloser Angriff


Was auffällt: Ohne Cristiano Ronaldo ist die Offensive erschreckend schwach. Top-Scorer Karim Benzema steht nach 19 Pflichtspielen bei zehn Treffern und liefert damit gute Werte, doch auf Platz zwei liegen Abwehrchef Sergio Ramos und Gareth Bale mit fünf Toren. Ronaldo hingegen erzielte in 438 Einsätzen 450 Tore, traf allein in den letzten Jahren stets über 40 Mal in allen Wettbewerben. Somit fällt ein enorm wichtiger Bruchteil weg - was die Königlichen schmerzhaft zu spüren bekommen.

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  Hinterlässt eine riesige Lücke: Cristiano Ronaldo


Rückkehrer Mariano Diaz kann kaum überzeugen, Vinicius Junior benötigt noch Zeit. Real wird daher auf dem Transfermarkt nachlegen müssen, weshalb womöglich neue Bewegung in den Fall Eden Hazard kommt. Der Belgier wäre bereits im Sommer am liebsten nach Madrid gewechselt, schlussendlich legte Real jedoch nur in Person von Torhüter Thibaut Courtois nach.


Neben einem Superstar für die Außenbahn muss mittelfristig auch ein neuer Stürmer her. Benzema ist bereits 30 Jahre alt, hat bei den Fans seit Jahren keinen einfachen Stand. Auch im Mittelfeld sollen neue Verstärkungen her, um unter anderem ​Luka Modric zu ersetzen. 


Doch zusätzlich zu den Planungen für die Zukunft stellt sich auch die Frage, worauf man sich in der laufenden Saison konzentriert. Der Titel in der Primera Division scheint bereits jetzt verloren, die Copa del Rey spielt in Spanien eine eher untergeordnete Rolle. Bleibt nur noch Reals Steckenpferd: Die Champions League. Doch auch hier dürfte es angesichts der jüngsten Leistungen kaum für eine erneute Titelverteidigung reichen, dafür ist die Konkurrenz zu groß.

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  Präsident Florentino Perez dürfte derzeit alles andere als zufrieden sein


Angesichts der Klasse innerhalb des Kaders benötigt es Stand jetzt keinen großen Umbruch. Klar ist allerdings: Real muss sich punktuell verstärken, besonders im Angriff nachlegen und versuchen, den Verlust von Cristiano Ronaldo zu kompensieren. Der Portugiese stand für Tore am Fließband, doch ein eins-zu-eins-Ersatz ist eher eine utopische Vorstellung.


Aktuell sollte die Mannschaft von Spiel zu Spiel blicken, muss den erneuten Rückschlag ausblenden. Denn klar ist auch: Es war erst die erste Niederlage unter Solari.