Noch im Mai feierte der ​FC Schalke 04 die Vizemeisterschaft sowie die Rückkehr in die Champions League, doch nur ein halbes Jahr später befindet sich die Mannschaft von Domenico Tedesco mitten im Abstiegskampf. Nach elf Spieltagen liegt Schalke mit mageren zehn Punkten auf dem 14. Tabellenplatz und musste bereits so viele Niederlagen hinnehmen wie in der gesamten letzten Spielzeit. Gegenüber der ​Sport Bild sprach Torhüter und Kapitän Ralf Fährmann über die aktuelle Situation, was im Vergleich zum Horror-Jahr unter Markus Weinzierl anders ist und in welchem Punkt man von Borussia Dortmund lernen kann.


Ralf Fährmann ist ein Mann der klaren Worte: "Ich will nichts schönreden", so der 30-Jährige, der die aktuelle Situation realistisch bewerten will. Schalke steht vor allem aufgrund der fünf Niederlagen zum Auftakt im Tabellenkeller, verlor seit dem befreienden 1:0-Sieg über Mainz nur zwei weitere Partien.


Das Problem: Jede Niederlage wirft die Mannschaft wieder zurück. So auch das 0:3 bei Eintracht Frankfurt, das die Euphorie unmittelbar vor der Länderspielpause wieder bremste. "Zusammengefasst ist es eine Phase, die ich so in meiner Karriere noch nie durchgemacht habe. Und ich habe schon einiges auf Schalke erlebt", resümiert Fährmann.


Gerade in der Offensive stockt es. Gemeinsam mit dem VfB Stuttgart bildet Schalke den schwächsten Angriff der Liga, bringt es gerade einmal auf acht Tore. Oftmals wird das uninspirierte, ideenlose Auftreten der Mannschaft kritisiert - doch Keeper Fährmann befindet im Vergleich zum Saisonstart vor zwei Jahren, als man unter Markus Weinzierl ebenfalls fünf Niederlagen am Stück kassierte: "Im Gegensatz zu damals kommen wir, um nur ein Beispiel zu nennen, zu gefährlichen Torchancen. Aber wir belohnen uns nicht."

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   Das größte Problem: Wenn sich eine Chance ergibt, landet der Ball zu selten im Tor



Die Niederlage in Frankfurt sei "sinnbildlich für unsere Situation. Breel Embolo hatte die große Möglichkeit zur Führung – und im Gegenzug kassieren wir das 0:1." Entmutigen lassen wolle man sich davon jedoch nicht, viel mehr will man sich erneut durch den starken Zusammenhalt der Mannschaft auszeichnen lassen.


Ohnehin räumt Fährmann im Bezug auf die erfolgreiche vergangene Saison auch ein: "Wir wussten, dass wir einige enge Spiele gewannen und andere Mannschaften nicht so gut drauf waren. Außerdem hatten wir den Vorteil, uns aufgrund unserer Nicht-Teilnahme am Europacup Woche für Woche auf den nächsten Gegner konzentriert vorbereiten zu können." Aufgrund der Rückkehr in die Champions League habe man diese Zeit allerdings nicht mehr, weshalb man somit den nächsten Schritt in der Entwicklung machen müsse. Und "der", macht Fährmann klar, "ist nicht nach ein paar Monaten abgeschlossen."


Rückendeckung für Tedesco


Interessant ist auch seine Sichtweise auf die Rotation. ​Während Sebastian Rudy kritisierte, dass er regelmäßig spielen müsse, um sich besser in der Mannschaft zurechtzufinden, sorge die Rotation laut Fährmann bei allen für "das Gefühl, gebraucht zu werden. Die Rotation stärkt den Zusammenhalt in der Mannschaft."

FC Schalke 04 v Galatasaray - UEFA Champions League Group D

  Domenico Tedesco genießt in allen Bereichen das volle Vertrauen - auch bei der Mannschaft



Generell will er die Kritik am Trainer nicht gelten lassen. Wie schon Sport-Vorstand Christian Heidel betitelt er Tedesco als "genau den richtigen Trainer. Er geht sehr gut mit uns Spielern um. Er ist nicht nur was das Thema Taktik betrifft auf einem Top-Niveau. Er ist ein exzellenter Psychologe, Motivator." In den kommenden Jahren soll auf Schalke Kontinuität einkehren, der Trainerverschleiß zurückkgehen - genau deshalb wird Tedesco nicht infrage gestellt: "Wenn ein Klub erfolgreich sein will, dann gehört es dazu, lange mit dem Trainer zu arbeiten. Kontinuität ist wichtig. Dortmund, das kann man als Schalker anerkennend sagen, hat es vor Jahren vorgemacht. Dort wurde ein gewisses Fundament geschaffen, von dem der Klub noch heute profitiert."


Ein ähnliches Fundament will man sich nun auch in Gelsenkirchen aufbauen, doch bis zur Winterpause liegt der Fokus zunächst darauf, so viele Punkte wie möglich zu sammeln.