Für Adi Hütter läuft es bei Eintracht Frankfurt nach etwas holprigem Start absolut rund. Bei wem er sich dafür zu bedanken hat weiß der Fußballlehrer: bei seinen Spielern natürlich. Vor allem um seine Leistungsträger bemüht sich der Eintracht-Coach deshalb besonders.


Pokalsieger Frankfurt steht in der Bundesliga auf Platz vier - vor Rekordmeister Bayern München. Hätte jemand das vor einigen Monaten vorausgesagt, wäre er wohl mit einem bemitleidendem Kopfschütteln bedacht worden. Zu viel hatte sich verändert. Neue Spieler, neuer Trainer, internationaler Wettbewerb - die Zeichen standen auf Abstiegskampf. Und da ist die Eintracht nun, am zwölften Spieltag der Bundesliga-Saison. Zweitbeste Offensive der Liga dank eines Angriffs-Trios, das pausenlos Tore schießt. Dazu aber auch die viertbeste Defensive - überboten nur von Leipzig, Dortmund und Mainz. 


Hütter, Geduld und Zuversicht


Wenn es schlecht läuft bei einer Mannschaft. dann ist gerne und schnell mal der Trainer schuld. So kam es, dass dem neuen Eintracht-Coach Adi Hütter gleich nach dem Ausscheiden aus dem DFB-Pokal vorgeworfen wurde, er sei der großen Verantwortung, seiner Aufgabe, nicht gewachsen. Ruhig nahm der 48-Jährige seinerzeit die Kritik zur Kenntnis, zuversichtlich, dass er mit seinem Team die Nörgler zum Schweigen bringen würde. Nun, da das gelungen ist und die Eintracht zu einer Sensationsmannschaft zu avancieren scheint, kräht kaum ein Hahn nach dem Trainer. Fans und Medien wollen Emotion, Jubel, Athleten und Tore.

1. FC Nuernberg v Eintracht Frankfurt - Bundesliga

Adi Hütter hatte keinen einfachen Start bei Eintracht Frankfurt



Haller, Jovic, Rebic - Das sind die drei Namen, die dieser Tage regelmäßig (und zurecht) mit dem aktuellen Erfolg der Frankfurter in Zusammenhang gebracht werden. Die Defensive bleibt oft ungeachtet, der alternde Mann an der Seitenlinie sowieso. Weil Treffer attraktiver sind als Taktik, bleibt das Lob für die gute Einstellung der Mannschaft, das Lob für Cheftrainer Hütter aus. Ähnlich wie seinerzeit um die Kritik an seiner Person, schert der sich auch nicht um diesen Umstand. Die 20 Punkte, die die Hessen schon nach elf Partien gesammelt haben, sind Bestätigung genug. 


Never change a winning System


Dass er den Erfolg seiner Arbeit seinen Spielern zu verdanken hat, das weiß auch der österreichische Fußballehrer. Umso wichtiger ist es dem Bundesliga-Neuling die Truppe, die derzeit für so viele positive Schlagzeilen sorgt, beisammen zu halten, höchstens punktuell zu verbessern. "Never Change a winning system" - Dieses Sprichwort gilt in Frankfurt, allerdings nicht nur für die Offensiv-Stars. Einer, der seit seiner Rückkehr an den Main nämlich maßgeblich zur Stabilität des Pokalsiegers beigetragen hat, ist Torhüter Kevin Trapp. 


Am letzten Tag des Transferfensters sicherte sich die SGE die Dienste des Nationaltorhüters, der schon zwischen 2012 und 2015 zwischen den Eintracht-Pfosten gestanden hatte und wegen großer Konkurrenz bei seinem Klub Paris Saint Germain auf Spielzeit-Suche war. Der Leih-Deal mit Frankfurt schien für alle Seiten genauso sinnvoll, wie er sich jetzt tatsächlich darstellt. Denn die Rückkehr ist nicht nur eine Feel-Good-Story für die Presse, sie ist auch sportlich einfach eine gute Entscheidung gewesen. Trapp, sofort unangefochtene Nummer 1, brauchte wie seine Mannschaft einige Spiele, um in den Rhythmus zu finden. Doch seit Ende September kassierte Frankfurt unter der Aufsicht des 28-jährigen Keepers in keinem Bundesliga-Spiel mehr als ein Tor, während vorne die Offensiv-Maschinerie heiß lief. 


Heute hier, morgen dort


Mit diesen Leistungen empfiehlt sich der dritte Torwart der deutschen Nationalmannschaft selbstverständlich nicht zuletzt für Einsätze bei PSG, wenn er nach der laufenden Saison dorthin zurückkehrt. Zu diesem Zeitpunkt jedoch scheint niemand so richtig zu wollen, dass Trapp dorthin zurückkehrt. Denn die Franzosen sind nicht auf die Dienste des gebürtigen Merzigers angewiesen - In der Ligue 1 reicht Paris ohnehin niemand das Wasser, international sollten ein französischer Nationaltorhüter und eine italienische Torwartlegende im Normalfall auch genug sein. Damit würde allerdings Trapps Verlangen nach Spielzeit sicher nicht gestillt, so sehr er auch Leistung bringt. Warum also nicht einfach in Frankfurt bleiben, wo er sich schon jetzt, früh in der Saison, unverzichtbar gemacht hat?

Paris Saint Germain v Metz - Ligue 1

Bei PSG fand sich Trapp nicht selten auf der Ersatzbank wieder



Nun, weil die Leihe einen Verbleib leider derzeit nicht vorsieht. Sei es, weil man die Leihe noch schnell vor Ende des Transferfensters durchziehen wollte oder weil man sich einfach nicht einig wurde - Der Leihvertrag von Kevin Trapp beinhaltet keine Kaufoption. Das macht die Verhandlungen im Sommer umso härter. Denn auch wenn ein Verbleib der Schlussmannes bei Frankfurt ungemein romantisch wäre - Im Fußball regiert das Geld. Und davon hat Eintracht Frankfurt einfach weniger als so ziemlich jeder Top-Verein. 


Selbst wenn Frankfurt also im kommenden Jahr weiterhin international spielen sollte und damit für einen Weltklasse-Keeper ein relevantes Ziel wäre, ruft Trapp mit seinen aktuellen Leistungen auch wieder zahlreiche Klubs auf den Schirm, die sich die Dienste des Deutschen Torhüters sicher einiges kosten lassen würden - zweifelsohne mehr als den aktuellen Marktwert von 10 Millionen Euro. Auch wenn dann Frankfurt-Coach Hütter wie zuletzt der BILD sagt, er "würde ihn gern über den Sommer hinaus behalten", muss der Österreicher wie alle Eintracht-Fans befürchten, dass aus der Rückkehr des verlorenen Sohns nicht mehr wird als eine weitere Abschieds-Tournee.