Zeitungen und Magazine kolportieren immer wieder einen Abgang von ​Borussia Dortmunds Christian Pulisic. Der 20-Jährige besitzt bei den Schwarz-Gelben noch einen Vertrag bis 2020, Gespräche um eine Ausdehnung seines Arbeitspapiers hat der US-Amerikaner bisher vermieden. Obwohl die Offensivreihe des Tabellenführers momentan auch ohne Pulisic funktioniert, hätte sein Abschied aber nur Nachteile. 


Gefühlt ist Christian Pulisic kein entscheidender Faktor des jüngsten Aufschwungs von Borussia Dortmund unter Trainer Lucien Favre. Die Schlagzeilen bestimmen andere wie Jadon Sancho, Marco Reus oder Paco Alcacer. Sein gesunkener Einfluss lässt sich auch statistisch festmachen. In der vergangenen Saison bestritt er 42 Pflichtspiele, von denen er in 35 in der Startelf stand. Heuer musste der US-Amerikaner schon fünfmal in 13 Pflichtspielen zunächst auf der Bank Platz nehmen. 


Doch sein geringere Bedeutung im Dortmunder Offensivspiel hat weniger mit ihm selbst als vielmehr mit besseren Mitspielern zu tun. In zwölf Pflichtspielen hat der Rechtsaußen bereits drei Tore geschossen und vier weitere aufgelegt. Als Joker sicherte er den Champions-League-Auftaktsieg in Brügge. Beim 3:2-Erfolg im DFB-Pokal bei Union Berlin war er mit einem Abstaubertor und zwei Vorlagen an allen Treffern beteiligt. Der 20-jährige Pulisic, nicht viel älter als Sancho oder Jacob Bruun Larsen, ist aktuell einer unter vielen Topspielern. 


In manchen Spielen kann er mit seiner Dribbelstärke, seinem Zug zum Tor den Unterschied ausmachen und kompakte Abwehrreihen knacken, wenngleich er in dieser Spielzeit die Konstanz vermissen lässt und sich häufig in Eins-gegen-Eins-Duellen verzettelt. Doch es ist normal, dass seine Entwicklung nicht geradlinig nach oben verläuft. Rückschläge gehören gerade in Pulisics Alter dazu, das wird wahrscheinlich auch ein Jadon Sancho noch erleben. 

Am 30. Juni 2020 läuft Pulisics Vertrag in Dortmund aus. Wie es scheint, macht er noch keine Anstalten, sein Arbeitspapier auszudehnen. Wollen die Westfalen eine Ablösesumme für den 1,73 Meter großen Profi aus Pennsylvania bekommen, müssen sie Pulisic allmählich ins Schaufenster stellen. Doch wie viel Sinn würde ein Verkauf machen? Natürlich wäre er lukrativ, laut Daily Mail ist der FC Chelsea bereit, 80 Millionen zu bieten. Nach Informationen der Sports Illustrated scheint auch der FC Bayern München Interesse am Flügelflitzer zu haben. 


Jedoch würde Abschied des jüngsten USA-Kapitäns der Geschichte die Konkurrenz stärken und den eigenen Kader schwächen. Obwohl die Offensivreihe aktuell auch ohne Pulisic Erfolg hat, wäre es fahrlässig, einen Spitzenspieler abzugeben, der sein Potential noch nicht erreicht hat. Der deutsche Rekordmeister könnte derweil einen talentierten Außenbahnspieler wie ihn gebrauchen, Pulisic könnte der Nachfolger von Franck Ribery und Arjen Robben werden und den Bayern wieder Elan, Dynamik und Spritzigkeit verleihen. 


Für den BVB hätte ein solches Szenario nur Nachteile. Zudem ist der Bundesliga-Tabellenführer nicht auf Geld angewiesen. Dank der Verkäufe von Ousmane Dembele und Pierre-Emerick Aubayemang in der Saison 2017/2018 hat Dortmund ein riesiges Transferplus erwirtschaftet.