Florian Kohfeldt äußerte sich bei einer Veranstaltung an der Universität Bremen zum Thema Stress im Studium und Beruf und verriet, warum er Kapitän Max Kruse als Stressfaktor empfindet. Bei der Podiumsdiskussion erklärte der frühere Student am Montag, dass er Kruses Verhalten als Möglichkeit zur Weiterentwicklung sieht.


Als seine frühere Universität anfragte, ob ​Werder Bremens Florian Kohfeldt am „Thementag: Stress im Studium oder schönes Campusleben?“ als prominenter Gast teilnehmen würde, sagte der 36-Jährige nicht nur wegen der Länderspielpause zu. Er hat früher selbst Public Health am Institut für Sport- und Gesundheitswissenschaften in der Hansestadt studiert und gab nun seine Erfahrungen an die Studenten und Wissenschaftler weiter.

Bei der Podiumsdiskussion am Montagvormittag ging es um Selbstdisziplin, Prüfungsdruck und überfüllte Seminare. Auch als Bundesliga-Trainer sei man Stress ausgesetzt, erklärte er vor den Akademikern, aber nur begrenzt, denn bis auf die 90 Minuten eines Spiels habe der Coach im Berufsleben das Gefühl, „alles unter Kontrolle zu haben.“


Dabei gäbe es unterschiedliche Faktoren: ​Kapitän Max Kruse sei ein besonderer Fall, so Kohfeldt über seinen Schützling. Da müsse man auch mal akzeptieren, dass er einen anderen Lebensstil pflege als der Rest der Mannschaft: „Am Sonntagmorgen nach dem Spiel essen 20 Mann die gesunden Sachen, und einer sitzt da und isst etwas, für das die deutsche Fußball-Nationalmannschaft mal geworben hat“, verriet der Trainer, „da musst du mit umgehen können.“


„Max stresst mich am meisten“, gab Kohfeldt offen zu, doch das sei auch „sehr positiv.“ Denn Stress könne auch Chancen bergen, da es bedeute, „dass ich mich mit einer Situation auseinandersetze, die ich nicht gewohnt bin.“ Der Vorteil daraus läge auf der Hand: „Nur so entwickelt man sich weiter.“ Dass Kruse nicht alle Regeln nach Modulplan befolge, gebe überhaupt erst Möglichkeiten zum Wachsen, fand der Master-Absolvent, „denn ich wachse an Max und ich hoffe, dass er auch ein Stück an mir wächst.“

SV Werder Bremen v Hertha BSC - Bundesliga

Max Kruse (li.) genießt unter Florian Kohfeldt (re.) ungewöhnlich viele Freiheiten


Ein positives Statement, was seine Rolle bei Werder Bremen betrifft. Mit der Mannschaft und dem Training komme er ebenso gut zurecht wie mit dem Leistungsdruck und dem öffentlichen Interesse. Kohfeldt hat die Kontrolle. Dazu gehöre auch, nach einer Niederlage Druck von seinen Spielern zu nehmen: „Natürlich habe ich gesehen, dass er nicht gut war an dem Tag“, sagte Kohfeldt zum Beispiel über Marco Friedls Auftritt gegen den ​1. FSV Mainz 05. Aber wenn er ihn öffentlich kritisiere, nähme er ihm die Basissicherheit, die im Alltag vor Stress schütze.


Kohfeldt hat ein Konzept für den Stress. Er zog auch einen Vergleich zum Studium und räumte den Studenten eine schwierige Herausforderung ein: „Ich persönlich empfinde in meinem jetzigen Leben […] weniger Stress als in meinem Studium.“ Er machte deutlich, dass Druck ein wesentlicher Teil des Lebenswegs sei, den man das man ernst nehmen müsse: „Stress entsteht dann, wenn wir nicht in der Lage sind, Situationen zu bewältigen. Das ist in beiden Bereichen der Fall.“


Für ihn selbst sei das Studium sehr wichtig gewesen, räumte Kohfeldt ein, es gab „unerwartete Situationen, die ich meistern musste.“ Dies dürfte ihm auch im Umgang mit dem eigensinnigen Kruse, ​der sportlichen Mini-Krise oder anderen Stressfaktoren helfen.