Axel Witsel ist ein Kuriosum, was seine Karriere-Entscheidungen angeht. Der Belgier spielt mit 29 Jahren bei Dortmund zum ersten Mal in einer der großen europäischen Ligen. Interesse von Topklubs gab es jedoch schon lange. So war de​BVB nicht der einzige Klub, der sich um die Dienste des Mittelfeldspielers bemühte. 


Für alle, die Fußball nur in den europäischen Top-Ligen verfolgen, war Axel Witsel bis vor ein paar Monaten vor allem ein Name - ein recht lustiger. Von seinen fußballerischen Fähigkeiten hatte man in erster Linie gehört, nur wenig gesehen. Am ehesten kannte man das Gesicht mit den stahlblauen Augen womöglich gar aus der belgischen Nationalmannschaft, doch wann schaut man der als Deutscher schon mal zu? 

SL Benfica v FC Zenit - UEFA Champions League Round of 16: First Leg

Viereinhalb Jahre lang spielte der Belgier für Zenit St. Petersburg



Für seine Unbekanntheit hat der Belgier selbst gesorgt. Nach seinem Durchbruch in der Heimat bei Lüttich hießen die Stationen des Mittelfeldspielers Benfica, Zenit St. Petersburg und Tianjin Quanjian. Für diese Vereine - gerade für die letzten beiden - spielt man nicht, wenn man sich sportlich um weltweites Ansehen schert. Das macht man, wenn man Lust hat, viel Geld zu verdienen. Diese Lust verspürte Witsel sechs Jahre lang. Ihm gelang es dabei jedoch, zumindest in den Augen der richtigen - seines Bundestrainers und internationaler Scouts - nicht von der Bildfläche zu verschwinden. Denn der 101-fache Nationalspieler ist ein Top-Fußballer, das stand nie außer Frage. Beinahe jährlich klopften Topklubs an, auf der Suche nach Stabilität im defensiven Mittelfeld. Juventus, Chelsea, Rom - viele große Namen beschäftigten sich zumindest mit einer Verpflichtung des robusten Sechsers. 


Später Wechsel ins Top-Niveau

Irgendwie kam es dann, dass es in diesem Sommer endlich einem Verein gelang, den 29-Jährigen doch irgendwie für europäischen Top-Fußball zu interessieren. Irgendwie kam es, dass besagter Klub in der Bundesliga spielt und Borussia Dortmund heißt. Auf einmal war der Belgier in aller Munde und galt als absoluter Königstransfer. Da waren sich alle sicher. Auch die, die ihn noch nie hatten spielen sehen. Und sie behielten Recht. 


Denn die Borussia spielt nach Jahren, in denen Schwarz-Gelb nur "gut" war, eine Saison, in der man ihr Titelambitionen in jeglichem Wettbewerb wieder abnimmt. Der beste Angriff der Bundesliga profitiert dabei auch von einer soliden defensiven Absicherung - koordiniert vom neuen Strippenzieher in der Zentrale. Beim aktuellen Erfolg der Dortmunder und den konstant starken Leistungen Witsels ist es kein Wunder, dass sich das Interesse anderer großer Vereine längst nicht in Luft aufgelöst hat. Im Gegenteil: Die Anerkennung für die Fähigkeiten des Belgiers steigt - und mit ihr sein Marktwert. 

Belgium v Iceland - UEFA Nations League A

Beim Nations-League-Spiel gegen Island hatte Witsel einen besonderen Zuschauer



Laut der belgischen Tageszeitung Het Laatste Nieuws ist unter den größten Interessenten für die Dienste des 1,88m-Mannes niemand Geringeres als "The Special One" selbst. José Mourinho, Trainer von Manchester United, tut sich trotz teuren Kaders nämlich bislang noch schwer in mit Schwergewichten gespickten Premier League, steht lediglich auf dem achten Tabellenplatz. Ein routinierter Mittelfeldstratege wie Witsel würde den Red Devils sicher gut tun, auch deshalb sah sich der Portugiese den Neu-Dortmunder beim Länderspiel gegen Island im Stadion genauer an. 


Große Hoffnung auf eine baldige Verpflichtung darf sich der United-Coach jedoch wohl nicht machen. Zu gut läuft es für den Belgier beim BVB, zu langfristig hat er beim Tabellenersten der Bundesliga unterschrieben. Denn der im Sommer unterzeichnete Vertrag geht noch bis 2022. Hält der Erfolg der Borussen weiter an, wird ​Witsel, der mit 29 endlich im europäischen Top-Fußball angekommen ist, nicht von Dortmund loszueisen sein.