​Geradlinig und konventionell waren nie Begriffe, die die Karriere von Xherdan Shaqiri beschreiben konnten. Heute, als Spieler des FC Liverpool, hat er womöglich den Höhepunkt seiner Karriere erreicht und hat Mitleid mit einem ehemaligen Teamkollegen, bei dem es trotz vielversprechender Anlagen noch nicht so rund läuft.


Nachdem Xherdan Shaqiri den ​FC Bayern München verlassen hatte, bei dem er zwar er zahlreiche Erfolge feiern, sich aber nie endgültig durchsetzen konnte, verschwand er zumindest für viele deutsche Fußballfans ein wenig von der Bildfläche. Zwar spielte er weiterhin in großen Ligen wie Serie A und Premier League, doch nie mit einem Erfolg und einer Durchschlagskraft, die den kleinen Schweizer international ins Gespräch gebracht hätten. 


So war es kein Wunder, dass Shaqiris Marktwert schon bei ​Inter, spätestens aber bei Stoke City ein wenig einbrach. Scheinbar irrelevant war das geworden, was der Ex-Bayer der fußballerischen Weltbühne bieten konnte. So kam es, dass Jürgen Klopp belächtelt, ja, fast verspottet wurde, als er den im Kosovo geborenen Mittelfeldspieler im Sommer für seinen ​FC Liverpool verpflichtete. Bei den englischen Titelanwärtern, so die Meinung vieler, würde der Eidgenosse nicht mithalten können. 

Liverpool FC v Fulham FC - Premier League

Beim FC Liverpool hat sich Shaqiri schnell einen Namen gemacht



Doch der 1,69m-Mann wuchs und wächst in dieser Saison über sich hinaus: Im besten Fußballeralter hat sich der 27-Jährige in die Startelf des Tabellenzweiten der ​Premier League gespielt, in der Liga schon vier Scorerpunkte gesammelt und für seine Schweizer Nationalmannschaft inzwischen sogar die Kapitänsbinde überstreifen dürfen. Der Karriere-Aufschwung Shaqiris hat laut eigener Aussage auch mit seinem neuen deutschen Trainer zu tun, mit dem sich das offensive Kraftpaket laut Interview mit blick.ch "überragend" versteht: "Klopp beeindruckt mich so, dass ich sage: Ich will für diesen Mann den Titel holen. Und wenn wir so weitermachen wie im Moment, dann ist alles möglich. Ich glaube daran."


Während die Karrierekurve des einen Ex-Müncheners steil nach oben zeigt, steht einer, mit dem der Schweizer häufig die Bank des deutschen Rekordmeisters drückte, schon mit 22 Jahren an einem Scheidepunkt seiner Karriere. Gianluca Gaudino, Sohn des Ex-Bundesligaspielers Maurizio Gaudino, galt beim FCB unter Pep Guardiola als Riesen-Talent, konnte sich aber im Kader der Bayern nie durchsetzen, auch weil er dazu nie die Chance bekam. Nach einjährigem Vertrag bei Chievo Verona in der italienischen ​Serie A ist der ehemalige U20-Nationalspieler nun, mit noch immer erst Anfang 20, vereinslos. 

FC Bayern Audi China Summer Tour 2015 - Day 2

Pep Guardiola sagte Gianluca Gaudino seinerzeit eine große Karriere voraus



Das bedauert auch Ex-Mitspieler Xherdan Shaqiri, als er im blick.ch-Interview davon erfährt: "Das tut mir Leid. Er war sehr talentiert. Ich habe ihn als Spieler sehr gemocht". Der junge Gaudino könnte in seiner Lage sicher von den Erfahrungen Shaqiris profitieren. Denn der weiß am besten, dass der Weg zum Erfolg nicht immer ganz gradlinig verläuft.