Als großes Talent schaffte Jonathan de Guzman den Durchbruch bei Feyenoord Rotterdam. Der Mittelfeldspieler von Eintracht Frankfurt probierte sich in den vergangenen Jahren bei vielen Stationen im Ausland, erlebte seine schlimmste Zeit allerdings beim SSC Neapel, wie die niederländische Tageszeitung de Volkskrant berichtet. 


Der heute 31-Jährige wechselte nach der Weltmeisterschaft 2014 für sechs Millionen Euro vom FC Villareal zu den Sizilianern, doch ab April 2015 litt er plötzlich an Schmerzen in der Magenregion. "Ich wurde auf Diät gesetzt, weniger Kohlenhydrate, Ruhe. Aber der Schmerz ist immer zurückgekommen. MRT Scans und Tests haben nichts ergeben", berichtet er über die Maßnahmen des Vereins.


Der damalige Trainer, Rafael Benitez, wollte eigentlich, dass sich de Guzman von einem weiteren Arzt untersuchen lässt, doch der Verein untersagte ihm die Erlaubnis. Stattdessen sollte sich Alfonso de Nicola um ihn kümmern, der allerdings nichts feststellte und ihn für die Saison 2015/16 fit erklärte.

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       Lange blieb Jonathan de Guzman beim SSC Neapel nicht glücklich


Unter Maurizio Sarri, der als Nachfolger von Benitez in Neapel anheuerte, wollte er sich neu beweisen - allerdings blieb ihm die Chance aufgrund der bleibenden Schmerzen verwehrt: "Ich bin ein Spieler mit hohem Laufvermögen. Aber wenn du anstelle von mehr als zehn Kilometern plötzlich nur noch sechs laufen kannst, will dich ein Trainer nicht haben."


Der Verein wollte ihn loswerden: "Sie dachten, dass ich mich anstelle. Das wurde so oft zur mir gesagt, dass ich an den Signalen meines eigenen Körpers zweifelte." Daher machte es sich Sportdirektor Cristiano Guintoli zur Aufgabe, de Guzman im Sommer zu verkaufen. Bei einem Gespräch in einem Mailänder Hotel habe er daher gesagt: "Du musst weg, weg weg."


Handgemenge mit Sportdirektor Guintoli


Die Zeit war knapp, schließlich war die letzte Woche des Transferfenster angebrochen. Unter anderem der FC Sunderland und AFC Bournemouth waren interessiert, doch de Guzman lehnte stets ab. Er habe erst gesund werden wollen, doch die Verantwortlichen haben dies offenbar nie verstanden: "Guintoli wurde echt verrückt, schlug auf den Tisch. Sein Assistent sagte: 'Wenn du nicht unterschreibst, bist du in Napoli tot. Dann wirst du nie mehr spielen.' Das ging den ganzen Tag so."


Doch de Guzman blieb - und bekam die Konsequenzen zu spüren. Am ersten September, einen Tag nach der Schließung des Transferfensters, habe Guintoli ihn unter anderem als "Stück Scheiße" betitelt, gefragt, wieso er nicht gegangen sei und ihm daraufhin ins Gesicht geschlagen. Erst Juan Camilo Zuniga, ehemaliger Rechtsverteidiger der Sizilianer, sei dazwischen gegangen und habe das daraus entstandene Gefecht unterbunden.


Infolge dessen wurde de Guzman vom Mannschaftstraining ausgeschlossen, drehte stattdessen einsam seine Runden auf dem Platz. Die Schmerzen waren noch immer da. Erst Ex-Trainer Piet de Visser habe den dänischen Spezialisten Per Holmich engagiert, der den Grund für die Schmerzen nach nur wenigen Minuten erkannte: "Er brauchte zehn Minten, um festzustellen: 'Sportlerleiste, operieren'."

Carpi FC v Frosinone Calcio - Serie A

  Erst beim FC Carpi fand de Guzman den Spaß am Fußball wieder


Mannschaftsarzt de Nicola wehrte sich gegen eine Operation. Er habe "nicht derjenige" sein wollen, der de Guzmans "Karriere zerstört." Schlussendlich ging der Niederländer im Winter per Leihe zum FC Carpi. Der Verein ließ ihn operieren, woraufhin er bei Neapel eine zweite Chance erhielt. Doch erneut konnte er nicht überzeugen, weshalb es nach einem Jahr bei Chievo Verona zur Frankfurter Eintracht ging. "Eigentlich war bei Neapel alles top. Die Fans, die Einrichtungen. Fußball ist Business, das verstehe ich. Aber das war unmenschlich", erinnert sich de Guzman zurück.