Im Sommer verlor ​RB Leipzig mit Nicolas Kühn ein interessantes Sturmtalent an Ajax Amsterdam. Der Angreifer wechselte zuvor im Jahr 2015 von Hannover 96 zu den Sachsen, doch möglicherweise nicht auf eigenen Wunsch. Wie der NDR sowie der Spiegel und dessen Partner der European Investigative Collaborations (EIC) innerhalb der 'Football Leaks' Reihe enthüllten, erfolgte der Wechsel zu den 'Roten Bullen' auf dubiose Art und Weise.


Eigentlich ist es Beratern laut DFB-Statuten untersagt, sich an der Vermittlung von minderjährigen Spielern finanziell zu bereichern. Doch wie Yvo Kühn, Vater von Nachwuchstalent Nicolas verriet, klopfte dennoch der ein oder andere Vermittler an: "Natürlich gab es immer wieder Leute, die einen ansprachen. Das Milieu hat seine eigene Art der Ansprache" (via transfermarkt.de).


Das Problem hierbei: Der DFB hat keinen Einfluss auf die einzelnen Vereine, die eigentlich der Deutschen Fußball-Liga (DFL) obliegen. "Der DFB sitzt nicht am Tisch, wenn ein Verein mit Spielern über Verträge spricht. Der DFB ist halt nicht das FBI und die Bundespolizei", sagte daher Markus Hörde, Leiter der Talentförderung des Deutschen Fußball-Bundes.


RB kooperiert mit Agentur


Im Fall Nicolas Kühn seien neben RB Leipzig auch der FC Bayern und Bayer Leverkusen interessiert gewesen, doch schlussendlich nahmen die Sachsen das Zepter in die Hand. Über die Agentur 'Spielerrat GmbH' habe man versucht, den Transfer in die Wege zu leiten. Wie Vater Yvo weiter berichtet, habe der zuständige Spielerberater daher "seine eigenen Interessen und nicht die des Spielers" vertreten. 

FC Porto v RB Leipzig - UEFA Youth League

  Trotz des regen Interesses vieler Vereine zog es Nicolas Kühn plötzlich zu RB Leipzig



Ohnehin sei es "absurd" gewesen, dass in den Gesprächen "plötzlich jemand da ist, den man gar nicht eingeladen hat." Schlussendlich sei der Berater vom Verein gestellt worden, was Kühn als "pervers" bezeichnet.


Im Zuge der Verhandlungen habe die Agentur 'Spielerrat' versucht, die Mutter durch ein fiktionales Jobangebot und einem vorgeschlagenen Jahresgehalt von 25.000 Euro von einem Wechsel nach Leipzig zu überzeugen. Zudem seien sogenannte Honorarvereinbarungen zwischen dem Verein und der Agentur getroffen worden. So hieß es in von 'Football Leaks' veröffentlichten E-Mails: "150.000 Euro fließen, wenn Nic mit 17 Jahren in der 1. Mannschaft spielt." Weitere 20.000 Euro sollten "irgendwie & irgendwo" fließen. Konkret solle dies "heißen, dass uns RB bei einem kommenden Transfer für die (nicht) geleistete Arbeit honoriert."


Auf Nachfrage des NDR widersprach der Verein dieser Darstellung: "Wir möchten ausdrücklich betonen, dass es im Zusammenhang mit dem Spielerwechsel von Nicolas Kühn zu keinem Zeitpunkt eine Zahlung oder sonstige Leistungen an die Spielervermittleragentur 'Spielerrat' (oder eine andere Spielervermittler-Gesellschaft) gegeben hat."


Minderjährige Talente werden teils hinterlistig vermittelt


Allerdings ist dies nur einer der Tricks, die immer wieder angewandt werden. Besonders im internationalen Fußball sind die Kämpfe um Talente aus dem Ausland groß, doch das Problem: Laut UEFA-Richtlinien dürfen minderjährige Spieler erst ab 16 Jahren solch einen Schritt wagen - es sei denn, die Familie des Spielers müsse aus einem Grund, der nicht mit dem Fußball in Verbindung steht, einen neuen Wohnsitz im Land des jeweiligen Klubs beziehen. 


So habe beispielsweise Paris St. Germain den damals zwölf Jahre jungen Kays Ruiz-Atil vom FC Barcelona verpflichtet, indem der Verein einen Brief für Ruiz-Atils Vater vorbereitete, der an die FIFA adressiert war. In diesem sei geschrieben worden, dass die Familie nach Frankreich - besser gesagt in die Region Paris - zurückkehren werde, um wieder näher an der Verwandtschaft zu leben. Zudem wurde der Vater von den Parisern als Scout eingestellt, was ihm unter anderem eine sofortige Fixsumme in Höhe von 30.000 Euro einbrachte.