Vor über zwei Jahren entschieden sich die Bürger Großbritanniens per Referendum für den 'Brexit'. Der Austritt aus der Europäischen Union zieht in allen Bereichen Konsequenzen nach sich, und somit betrifft die bevorstehende Trennung auch den Fußball. Die Premier League und der englische Fußballverband FA arbeiten laut der Times aktuell gemeinsam an einer Lösung, um weiterhin möglichst viele Top-Stars aus dem Ausland zu halten.


Dabei verfolgt speziell die FA ein Ziel, worüber bereits vor dem Brexit diskutiert worden sei. Aktuell dürfen englische Mannschaften maximal 17 Spieler aus dem Ausland unter Vertrag nehmen. Vereine, die das derzeitige Kontingent voll und ganz ausschöpfen, sind unter anderem Manchester City und Tottenham Hotspur, während beispielsweise der FC Chelsea oder der FC Liverpool 16 Spieler aus dem Ausland in den eigenen Reihen halten.


Das Limit soll nun auf zwölf Spieler heruntergesetzt werden. Schlussendlich soll dies zur Folge haben, dass mindestens die Hälfte aller Kaderspieler entweder in England oder Wales ausgebildet wurden oder englischer Herkunft sind. Dies soll allerdings nichts an den bestehenden Regularien ändern, nach denen sieben der 18 Spieler, die an einem Spieltag für den Kader nominiert werden dürfen, in England beziehungsweise Wales ausgebildet worden sein müssen.

Manchester City v Manchester United - Premier League

  Gemeinsam mit Tottenham Hotspur stellt Manchester City die Mannschaft mit den meisten ausländischen Spielern


Insgesamt stehen in 13 Premier-League-Vereinen mehr als zwölf ausländische Spieler unter Vertrag, weshalb sich die Kaderstrukturen bei einer Durchsetzung der Regelung zum Teil erheblich ändern dürften. Die Premier League wollte ursprünglich, dass alle ausländischen Spieler weiterhin problemlos eine Arbeitsgenehmigung erhalten, wobei man sich ob des Zeitdrucks nun beugen muss. Denn im schlimmsten Fall droht ein sogenanntes 'No-Deal'-Szenario, welches dafür sorgen würde, dass selbst ausländische Spieler aus EU-Ländern die Kriterien der Spieler erfüllen müssen, die aus Nicht-EU-Ländern stammen, wodurch sich die Lage noch einmal drastisch verschlimmern würde.


Die Liga will ihre Strahlkraft nicht verlieren


Zudem strebt die FA Überlegungen an, nach denen ausländische Spieler sofort eine Arbeitsgenehmigung erteilt bekommen sollen, wenn sie einen Vertrag bei einem Premier-League-Verein unterzeichnet haben. Die Regierung sei dem Bericht zufolge durchaus bereit, solch einer Einigung zuzustimmen: "Wir erkennen die Notwendigkeit des Sports, Fußball eingeschlossen, den Zugang zu Talenten aus der EU sowie weltweit weiterhin zuzulassen und sind darüber mit den Verantwortlichen im Austausch", wurde ein Regierungssprecher zitiert.

FBL-ENG-PR-ARSENAL-LIVERPOOL

  Klar ist: Niemand will, dass die Premier League ihre absoluten Top-Stars verliert


Während es der FA schon vor dem Brexit darum ging, die Förderung englischer Nachwuchstalente weiterhin anzutreiben und den Anteil an einheimischen Spielern zu erhöhen, fürchtet die Premier League offenbar, an Strahlkraft zu verlieren, sollten zu viele internationale Spieler die Liga verlassen müssen. Wie hoch der Anteil an ausländischen Spielern ist, zeigt eine Statistik, in der berechnet wurde, wie viele nicht-englische Spieler bei den Top-Sechs-Vereinen der Liga für wie viele Minuten auf dem Platz standen.


So gingen beispielsweise 11.232 Spielminuten von Spielern des FC Chelsea an ausländische Spieler, was nach zwölf Spieltagen einem Wert von 95 Prozent entspricht. Ebenfalls interessant: Vor zwei Wochen kamen gerade einmal 62 aller 220 Spieler, die am jeweiligen Premier-League-Spieltag für die Startelf nominiert wurden, aus England.


Die endgültigen Regelungen sollen allerdings erst Ende 2020 in Kraft treten, wenn die Übergangsphase vorüber ist. Bis dahin müssen die Klubs wohl nicht allzu sehr um ihre Top-Stars fürchten, wenngleich sie sich Gedanken über die Zukunft machen müssen.