Als Gianni​ Infantino im Februar 2016 das Amt des FIFA-Präsidenten antrat, war er der Hoffnungsträger eines europäischen Fußballs, der sich seine Aufrichtigkeit zurückwünschte. Knapp drei Jahre später steht der Verband vor der Bedeutungslosigkeit - Es ist die Folge des intriganten Führungsstils eines geldgierigen Größenwahnsinnigen.


"Die Wahl ist durch, jetzt blättern wir um. Ich werde der ganzen Welt zeigen, dass ich kein Kandidat Europas bin, sondern ein Kandidat des Fußballs." - Mit diesen Worten schickte sich Gianni Infantino am 26. Februar 2016 an, einen Scheiterhaufen namens Welt-Fußball aufzuräumen. Es war ein ambitioniertes Vorhaben, hatte der Vorgänger im Amt des FIFA-Präsidenten, Sepp Blatter, doch gefühlt mehr Porzellan zerschlagen als sämtliche Sanitäranlagen europäischer Fußballstadien herzugeben vermögen. 


Das geringste Übel


Bei allen Schwierigkeiten, mit denen der neue FIFA-Boss beim Amtsantritt konfrontiert wurde, profitierte Infantino jedoch auch von den Vergehen seines Antezessors. Denn Fans wie Vereine sehnten sich nach all den Turbulenzen und Skandalen unter Blatter vor allen Dingen nach Ruhe - nach einer Pause von schlechten Nachrichten. Ruhe und Souveränität, dafür stand der neue Präsident. Dafür steht er noch heute, trotz allen Gegenwindes. Diese Eigenschaft machte sich der damals 46-Jährige zunutze. Er erkannte, dass die lauten Stimmen, die nach Transparenz und Aufrichtigkeit schrien, mittelfristig verstummen würden. Er müsste - zumindest vordergründig - nur beweisen, dass er zwar der nächste Schweizer, nicht aber ein zweiter Sepp Blatter ist. Der Plan ging zunächst auf. 

FBL-FIFA-CORRUPTION-KATTNER

Die Wahl Infantinos zum FIFA-Präsidenten im Februar 2016 kam für viele überraschend



In der internationalen Berichterstattung galt der Neue nur selten als unumstritten, in den Augen vieler als "geringstes Übel" (z.B. Daily Mail), stets jedoch als Verbesserung gegenüber seinem Landsmann. Ein fragwürdiger Vertrauensvorschuss, mit dem Infantino, der selbst proklamierte "Kandidat des Fußballs", sein neues Amt antrat. Viele Veränderungen sollte der studierte Jurist daraufhin lostreten, wollte er doch für Umbruch im Weltfußball stehen. Gerade was den Wettbewerb anging sorgte der FIFA-Chef, wenn nicht für eine Verbesserung, dann zumindest für einen Wandel. Doch ob Vergrößerung des WM-Teilnehmerfeldes, Vergabe des weltweit größten Turniers oder Einführung des Videobeweises - Nie konnte der Präsident es auch nur einer Mehrheit der Verbände und Vereine recht machen, geschweige denn den Fußball-Konsumenten. Der Grund dafür, dass Harmonie nie auch nur im Ansatz Einzug in die FIFA erhielt, lag und liegt bis heute an der Marschroute, die der ehrgeizige Mann an der Spitze des Fußball-Weltverbandes vorgibt. 


Dem Kommerz verschrieben


Jede Entscheidung nämlich, die Gianni Infantino seit Amtsantritt trifft, krankt daran, dass es dem Schweizer vornehmlich eben doch nicht um den Sport geht, in dessen Dienst sich die Föderation eigentlich stellen sollte. Viel mehr als Fußball bedeutet dem 48-jährigen Juristen ein nicht endendes Wachstum seiner Organisation. Deshalb richtet sich die Entwicklung der FIFA weder nach sportlicher Fairness noch ausgeglichenem Wettbewerb, sondern nach den Interessen großer Sponsoren und den expandierenden Fußball-Märkten in Amerika und - vor allen Dingen - dem Nahen Osten. Der gebildete Eidgenosse weiß darum, dass das gerade bei den Konsumenten europäischen Fußballs nicht gut ankommt. Deshalb macht er, wie seine in Verruf geratenen Vorgänger, vieles im Verborgenen. Spricht nur, wenn es längst nötig ist, und dann stets mit Bedacht. Gleichzeitig wächst weltweit das Misstrauen gegenüber dem Mann, der einst als neue Hoffnung galt - auch weil er immer dreister wird, immer mehr will. 

President Trump Meets With FIFA President Gianni Infantino At White House

Nach der Vergabe der WM 2026 an die USA traf Infantino US-Präsident Donald Trump



Wie seinerzeit bei Sepp Blatter mehren sich nun die Berichte über intrigante Machenschaften, während auch die Zahl derer steigt, die Transparenz nicht mehr nur fordern, sondern mit aller Macht selbst erwirken möchten. So kam es, dass Recherchen der Süddeutschen Zeitung und des WDR am vergangenen Freitag Informationen veröffentlichten, nach denen der autoritäre Schweizer offenbar eigenmächtig das Ende der FIFA als höchste Fußballinstanz terminiert hat. Alle entscheidenden Rechte an Weltmeisterschaft, Übertragungen, Videomaterial und -Spielen sowie Merchandise sollen an Investoren abgetreten werden. Die Käufer, Britische Unternehmen namens SB Investment Advisers Limited (SBIA) und Centricus Partners LP, sind eng verflochten mit Saudi-Arabischen Geldgebern. Mit dem geplanten 25-Milliarden-Euro-Deal rückt der Fokus des Welt-Fußballs mehr denn je in Richtung Naher Osten und damit Richtung Geldgeber - Der Sport selbst wird zur Nebensache. 


Die FIFA wird indes vom eigenen Präsidenten wissentlich verraten. Der lässt eine Organisation zurück, die machtlos dabei zusieht, wie ihre Sportart zwar weiter wächst, sich aber über-kommerzialisiert pausenlos selbst belügt - Angeführt vom Schweizer Chef-Intriganten, der die Grenze zur Maßlosigkeit weit hinter sich gelassen hat.