In der breiten Öffentlichkeit erfährt Homosexualität heutzutage zumindest in Teilen Toleranz, doch im Fußball wirkt es noch immer wie eine Art Tabuthema. Das sieht auch Olivier Giroud so, der im Gespräch mit der französischen Zeitung Le Figaro dabei auch indirekt Kritik an den Verbänden übt.


Aus Sicht des Angreifers des FC Chelsea sei es "unmöglich, sich im Fußball als homosexuell zu outen" (via Sportbuzzer). Er selbst sei gegenüber homosexuellen Menschen tolerant und verstehe "den Schmerz und die Schwierigkeit für professionelle Athleten."


Im Januar 2014 sorgte der ehemalige deutsche Nationalspieler Thomas Hitzlsperger mit seinem Outing für Aufsehen. Trotz des vielen Zuspruchs gab es auch einige negative Stimmen, wie beispielsweise von Ex-Torhüter Jens Lehmann: "Innerhalb einer Fußballmannschaft ist es eigentlich undenkbar, dass das jemand das preisgibt. Ich weiß nicht, was ich gedacht hätte, wenn ich mit jemand zusammengespielt hätte, den ich tagtäglich gesehen hätte: beim Duschen, in Zweikämpfen. Niemand kann seine Gedanken kontrollieren. Was ich mit Sicherheit gewusst hätte, ist, dass es einige gegeben hätte, sei es Konkurrenten auf der Position oder andere in der Kabine, die permanent Witze darüber gemacht hätten. Die Spieler gibt es in jeder Mannschaft", sagte er damals laut einem Bericht der ​Hamburger Morgenpost in der Fußball-Talkshow 'Sky90'.

France v Germany - UEFA Nations League A

  Thomas Hitzlsperger ist in den Augen von Olivier Giroud ein Vorbild, was den öffentlichen Umgang mit Homosexualität im Fußball angeht



"Als Hitzlsperger seine Entscheidung getroffen hatte, war der Zeitpunkt gekommen, an dem ich mir gesagt habe, dass es unmöglich ist, Homosexualität im Fußball zu zeigen", sagt Giroud nun deutlich. "In einer Umkleide gibt es viel Testosteron, Kameradschaft, gemeinsames Duschen. Es ist schwierig, aber so ist es eben."


Zwar gäbe es in dieser Hinsicht bereits große Unterstützung, doch speziell im Fußball stehe "noch sehr viel Arbeit an, um Toleranz zu erreichen." Dies erkannte auch Hitzlsperger: "Das Ziel ist es, dass die Leute einen unverkrampften Umgang damit finden", sagte der 36-Jährige laut Tagesspiegel vor einem Jahr.


Auch heute herrschen in den Augen des DFB-Botschafters "viele Vorurteile", weshalb Redebedarf besteht. Doch wer den Fußball und seine überwiegend konservative Haltung kennt, weiß: Bis vieles geklärt ist, dürfte noch eine ganze Weile vergehen.