Borussia Dortmund erstrahlt in dieser Saison in neuem Glanz. Dass die Borussen den ersten Platz der Bundesliga innehaben, liegt dabei insbesondere an einem, der im Alter von 29 Jahren sein bislang bestes Profi-Jahr spielt - Marco Reus. Warum der gebürtige Dortmunder für seinen Heimatverein so sehr auftrumpft, erklärte er nun im Interview.


Im besten Fußballeralter hat Marco Reus schon viel erlebt. Er war Toptalent, Spieler der Saison, Nationalspieler. Einen Ruf jedoch konnte der Offensivmann von Borussia Dortmund nie ganz abschütteln: den des Unglücksraben. Reus wechselte 2012 nach Dortmund, da hatten die Borussen gerade zweimal die Meisterschaften gefeiert, die bis heute die letzten der Vereinsgeschichte bleiben sollten. 


Als Nationalspieler verpasste er die WM 2014 verletzungsbedingt, genauso die EM 2016. Endlich wieder gesund spielte "Die Mannschaft" ausgerechnet in diesem Jahr, mit seinem Sorgenkind, das schwächste WM-Turnier der DFB-Historie.

FBL-WC-2014-FRIENDLY-GER-ARM

Wegen eines Syndesmosebandrisses verpasste Marco Reus die WM 2014



Die Rückschläge jedoch trieben und treiben den blonden Dortmunder stets lediglich weiter an. Und so kommt es, dass der Borusse nun, im Alter von 29 Jahren, den bislang besten Fußball seines Lebens spielt. Da, wo andere Leistungssportler eventuell die Fußballschuhe schon länger am dekorativsten Nagel ihres Eigenheims hängen hätten, lässt Reus die Vergangenheit nicht nur hinter sich - er lernt daraus. Reflektiert schilderte er so im Interview mit der Süddeutschen Zeitung die Gründe für seine Leistungsexplosion. 


Der Mann, der nach 17 Pflichtspielen, elf Toren und acht Vorlagen für den BVB in dieser Saison bereits 19 Scorerpunkte verbuchen kann ist sich sicher, dass sein Erfolg auch seinem Trainer Lucien Favre zu verdanken ist. Unter dem Schweizer hatte Reus schon in ​Gladbach gespielt, hatte sich mit seiner Hilfe zum Bundesliga-Spieler der Saison gemausert. Auch jetzt scheint die führende Hand des 61-jährigen Fußballlehrers dem inzwischen deutlich gereiften Nationalspieler zu weiteren Steigerungen zu verhelfen. Favre sei zudem ein Trainer der seinen Spielern "immer, immer, immer was beibringen" wolle. Dass die Lehrstunden des BVB-Coaches Früchte tragen, zeigt wöchentlich die Leistung seiner Schützlinge - allen voran Reus. 

Borussia Dortmund Training Session

Reus und Trainer Lucien Favre kennen sich schon seit Gladbach-Tagen



Doch nicht nur vom Fußballwissen seines Trainers profitiert der gebürtige Dortmunder, sondern auch von dem riesigen Vertrauen in seine Person. Denn Dortmunds wichtigster Spieler ist unter dem neuen Mann an der Seitenlinie Kapitän, Identifikationsfigur und Dreh- und Angelpunkt des Spiels der Borussia. Bereit für die Verantwortung war der 29-Jährige, daran zweifelt er nicht: "Es ist ja nicht so, dass man sich ein Stück Stoff über den Arm streift und dann plötzlich reifer ist". Doch das Kapitänsamt war vielleicht die richtige Bestätigung, die richtige Belohnung für die harte Arbeit der vergangenen Jahre, die Reus in Form der Spielführerbinde auf ein neues Level brachte. 


Das Niveau, auf dem der Anführer der Borussen derzeit spielt, wird dadurch begünstigt, dass auch spielerisch beim BVB viel über den deutschen Zehner geht. "Diese Präsenz", sagt der Leader, "tut mir gut". Das tut sie. Sichtlich. Das temporeiche Offensiv-Spiel der Dortmunder lebt auch von der Geschwindigkeit und Kreativität, die Reus' großer Handlungsspielraum generiert. 

Borussia Dortmund v FC Bayern Muenchen - Bundesliga

Das große Vertrauen in ihn weiß Kapitän Marco Reus zu schätzen



All diese Entwicklungen des Borussia-Spielmachers wären aber unmöglich, wenn sich eine "ganz banale" Sache nicht grundlegend geändert hätte: die Gesundheit. Denn zum ersten Mal in einer gefühlten Ewigkeit bekommen es der BVB und der Spieler selbst hin, den anfälligen Körper des 29-jährigen Leistungsträgers nicht zu überlasten. Abgesehen von einer Fußprellung aus dem letzten Spiel gegen ​Bayern München ist Marco Reus fit. Wie wichtig das ist, hat ihn die Vergangenheit schmerzlich gelehrt: "Ich habe gelernt zu akzeptieren, dass mein Körper vielleicht nicht für 60 Spiele über die volle Distanz in einer Saison gebaut ist". 


Haushalten mit den eigenen Kräften - das ist vielleicht die wichtigste Verbesserung, die sich der Bundesliga-Superstar über die Jahre angeeignet hat. Die letzte soll es indes nicht sein. Denn den besten Reus aller Zeiten, so der Dortmunder selbst, hat die Welt womöglich noch gar nicht gesehen. Sollte der Borussia-Kapitän recht behalten, darf man sich als Fußballfan wohl auf die nächsten Wochen, Monate und Jahre freuen.