Gäbe es nicht eine gewisse andere Borussia aus Dortmund, dann würde ​Borussia Mönchengladbach derzeit an der Tabellenspitze der Bundesliga thronen. Die Fohlen legten den besten Auftakt der vergangenen Jahre hin und dürfen in diesem Jahr zurecht den Europapokal anvisieren. Ob es für die Meisterschaft reicht, ist aufgrund des zu erwartenden Zweikampfes zwischen dem BVB und dem FC Bayern fraglich, doch klar ist allemal: Gladbach spielt wieder oben mit. 


In den Spielzeiten 2014/15 und 2015/16 qualifizierte sich die Borussia für die Champions League und erreichte damit den bisherigen Höhepunkt seit der Wende, die nach dem dauerhaften Abstiegskampf im Jahr 2011 eingeläutet wurde. Seither klappte es nicht mehr mit einer Qualifikation für das internationale Geschäft, doch die aktuellen Zahlen untermauern, dass mit den Gladbachern auf jeden Fall zu rechnen ist.


23 Punkte nach elf Spielen, dazu 26 erzielte Tore. Im Vergleich zu den Jahren, in denen man sich für die Königsklasse qualifizieren konnte, schneidet die Mannschaft unter Dieter Hecking sogar am besten ab. Wie nicht nur der Trainer, sondern auch Sportdirektor Max Eberl befindet, ist dies kein Zufall: "​Platz zwei ist das Resultat unserer Leistungen nach fast einem Saisondrittel. Wenn man berücksichtigt, dass wir von den elf Spielen sechs auswärts und fünf zuhause hatten, ist die Leistung der Mannschaft sogar noch höher zu bewerten", wird der 44-Jährige auf der vereinseigenen Website zitiert. 


Was die Fohlen so stark macht, ist die hohe Qualität in der Offensive. Was da besonders auffällt: Thorgan Hazard ist so effektiv wie nie. Der Belgier steht schon jetzt bei sieben Toren, blieb seit dem vierten Spieltag nur in einer Partie ohne Torbeteiligung. Noch in der vergangenen Saison schaffte er es auf gerade einmal zehn Treffer, doch diese Marke dürfte der Flügelspieler schon bald pulverisieren.

Borussia Moenchengladbach v Fortuna Duesseldorf - Bundesliga

    Zwei Erfolgsgaranten: Alassane Plea und Thorgan Hazard (v.l.)


Zudem hat die Borussia endlich wieder einen Torjäger: Alassane Plea. Der Franzose, der von Didier Deschamps für die Nationalmannschaft nachnominiert wurde, trifft wie am Fließband - vor allem auswärts. Er allein sicherte mit seinem Hattrick den Sieg bei Werder Bremen, ist ein Garant für Punkte und somit jeden Cent wert, den die Verantwortlichen im Sommer nach Nizza überwiesen.


Defensive Wackler ad acta gelegt


Auch die Defensive steht deutlich stabiler. Nico Elvedi bildet mit Matthias Ginter das neue Innenverteidiger-Duo, während die erfahrenen Oscar Wendt und Michael Lang auf den Außenbahnen Platz nehmen. Gemeinsam mit Eintracht Frankfurt stellt man derzeit mit 13 Gegentoren die drittbeste Abwehr - einzig Borussia Dortmund und RB Leipzig waren bis dato noch schwerer zu knacken. Im Vergleich zum Vorjahr, als man nach der Hinrunde bereits 28 Gegentreffer, am Saisonende gar 52 zu verzeichnen hatte, ein klares Plus.

VfL Wolfsburg v Borussia Moenchengladbach - Bundesliga

  Nico Elvedi darf endlich auf seiner angestammten Position im Abwehrzentrum ran - und überzeugt auf voller Linie


Durch den Sieg in Bremen hält Gladbach aktuell sechs Punkte Vorsprung auf den siebten Tabellenplatz. Doch wäre die Europa League im Zweifelsfall befriedigend? Bei der gegenwärtigen Spielweise auf keinen Fall.


Nach zwei schwierigen Jahren zeigt die Mannschaft wieder offensiven, attraktiven Fußball, der vor allem auf den Umstellungen im zentralen Mittelfeld basiert. Florian Neuhaus überzeugt durch seine Kreativität und Finesse am Ball, Jonas Hofmann besticht mit seinem enormen Tempo. Der 26-Jährige explodiert, steht schon bei fünf Toren und lässt die Konkurrenz problemlos hinter sich.


Dafür sorgt auch die hohe Leistungsdichte im Kader. Wöchentlich müssen Spieler wie Christoph Kramer, Denis Zakaria, Fabian Johnson, Ibrahima Traore oder Raffael auf der Bank Platz nehmen. Für Hecking eine schwierige Situation, doch zugleich weiß er: Wenn einer mal schwächelt, gibt es genügend Alternativen auf der Bank. Die Spieler müssen daher zu jeder Zeit ihre volle Leistung abrufen, wenn sie weiterhin regelmäßig spielen wollen.


Konstanz als Schlüssel zum Erfolg


Allerdings stehen die Fohlen vorerst auf dem Prüfstand, denn trotz des bisherigen Erfolgs stellt sich die Frage, wie konstant die Mannschaft tatsächlich ist. Vor drei Jahren beendete man die Saison mit 66 Punkten, Platz fünf war 17 Zähler entfernt. Ein Jahr später waren es - auch aufgrund der fünf Niederlagen zum Auftakt - nur noch 55 Punkte, weshalb das Champions-League-Ticket erst kurz vor Schluss eingelöst wurde.


Alle blicken von Spiel zu Spiel, doch um in den Europapokal einzuziehen, muss man zunächst bis zum Ende der Hinrunde auf der aktuellen Welle reiten. Sollte dann noch ein guter Start in die zweite Hälfte der Saison gewinnen, scheint fast alles möglich - auch die Champions League, die laut Plea das erklärte Mannschaftsziel ist: "Es liegt an uns, alles dafür zu tun, dass es klappen kann. Ob wir es schaffen, weiß ich nicht. Wir werden es versuchen", so der Torjäger gegenüber der ​Sport Bild