Mark Uth, Breel Embolo und nun auch noch Nabli Bentaleb - bei Vizemeister ​Schalke 04 mussten gleich drei Profis ihre Länderspielreise verletzungsbedingt absagen. Es zieht sich jedoch wie ein roter Faden durch die Saison: Im Gelsenkirchener Lazarett geben sich die Spieler fast täglich die Klinke in die Hand. Seit dem Trainingsstart im Juli haben sich 18 Akteure (!) verletzt.

Gegenüber der WAZ erklärt Dr. Ingo Tusk, Vizepräsident der Deutschen Sportärzte (DGSP): „Wenn ein Klub wie Schalke in drei Wettbewerben spielt, dann muss alles laufen wie ein Uhrwerk. Richtige Regeneration, richtige Ernährung - das sind Themen, auf die es ankommt. Aber das erwarte ich auch bei einem Verein wie Schalke. Sie sind medizinisch gut aufgestellt.

FC Schalke 04 v Galatasaray - UEFA Champions League Group D

Mark Uth hatte gerade erst seinen Schalker Torfluch gebrochen


Doch worin liegen die Gründe für die königsblaue Verletztenmisere? „Die Summe der Ausfälle ist hoch. Aber es gibt eben Phasen, in denen ein Verein geballtes Pech hat“, betont Tusk und fügt an: „Gedanken müsste sich Schalke erst dann machen, wenn es ​in der zweiten Saisonhälfte so weitergeht.

Besonders auffällig sind derweil die Arten der Verletzungen bei den Knappen. Amine Harit, Yevhen Konoplyanka, Omar Mascarell, Steven Skrzybski und jüngst Mark Uth zogen sich im Laufe der Saison allesamt einen Muskelfaserriss zu. Hinzu kommt ein Muskelbündelriss bei Routinier Sascha Riether. Doch ist das Lazarett noch lange nicht vollständig.

Benjamin Stambouli (Syndesmosebandriss), Hamza Mendyl (doppelter Außenband- und Kapselriss), Cedric Teuchert (Teilruptur der Sehne im Hüftbeuger), Bastian Oczipka (Leistenoperation), Guido Burgstaller (Fersenprobleme), Johannes Geis (Oberschenkelbeschwerden), Weston McKennie (Muskelprellung mit Einblutung im Unterschenkel), Suat Serdar (Bänderdehnung), Nabil Bentaleb (Rückenbeschwerden) und der zu Paris St. Germain abgewanderte Thilo Kehrer (Fersenverletzung) zählten - oder zählen teilweise immer noch - zu den Rekonvaleszenten.

Auffällig scheint auch, zehn Spieler verletzten sich dabei im Training. Doch den Einheiten von ​Domenico Tedesco die Schuld zu geben, wäre zu einfach. Vielmehr sind auch die Kicker selbst gefragt.


Spieler ​„müssen besser in ihren Körper hineinhören

„Sie müssen besser in ihren Körper hineinhören", betont Tusk. Das ist immer eine Gratwanderung, weil der Verein unter Druck steht und der Profi seinen Platz nicht abgeben will. Wenn aber einer denkt, er könnte Voltaren gegen Schmerzen nehmen und trotzdem spielen, dann kommt es früher oder später bei hoher Belastung zum Muskelfaserriss.“ 


Letzten Endes wollen Vereine wie Schalke „unbedingt in der Champions League dabei sein“, so Tusk. „Du kriegst viel Geld in diesem Wettbewerb. Aber du zahlst auch einen hohen Preis.“ S04 erfährt es dieser Tage am eigenen Leib!