Mit einem neuen Verhaltenscodex soll beim DFB wieder der Teamgeist gestärkt werden. Die Spieler haben die neuen Regeln selbst aufgestellt und wollen damit aus den Fehlern der Vergangenheit lernen. Derweil treibt Oliver Bierhoff den Schulterschluss mit der "Basis" weiter voran.


Der Umbruch in der ​deutschen Nationalmannschaft nach der WM-Blamage soll nicht nur auf dem Platz stattfinden. Ein Hauptproblem für die Enttäuschung in Russland haben die Verantwortlichen und Spieler offenbar auch im Verhalten untereinander ausgemacht. Von Cliquen-Bildung und mangelnder Kommunikation war vielfach die Rede.


Damit soll jetzt Schluss sein. Die Spieler selbst wollen dem ein Ende setzen - und stellten in Absprache mit Bundestrainer Joachim Löw und Nationalelf-Manager Oliver Bierhoff einen neuen Verhaltenskatalog auf. Die wichtigsten Neuerungen: Während des Essens soll es nicht mehr erlaubt sein am Handy herumzuspielen.


"Beim gemeinsamen Essen liest man nicht, das ist ein Zusammenkommen, bei dem man sich miteinander unterhalten soll. Die Spieler haben selbst erkannt, dass das gleiche heutzutage auch für ihre Handys gilt", erklärte Bierhoff der Sportbild. 


Als Basis für den Erfolg, wie etwa beim Titelgewinn 2014, sieht Bierhoff auch die mannschaftliche Geschlossenheit. Die Vermeidung von Grüppchen soll den Zusammenhalt unter allen wieder stärken. "Richtig ist, dass wir bewusst mehr mischen wollen. Die Spieler wollen sich untereinander wieder besser kennenlernen und gute gemeinsame Momente schaffen, welche die Basis für einen Teamerfolg sind",


Ein DFB zum Anfassen


Neuerungen wurden aber auch von Bierhoff selbst initiiert. Das gilt insbesondere für den Kontakt mit den Anhängern. Die DFB-Elf soll wieder eine zum "Anfassen" werden, so der Plan des Managers. Am Dienstagabend etwa besuchten Manuel Neuer, Leroy Sané, Timo Werner und Julian Brandt eine Schule in Leipzig, um sich den Fragen der Kinder zu stellen.

Thomas Müller, Leon Goretzka, Sebastian Rudy, Kevin Trapp, Serge Gnabry und Nico Schulz waren unterwegs um gemeinsam mit dem Nachwuchs des SV Lindenau ein kleines Training zu absolvieren. Im Anschluss wurden kräftig Autogramme geschrieben und geduldig Selfies gemacht.

"Wir wollen schärfen, was es bedeutet und welche Verantwortungen es mit sich bringt, Nationalspieler zu sein. Dazu zählen der Stolz, für diese Mannschaft und sein Land spielen zu dürfen, genauso wie der Respekt vor den Fans", meinte Bierhoff zu den neuen Maßnahmen. Schon zuletzt wurde jeweils eine Trainingseinheit öffentlich abgehalten.


Ob das neue, verbesserte Teamgefüge schon in den letzten beiden Spielen des Jahres Früchte trägt wird sich am ​Donnerstag gegen Russland (20.45 Uhr) und im letzten Nations-League-Spiel gegen die Niederlande am Montag (20.45 Uhr) zeigen. Dann soll wenigstens der nächste große Rückschlag abgewendet werden - der Abstieg aus der A-Liga.​