Die Bundesliga macht aktuell wieder richtig Spaß - und das liegt nicht daran, dass dieses Mal Borussia Dortmund anstelle des FC Bayern München vom Platz an der Sonne grüßt. Die Mannschaften spielen vermehrt wieder kreativen und offensiven Fußball, der das verlorengegangene Niveau der letzten Jahre prompt anhebt. Eine der positivsten Überraschungen ist Borussia Mönchengladbach. Die 'Fohlen' liegen nach dem elften Spieltag verdientermaßen auf dem zweiten Tabellenplatz, müssen sich nun allerdings die Frage stellen: Geht der Blick nach oben oder nach unten?


Noch in der abgelaufenen Spielzeit war Max Eberl nicht müde zu betonen, dass die Gladbacher Borussia vor einigen Jahren noch ganz andere Sorgen hatte, als den Unmut der Fans darüber, dass man zwar auf einem einstelligen Tabellenplatz landete, jedoch die Chance auf die Qualifikation für die Europa League vermasselt hat.


Intern war allerdings klar: Solch ein Saisonverlauf ist auf Dauer nicht das, was der Verein sich vorstellt. Denn schon seit Jahren befinden sich die Gladbacher auf einem Weg, der langfristig gesehen nach oben führt. Auch deshalb suchte der Sportdirektor gemeinsam mit Trainer Dieter Hecking nach den Gründen für die inkonstante, überschaubare Leistung, die die Mannschaft erbrachte.


Aus den Überlegungen wurden Taten - und diese fruchten: Rekord-Neuzugang Alassane Plea, der für stolze 23 Millionen Euro vom OGC Nizza nach Gladbach wechselte, trifft wie am Fließband. Nach zwölf Pflichtspielen steht der Franzose bei elf Toren, jüngst erzielte er beim 3:1-Auswärtssieg in Bremen einen Hattrick. Zum Vergleich: Ex-Rekordstürmer Luuk de Jong, der im Sommer 2012 für zwölf Millionen Euro verpflichtet wurde, brachte es in seiner gesamten Zeit am Niederrhein auf gerade einmal acht Tore. Genau so viele hat Plea allein in der Bundesliga schon jetzt auf seinem Konto.

SV Werder Bremen v Borussia Moenchengladbach - Bundesliga

  Glänzt fast jedes Wochenende: Torjäger Alassane Plea



Zusätzlich wäre da noch die Systemumstellung: Das altbackene 4-4-2 wurde zwar nicht ganz aus dem Konzept gestrichen, allerdings präferiert Hecking nun ein 4-3-3, das für wahre Wunder sorgt. Jonas Hofmann, der zwar viel, aber kaum effizient spielte, blüht plötzlich auf, sammelte bereits zwölf Torbeteiligungen und ist in seiner neuen Position, der 'Acht', unangefochtener Stammspieler. Ähnliches gilt für Tobias Strobl, der nach seinem Kreuzbandriss im vergangenen Jahr eindrucksvoll zurückkehrte und seitdem Weltmeister Christoph Kramer sowie den Shootingstar der letzten Saison, Denis Zakaria, auf die Bank verdrängt.


Sportlicher Höhenflug


Generell macht es die Mischung, die der Kader bietet. Die meisten Spieler sind vielseitig einsetzbar, allein in der offensiven Dreierreihe kann Hecking nahezu nach Belieben variieren. Auch im Mittelfeld und der Abwehr bieten sich viele Möglichkeiten, weshalb sich der 54-Jährige im Sommer vorgenommen hat, die Mannschaft eher nach dem Kader auszurichten. Er wolle das nehmen, was ihm das Aufgebot bietet - und landete damit einen vollen Erfolg.

FC Bayern Muenchen v Borussia Moenchengladbach - Bundesliga

 Dieter Hecking lacht selten, obwohl er seit August allen Grund dazu hätte



Die bisherige Bilanz: 13 Pflichtspiele - acht Siege, zwei Unentschieden, drei Niederlagen. Allerdings kommt es nicht nur auf die rohen Ergebnisse an, sondern auch auf die Spielweise. Das schnelle, variable, technische Spiel der Gladbacher macht Spaß. Der Fußball ist bedeutend ansehnlicher als noch vor einem Jahr, als die Fans sich an den ständigen Rückpässen zu Torhüter Yann Sommer schnell sattgesehen haben.


Nach elf Spieltagen liegt die Borussia auf dem zweiten Tabellenplatz, hat dabei vier Zähler Rückstand auf Spitzenreiter Borussia Dortmund und drei Punkte Vorsprung auf den FC Bayern München. Von einer Momentaufnahme will man keineswegs sprechen, wie Hecking betont. Die Leistung ist erarbeitet, weshalb die Mannschaft verdient dort oben steht.


Wohin führt der Weg?


Allerdings birgt diese Position auch eine gewisse Verantwortung mit sich, allen voran in der Kommunikation der Ziele. Geht Gladbach in den Angriffsmodus? Oder lautet Understatement die Devise?


Nach außen hin dürfte es klar kommuniziert werden: Ja, die gegenwärtige Situation ist toll und sie ist der Lohn harter Arbeit. Aber man werde von Spiel zu Spiel denken, die Tabelle weitestgehend ausblenden und sich einfach von Sieg zu Sieg arbeiten.  


Auch intern dürfte man vor allem auf Ruhe plädieren. Denn wie schnell solch eine Erfolgsserie enden kann, zeigte das unrühmliche Ende von Lucien Favre vor drei Jahren. Einer Vertragsverlängerung mit Hecking scheint nichts im Wege zu stehen, wobei sich die Frage stellt, welche Ziele damit verbunden werden.

Borussia Moenchengladbach v Bayer 04 Leverkusen - Bundesliga

  Seit einem Jahrzehnt baut Max Eberl den Verein behutsam auf. Doch: Wird seine Arbeit irgendwann mit einem Titel belohnt?



Trainer und Sportdirektor sind ehrgeizig. Hecking gewann 2015 den DFB-Pokal mit dem VfL Wolfsburg, spielte in der Champions League und verpasste dort nur knapp die Sensation gegen Real Madrid. Eberl ist seit zehn Jahren als Sportdirektor im Amt und will unbedingt einen Titel - den Pokal kann man allerdings nicht mehr gewinnen.


Für Borussia Mönchengladbach kann es nur in eine Richtung gehen: Nach vorne. Rückblicke in die Vergangenheit sind aufgrund der aktuellen Situation nicht nötig. Der Verein befindet sich nach dem mittelgroßen Neuanfang in einer fantastischen Situation. Finanziell ist man ohnehin seit Jahren voll im Soll. Zudem bietet der Kader nach und nach mehr Möglichkeiten, um erfolgreich spielen zu lassen.


Die Meisterschaft dürfte nur bedingt ein Thema werden, doch klar ist: Keiner der Verantwortlichen würde nein sagen, wenn es darum geht, sich nachhaltig in der Spitzengruppe der Bundesliga festzusetzen. Und die Rückkehr in den Europapokal ist sowieso ein Wunsch, den viele hegen, so auch die Spieler.