Es wirkte fast so, als könnten es die Profis von ​Eintracht Frankfurt selbst nicht glauben. Doch nach dem gestrigen 3:2 über Apollon Limassol zogen die Hessen mit Pauken und Trompeten in die K.o-Runde der Europa League ein. Sowohl Spieler als auch der Trainer Adi Hütter stimmten in die Emotionen ein, die ihnen von der Tribüne der mitgereisten Fans entgegen schwangen. Alle sind glücklich in Frankfurt – da darf man auch mal lockere Interviews geben.


Frankfurts Danny da Costa interviewte sich nach dem Spiel selbst und brachte den gelungenen Abend am ARD-Mikrofon auf den Punkt: „Bin ich froh, dass wir eine Runde weiter sind? Ja! Finde ich es cool, dass die Fans uns so sehr unterstützen? Ja! Geht jetzt der Fokus zu Sonntag? Ja!“, fasste er die wesentlichen Aspekte der aktuellen Situation zusammen. Der SGE-Höhenflug versetzt alle in gute Laune.


„Fredi Bobic hatte gesagt, er wolle durch die Gruppenphase marschieren. Ich weiß nicht, ob er das so eindrucksvoll erwartet hat“, resümierte da Costa, „das haben uns nicht wirklich viele zugetraut.“ Auch Bobic nicht, wenn man den Worten von Eintracht-Präsident Peter Fischer Gehör schenkt: „Zwölf Punkte hatte keiner auf dem Plan, kein Trainer, kein Fredi Bobic.“ Vermutlich auch nicht die Fans oder die Spieler selbst. Doch man trat selbstsicher und konsequent auf und ließ während der bisherigen Saison keinen Zweifel an den Ambitionen aufkommen. Dementsprechend glücklich ist man bei der Eintracht nun.


​Tatsächlich kam die Frage auf, ob das Erbe von Niko Kovac nicht eine Nummer zu groß für Adi Hütte​r sei. Vor allem nach dem bitteren Pokal-Aus sah es so aus, als hätte der neue Trainer einen schweren Einstand am Main, doch die Situation beruhigte sich schnell, wie er selbst erklärte: „Ich habe das Gefühl, dass ich immer mehr und mehr in Frankfurt ankomme und dass mich auch die Fans schätzen.“

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Die mitgereisten Frankfurt-Fans sorgten für Heimspielatmosphäre auf Zypern



Heimspiel in Nikosia


Deshalb ging er nach der Partie auch vor die Kurve der Frankfurt-Anhänger und ließ sich und die Mannschaft feiern: „Die Fans haben vom Gefühl her darauf gewartet, dass ich in die Kurve gehe – gerade heute hat es gepasst“, bedankte er sich für die Unterstützung der Fans etwa 3500 Kilometer von Frankfurt entfernt. Sie werden auf ihre Kosten gekommen sein, denn sie dürften da Costa zustimmen, der findet: „Jedes Spiel war bis jetzt ein Fest.“ Es war ein gefühltes Heimspiel im schlecht besuchten Stadion von Nikosia auf Zypern – die Stimmung machten die etwa 4000 Gäste-Fans und pushten ihre Mannschaft ins Sechzehntelfinale der Europa League.


„Das ist schon Wahnsinn, mit welcher Souveränität wir durch die Spiele gegangen sind“, setzte da Costa nach. In einer Gruppe mit Olympique Marseille und Lazio Rom so eindrucksvoll zu bestehen, ist keine Selbstverständlichkeit und demnach umso eindrucksvoller. Gelson Fernandes machte dabei allerdings eine Einschränkung: „Wir sind zufrieden, obwohl wir kein super-tolles Spiel gemacht haben.“ Der Schweizer war bemüht, auf die Euphorie-Bremse zu treten, denn die wichtigste Phase der Saison hat man noch vor sich: „Man muss die gute Zeit genießen. Es gibt auch immer Perioden, in denen man weniger lacht“, mahnte er, „aber so ist es natürlich besser, als wenn der Baum brennt.“


Sogar der Präsident singt mit


Auch Torhüter Kevin Trapp sah das so: „Supertoll“, ließ er sich entlocken, obwohl er auch Kritikpunkte hatte. Es gäbe noch Kleinigkeiten zu verbessern und außerdem sei es letztlich ein knappes Ergebnis, aber „auch das haben wir geschafft“, sagte der Nationaltorwart. Die Eintracht schafft so einiges. In der Liga steht man auf dem fünften Platz und kann die kommenden zwei Europacup-Spiele entspannt und mit Genuss angehen. Die Fans sangen das Europa-Pokal-Lied. Wenn sogar der Vorstand einstimmt, weiß man, wie gut die Stimmung ist: „Heute habe ich mir ein Lied gewünscht“, sagte Präsident Fischer, „Das haben die Fans zum ersten Mal gesungen. Ganz groß.“


Die Eintracht hat ihre Pflichtaufgaben in der Liga eindrucksvoll gemeistert und konnte sich zusätzlich mit einer starken Leistung auf europäischer Ebene auszeichnen. Mittlerweile sind sie seit acht Spielen ungeschlagen, nur gegen den ​1. FC Nürnberg musste man sich mit einem Unentschieden zufriedengeben.


Da ist auch mal Zeit für einen Scherz am Rande: „Man hat heute speziell nach dem Anschlusstreffer sofort gemerkt, dass das Nürnberg-Spiel wieder im Kopf war und uns verunsichert hat“, witzelte da Costa über das 1:1 gegen die Franken – den einzigen Ausrutscher der intensiven Englischen Wochen. Obwohl sie bemüht waren, Fassung zu bewahren, waren die Frankfurter gestern durch die Bank sehr glücklich über ihre Situation. Gegen den ​FC Schalke 04 am Sonntag ist allerdings volle Konzentration nötig - damit der Freudentaumel weitergehen kann.