​Der kicker unterstellt der Scouting-Abteilung des ​FC Bayern München in der heutigen Ausgabe „offenkundige Defizite“ bezüglich Handlungsweise und Erfolg. Gerade im Vergleich mit ​Borussia Dortmund oder Vereinen der Premier League hinke man hinterher, was das Potenzial angeht, hochtalentierte Spieler früh zu entdecken und von sich als Arbeitgeber zu überzeugen. Als Beispiele nennt der kicker die 'jungen Wilden' vom BVB, bei denen Bayern untätig blieb, als sich die Gelegenheit bot.


Der kicker berichtet am heutigen Donnerstag, dass der FC Bayern anderen Vereinen im Scouting-Bereich deutlich hinterherhinke. Allerdings seien die Anforderungen an sie auch andere. So schrieb die Bild schon im Oktober, dass Sportdirektor Hasan Salihamidzic seine Scouts auf ihre Posten geschickt habe – es ging aber nicht um Talente für die kommenden Jahre, sondern um Verstärkung, die sofort einschlägt. Die Bayern gewinnen aktuell zu wenige Spiele und planen scheinbar, sich punktuell für die laufende Saison zu verstärken.


Zu hoch ist der Erfolgsdruck, zu wichtig ist die ​Champions League, als dass man sich damit aufhalten könnte, junge Spieler über Monate an den Profialltag heranzuführen. So entschied man sich im Sommer 2017 eher für einen zweifachen Champions-League-Gewinner wie James Rodríguez von ​Real Madrid und überließ Talente wie Dan-Axel Zagadou (damals 18 Jahre), Jacob Bruun Larsen (18) und Jadon Sancho (17) dem BVB.


Nichtsdestotrotz verwundert es, wenn man Namen wie Antoine Griezmann oder Malcom hört, die potenziell bei den Bayern auf dem Zettel gestanden haben sollen und laut des Berichts an der Säbener Straße sogar angeboten worden seien. Man muss sich fragen lassen, ob die Scouts dieses Potenzial nicht hinreichend erkannt haben oder schlichtweg anders priorisierte Aufträge hatten. Zukunftsorientierte Verpflichtungen wie die eines damals 18-jährigen Renato Sanches im Sommer 2016 sind die Ausnahme.


Daran sieht man, dass die Bayern auf bewährte Klasse setzen, welche man von heute auf morgen ohne Qualitätsverlust in die Mannschaft einbringen kann. Insgesamt weist der Kader des deutschen Rekordmeisters ein Durchschnittsalter von 27,3 Jahren auf. Dabei habe man laut des Berichts durchaus versucht, vielversprechende Nachwuchskicker an sich zu binden, doch konkret sei man bei Jadon Sancho und Ousmane Dembélé einfach zu spät gekommen: Beide unterschrieben beim BVB.


Wie die SportBild schon Anfang Oktober berichtete, soll sich der FC Bayern angesichts ausbleibender Erfolge bereits mit der ​Kaderplanung für die kommenden Transferfenster beschäftigen. Dabei will das Magazin erfahren haben, dass man Interesse an Ante Rebic (25 Jahre), Christian Pulisic (20), Leon Bailey (21), Anthony Martial (22), Florian Thauvin (25) und Nicola Pépé (23) habe – allesamt Spieler, die sich bei ihren Vereinen bereits bewährt haben.

Borussia Dortmund v 1. FC Union Berlin - DFB Cup

Im Gegensatz zum FC Bayern München setzt der BVB verstärkt auf junge Talente: Jadon Sancho (li.) und Christian Pulisic (o.)


Rebic ist amtierender DFB-Pokalsieger, Pulisic hat schon 109 Bundesliga- und 21 Länderspiele absolviert, ​Bailey wird von ganz Europa gejagt. Thauvin ist Weltmeister, während Martial die WM nur knapp verpasste. Einzig Nicolas Pépé könnte am ehesten einen perspektivischen Transfer darstellen – der Ivorer hat 'erst' neun Länderspiele absolviert und steht noch am Anfang seiner Entwicklung, weist aber auch schon einen kolportierten Marktwert von 25 Millionen Euro auf.


Diese Selektion hat auch Bayern-Chefscout Laurent Busser zu verantworten, der als Franzose natürlich häufig ins sein Heimatland schielt, um passende Spieler zu entdecken. Allerdings ist das keine exklusive Idee, denn gerade jetzt, wo Frankreich Weltmeister ist, versuchen alle großen Klubs, einen guten Draht nach Frankreich herzustellen. Gleichzeitig hat der deutsche Meister mit Franck Ribéry, Kingsley Coman und Corentin Tolisso drei Landsmänner im Kader, die selbst im Falle, dass man einen jungen Ligue-1-Spieler holen würde, dafür sorgen sollen, dass Integration und Einsatzbereitschaft so schnell wie möglich gegeben sind.


Die Idee in München geht in eine andere Richtung als die der Ligakonkurrenten: Die Bayern halten sich nicht mit Experimenten oder fußballerischer Ausbildung auf, wenn ein Profi gekauft wird. Er muss sich sofort in mehreren Wettbewerben als Erfolgsgarant beweisen und mit dem Wurf ins kalte Wasser umgehen können. Insofern ist das Defizit in der Scouting-Abteilung der exklusiven Stellung des FCB geschuldet.