Wird es ein harter Brexit oder am Ende doch alles nicht so schlimm wie befürchtet? Nicht nur die Politiker treibt der Ausstieg aus der Europäischen Union am 29. März 2019 um. Auch die englische Premier League fürchtet, dass Spielertransfers aus dem europäischen Ausland künftig viel schwieriger zu stemmen sind.


Die Premier League ist die florierendste Fußballliga der Welt. Nirgendwo sonst fließen höhere Gehälter, nirgendwo sonst tummeln sich mehr Spitzenspieler aus der ganzen Welt als in England. Sorgenvoll blickt man derzeit allerdings auf die Politik. Zweieinhalb Jahre nach dem Brexit-Votum weiß niemand, wie schwer die Zäsur sein wird. Die Premier League fürchtet einen immensen Verlust an Konkurrenzfähigkeit mit anderen europäischen Ligen. 


Arbeitserlaubnis für EU-Ausländer künftig viel schwieriger?


Aktuell gelten für Fußballer aus dem EU-Ausland keine Beschränkungen, wenn sie nach England wechseln. Für Transfers von Profis aus fernen Ländern außerhalb der EU, sind die Regeln schon jetzt strenger. Für eine Arbeitserlaubnis braucht der Spieler die Zustimmung des nationalen Fußballverbands FA. Das heißt, der Profi erhält eigentlich nur dann eine Arbeitserlaubnis, wenn er regelmäßig in seiner Nationalelf zum Einsatz kommt, die laut Fifa-Ranking zu den 60 besten der Welt zählen muss, oder wenn der jeweilige Spieler sein außergewöhnliches Talent anderweitig nachweisen kann, etwa durch überdurchschnittliche Ablösesummen. 

Erwähnte Auflagen könnten bald für alle Nicht-Briten bestehen. Schon 2017 forderten die Klubbesitzer bei einem gemeinsamen Treffen die britische Regierung auf, die Richtlinien für den Fußball aufzulockern. Bleiben die Politiker hart, dürfte dies vor allem die kleineren Vereine schwächen. "Das Ende der Bewegungsfreiheit macht es sehr viel schwieriger, talentierte Spieler zu holen", fürchtet Mike Garlick, Präsident des FC Burnley und fügt hinzu: "Es droht, die wachsende Ungleichheit in unserer höchsten Spielklasse noch zu verschlimmern."


​"Die Bundesliga wird die Premier League mittelfristig ablösen"


Der Brexit könnte der Bundesliga hingegen in die Hände spielen. Gregor Reiter, Geschäftsführer der deutschen Spielervermittler-Vereinigung DFVV, erklärt gegenüber der SportBild, dass besonders die Bundesliga von einem harten Brexit profitieren könne. "Durch den Brexit wird die Bundesliga meiner Meinung nach die Premier League mittelfristig als Nummer 1 auf der Welt ablösen. Plakativ gesagt ist der Brexit – auch wenn er politisch zu bedauern ist – das Beste, das dem deutschen Fußball passieren kann", schätzt Reiter. 


Er glaube, dass viele Spieler, die bisher mit einem Wechsel in die Premier League liebäugelten, aber künftig die Voraussetzung nicht erfüllen, sich auf andere Märkte konzentrieren müssen. "Da ist der nächste Markt, den sich alle angucken werden, weil er der wirtschaftlich stärkste nach der Premier League ist, der deutsche", sagte der Jurist